Chris Hörnle vom gleichnamigen Obsthof in Weilimdorf

Beim Obst hat der Frost immer ein Wörtchen mitzureden

(TOM) Zur jährlichen Felderrundfahrt der Weilimdorfer Landwirte gehört immer auch ein Blick in die Obstplantagen. Auch dieser Blick wurde „In und um Weilimdorf” und weilimdorf.de in diesem Jahr exklusiv gewährt. Christian Hörnle nahm die Redaktion auf einen Rundgang mit.

Da die Felderrundfahrt in diesem Jahr erneut ausfallen musste, hatte der landwirtschaftliche Obmann unsere Redaktion bereits zu einer kleinen Rundfahrt durch die Felder eingeladen (weilimdorf.de berichtete). Eine weitere Einladung zum Rundgang hat Obstbauer Christian Hörnle ausgesprochen – heute nun also Teil zwei der traditionellen Felderrundfahrt.

Chris Hörnle prüft die Äpfel 2021Mit Blick auf das vergangene Jahr hielt Hörnle fest, dass es 2020 – wie dieses Jahr übrigens auch – Spätfröste gegeben habe. Je nach Zeitpunkt der Fröste seien die Auswirkungen aber sehr unterschiedlich. Ganz normale Jahre werde es in Zukunft ohnehin nicht mehr geben, ist Hörnle sicher. Es gebe immer mehr Wetterkapriolen wie die bereits genannten Spätfröste, aber auch Trockenheit oder wie kürzlich zwei Tage in Folge mit über 50 Liter Niederschlag in wenigen Stunden.

Im vergangenen Jahr habe man gleich drei mal Spätfröste verzeichnen müssen in der Vorblüte, der Vollblüte und der Nachblüte. Teilweise hab es da noch einmal Temperaturen bis Minus fünf Grad gegeben. Je nach Beeren- oder Obstsorte seien dadurch Ernteausfälle von bis zu 80 Prozent zu verzeichnen gewesen.

Mit Blick auf dieses Jahr stellt Hörnle fest, dass die Erdbeeren später dran waren wie in den Jahren zuvor. Die Hochzeit der Erdbeeren habe man Mitte Mai gehabt, im Jahr davor schon Anfang Mai. Grund dafür sei, dass die Hitze in diesem Jahr nicht so ausgeprägt war. Bei den späten Sorten falle die Ernte wegen des vielen Regens allerdings etwas magerer aus.

Strauchbeeren Erntebeginn

Beim Beerenobst gibt es in diesem Jahr bei manchen Sorten Frostausfälle zu beklagen.In den nächsten Tagen und Wochen werden nun die Strauchbeeren geerntet. Bei den frühen roten Träuble habe man Frostschäden zu verzeichnen, die späteren Sorten würden aber gut dastehen. „Sehr schön stehen in diesem Jahr die vitaminreichen schwarzen Träuble da“, freut sich der Obstbauer. Weniger erfreulich sieht es hingegen bei den Stachelbeeren aus. Hier habe man wegen des Spätfrostes in diesem Jahr rund 80 Prozent Ausfall.

Auch bei den Süßkirschen hat die Ernte jetzt begonnen. Die Herzkirsche Kordia sei in diesem Jahr sehr saftig und großfruchtig, freut sich Hörnle. Auch die Sorten Karina und Regine, die in den nächsten Wochen reif werden, stünden gut da. Die Sauerkirschen brauchen noch etwas länger. Früchte hängen aber viele am Baum. Die Sauerkirsche sei anfällig für Monilla, einen Pilz, der schon die Blüte schädigt. Das müsse behandelt werden, erläutert der Obstbauer. In diesemJahr ist der Pilz stark aufgetreten. So mancher Kleingärtner wird deshalb keine oder nur sehr wenige Sauerkirschen ernten. Beim Befall mit Monilla werden die Blätter am einjährigen Holz braun. Hörnle rät dazu, die befallenen Äste abzuschneiden und zu vernichten. Ein weiterer Schädling bei der Kirsche, der erst seit einigen Jahren auftritt, sei die Kirschessigfliege. Ihr Herr zu werden, sei fast unmöglich, weil die Fliege innerhalb von nur drei Tagen tausende Eier in den Früchten ablegt. Die Kirschen von Hörnle sind von dem Schädling glücklicherweise verschont geblieben.

Frostschäden

Bei den Zwetschgen sei je nach Sorte mit guten bis mittleren Erträgen zu rechnen, verrät der Obstbauer. Auch hier habe der Frost immer ein Wörtchen mitzureden. Das gilt natürlich auch für die Birnen und Äpfel. Bei einigen Birnen- und Apfelsorten seien Frostschäden zu verzeichnen, bei anderen gar nicht. Bei manchen Apfelsorten habe er die Blüten sogar maschinell ausdünnen müssen, damit am Ende nicht zu viele Früchte am Baum hängen. Wenn der Baum zu viele Früchte trage, würden diese klein bleiben. Im Obstbau sei das natürlich nicht erwünscht. Bei der Sorte Runinette etwa sei zur Qualitätssteigerung jetzt auch noch Handausdünnung angesagt. Insgesamt sagt Hörnle könne er bei den Äpfeln nicht klagen. Die Graupel während der beiden Tage mit heftigen Niederschlag hätten auch kaum Schaden angerichtet. An einzelnen Äpfeln waren kleine Punkte zu sehen. „Das verwächst bis zur Ernte aber noch“, ist Hörnle sicher.

An der Stelle verweist Hörnle auf einen neuen Star in seinen Apfelplantagen – die Schweizer Sorte Mariella. „Wir ernten diese späte Sorte in diesem Jahr erst zum zweiten Mal“, erzählt er. Mariella werde erst Mitte Oktober geerntet, bleibe sehr fest und deshalb gut lagerfähig. „Wir haben die erste Ernte nur über den Hofladen und unseren Automaten verkauft“, erzählt er weiter. Die Rückmeldungen seien durchweg gut gewesen.

Und noch einige weitere interessante Dinge erzählt Hörnle beim Gang durch die Obstplantagen. So zum Beispiel, dass im Obstbau die Bäume nach rund 15 Jahren ausgetauscht werden. „Die Früchte, die an älteren Bäumen wachsen, sind nicht mehr Klasse 1“, so Hörnle. Hinzu komme, dass ältere Bäume anfälliger seien für Krankheiten. Die Rinde sei bei älteren Bäumen nicht mehr so glatt. In den Ritzen der Rinde könnten sich Schädlinge viel einfacher einnisten. Bei älteren Bäumen müsse genau aus diesem Grund dann auch häufiger gespritzt werden. „Wir setzen Spritzmittel so wenig wie möglich ein“, erklärt Hörnle in dem Zusammenhang. Weiter berichtet er, dass auch in Biobetrieben gespritzt werden müsse. Im Biobetrieb würden andere Spritzmittel zum Einsatz kommen wie in seinem Betrieb mit kontrolliertem, integriertem Anbau. Im Biobetrieb müsse allerdings sehr viel häufiger gespritzt werden. Zu dem Thema führt Hörnle weiter aus, dass die Kontrollen in Deutschland sehr streng seien. „Wir halten hier alle Standards ein.. Bei Früchten, die von weit her importiert werden, könne man da nicht immer sicher sein. Ganz zu schweigen, dass der Transport bei der Gesamtbilanz immer noch dazu komme.

Hörnle berichtet weiter, dass er aufgrund der in den letzten Jahren immer wieder auftretenden Hitzeperioden fast alle Plantagen inzwischen mit Tropfbewässerung ausgestattet habe. Ohne Bewässerung würden die Früchte nicht so groß. Der Verbraucher wolle aber einfach eine bestimmte Größe haben.

Lebensraum für Insekten

Lebensraum für Insekten. Foto: TommasiUnd noch ein Thema spricht Hörnle an – die Befruchtung. Bienen würden hier eine ganz entscheidende Rolle spielen, insbesondere die Wildbienen. „Die Mauerbiene ist so effektiv wie 100 Honigbienen“, erklärt der Obstbauer. Das liege nicht zuletzt daran, dass Honigbienen erst ab Mitte April unterwegs sind, die Mauerbienen aber schon wesentlich früher. Mauerbienen seien Einzelgänger die ihre Eier in Röhren, manchmal auch in den Stoppern von Rollladen ablegen. Für diese Wildbienenart und für rund 25 weitere Arten seien die sogenannten Insektenhotels eine sehr gute Sache. „Diese Arten sind auch nicht gefährdet, so Hörnle. Es gebe aber andere, hochspezialisierte Wildbienen, die beispielsweise nur eine ganz bestimmte Pflanze anfliegen, oder nur in einem ganz bestimmten Terrain ihre Eier ablegen. Diese Arten seine hochgefährdet, wenn ihr Lebensraum gestört ist.

Genau um diesen Bienen und auch anderen Insekten ihren Lebensraum anzubieten, hat Hörnle auf vielen seiner Plantagen inzwischen mehrjährige Blühwiesen angelegt, die nicht gemäht werden. Diese Flächen seien nicht nur eine gute Sache für die Insekten, sondern finde auch bei Spaziergängern viel Anklang.

Zu guter Letzt weist Christian Hörnle auch noch auf ein Thema hin, das ihn in diesem Jahr zurecht besonders geärgert hat. Aus einer seiner Plantagen seien drei frisch gepflanzte Bäume gestohlen worden, erzählt er. Die jungen Pflanzen sind sozusagen über Nacht verschwunden. „Diebstahl ist kein Kavaliersdelikt“, erklärt Hörnle. Und so etwas ist auch absolut nicht nachvollziehbar, denn wer den Platz hat, auf seinem Stückle einen Baum zu pflanzen, hat sicher auch genügend Geld, sich eine Jungpflanze in der Baumschule zu kaufen.

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