Bohsung_AKAsyl

Arbeitskreis Asyl nach 23 Jahren Hilfeleistung aufgelöst

Man merkte Ingrid Bohsung sichtlich an, dass es ihr nicht leicht gefallen ist, die Entscheidung der Landeshauptstadt Stuttgart zu akzeptieren, dass der Arbeitskreis Asyl in Weilimdorf nun Geschichte ist – ein letztes Mal stand Sie in Ihrer Funktion als Sprecherin des “AK Asyl” dem Bezirksbeirat auf seiner letzten Sitzung im Jahr 2009 zur Berichterstattung zur Verfügung, ließ die 23 Jahre währende Arbeit Revue passieren. Begonnen hatte alles 1986, damals noch unter dem Bezirksvorsteher Fritz Bäzner, als das Thema “Flüchtlinge” erstmals aktuell wurde. Jeden Freitagabend gab es damals am Löwen-Markt einen “Schweigekreis”. Der Vortrag des damaligen Pfarrers König von der Oswaldgemeinde zum Thema “Umgang mit Fremden” bewirkte, dass eine Gruppe WeilimdorferInnen der Gedanke kam “wir müssen etwas tun” – nachdem klar war, dass auch in Weilimdorf Flüchtlinge untergebracht werden. Es folgten Standaktionen und Hausbesuche bei Weilimdorfer Bürgern, um die Aufnahme der ersten rund 100 Flüchtlinge, die damals z.B. aus Ägypten oder auch Afghanistan kamen, möglichst ohne Ablehnung oder Hass zu gewährleisten.

Bis heute ist das Schicksal einiger Flüchtlinge ungewiss, warten 10, 15 oder mehr Jahre auf die Genehmigung des Asylantrages. Der Arbeitskreis Asyl kam aus der Arbeitsgemeinschaft Dritte Welt, bot den Flüchtlingen und ihren Kindern Hausaufgabenbetreuung und Sprachhilfe. Ab 1989/1990 wurden die Flüchtlinge in der Niersteiner Straße untergebracht, zeitweilig lebten bis zu 170 Menschen dort, ohne dass es ernsthafte Probleme mit ihnen gegeben hat. Bis nun im Sommer das Aus für die Flüchtlingswohnungen kam – der 20 Jahre dauernde Mietvertrag mit dem Hauseigentümer wurde nicht verlängert, die Grundlage des AK Asyl wurde damit unterminiert. Bis zuletzt focht der AK für den Erhalt, erreichte, dass wenigstens drei Familien in der Niersteiner Straße bleiben dürfen, zwei weitere Familien sind noch wohnungssuchend. Diese wollen möglichst auch in Weilimdorf bleiben, weil deren Kinder inzwischen in den Schulen fest verwurzelt sind.

Ingrid Bohsung dankte der jahrenlangen Unterstützung des Bezirksbeirates für den Arbeitskreis Asyl, der bis zuletzt aus ehrenamtlichen Helfern bestand, derzeit noch acht an der Zahl. Bezirksvorsteherin Ulrike Zich dankte Bohsung für ihr Engagement, hofft, dass sie Ansprechpartner bei Problemen für das Bezirksamt bleibe und wünschte für den weiteren Lebensweg der Flüchtlingsfamilien wie den Mitgliedern des Arbeitskreises alles Gute. Der Bezirksbeirat verabschiedete Ingrid Bohsung mit langem Beifall.

Foto (Goede): Ingrid Bohsung beim Abschlussbericht des Arbeitskreises Asyl vor dem Weilimdorfer Bezirksbeirat.

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