Kreuzung Solitudestraße/Pforzheimer Straße. Foto: Uwe Tommasi

Bürgerhaushalt 2021: Über 80 Vorschläge aus Weilimdorf

(TOM) Die Weilimdorfer waren auch dieses Jahr in der Vorschlagsphase zum Bürgerhaushalt wieder sehr aktiv. Für den Stadtteil und seine Teilorte wurden über 80 Vorschläge eingereicht.

Besonders im Fokus stand dabei wie schon in den Vorjahren das Thema Verkehr. Der Bürgerhaushalt bietet bekanntermaßen allen Stuttgartern unabhängig von Alter, Geschlecht, Konfession oder Herkunft die Möglichkeit, sich aktiv an der Aufstellung des städtischenHaushaltsplans zu beteiligen. Bis Ende Februar konnte jeder Vorschläge machen, wofür die Stadt in den nächsten beide Jahren Geld ausgeben soll, wo die Stadt sparen oder mehr Einnahmen generieren kann. Der Bürgerhaushalt hat darüber hinaus das Ziel, möglichst viele Einwohner besser über den städtischen Haushalt und die Vorhaben der Landeshauptstadt zu informieren. Schließlich geht es dabei um beträchtliche Summen. Im laufenden Jahr hat der Etat der Stadt Stuttgart ein Volumen von über 3,4 Milliarden Euro.

Damit finanziert die Stadt Sozialleistungen (771 Millionen Euro), Personalausgaben (801,3 Millionen Euro), Hochbaumaßnahmen (120 Millionen Euro), Tiefbaumaßnahmen (90 Millionen Euro) oder sonstige Baumaßnahmen (43 Millionen Euro). Die Haupteinnahmen der Stadt kommen aus Steuern und Abgaben (1,35 Milliarden Euro), Zuweisungen aus dem kommunalen Finanzausgleich und anderen Zuwendungen (1,5 Milliarden Euro) oder auch aus Gebühren und Entgelten (224 Millionen Euro).

Konkret wurden und werden im Doppelhaushalt 2020/2021 beispielsweise für Schulbauvorhaben 103 Millionen ausgegeben, für den Bau von Radwegen und Fahrradsammelgaragen 13 Millionen Euro oder für die Kulturförderung rund 90 Millionen Euro. Wie bereits erwähnt endete die  Vorschlagsphase für den Bürgerhaushalt Ende Februar. Für Weilimdorf wurden insgesamt 81 Vorschläge eingereicht.

Bürgerhaus für Weilimdorf

Der erste Vorschlag, der für Weilimdorf gemacht wurde, ist gleichzeitig der erste überhaupt für den inzwischen sechsten Stuttgarter Bürgerhaushalt. Die Nummer 60001 ist überschrieben mit „Forum Stuttgart-Weilimdorf – Sprachrohr vieler Vereine – Planungsmittel für Bürgerhaus / Kulturhaus / Stadtteilzentrum bereitstellen“. Weilimdorf mit seinen fast 32.000 Einwohnern fordere schon lange ein zentral gelegenes Bürgerhaus – einen Ort der Identifikation, der Bildung, der Kultur und Unterhaltung – für ein Miteinander der Generationen und Kulturen, mit optimal ausgestatteten Räumen und professionell geführt, heißt es im Vorschlag. Und weiter: „Dieses Bürgerhaus mit Platz für viele örtliche Initiativen, braucht auch einen Saal für größere Veranstaltungen (bis zu etwa 200 Gästen) mit einer großzügigen Ausstattung und moderner Veranstaltungstechnik. Gewünscht werden auch die Möglichkeiten der Bewirtung und Begegnung außerhalb von Veranstaltungen”. Die als Standort favorisierte Fläche bei der Haltestelle Wolfbusch (Beschluss des Bezirksbeirats) gehöre schon der Stadt Stuttgart, die beiden Provisorien (Kita und Flüchtlingsunterkunft) stünden dort zeitlich begrenzt. „Einer raschen Umsetzung der Pläne für das Bürgerhaus steht also nichts mehr im Wege, daher wünschen wir uns für Weilimdorf einen runden Tisch (mit Vertretern der Vereine, der Bezirksbeiräte und der Stadt) – vor allem aber wünschen wir uns die nötigten Planungsmittel“, so der Vorschlag.

Vorschläge für das Walz-Areal

Steht auch auf der Agenda der Weilimdorfer*innen im Bürgerhaushalt: Die Neugestaltung des ehemaligen Walz-Areals. Fotos: Archiv Tommasi
Steht auch auf der Agenda der Weilimdorfer*innen im Bürgerhaushalt: Die
Neugestaltung des ehemaligen Walz-Areals. Foto: Archiv Tommasi

Verschiedene Vorschläge nehmen auch Bezug auf die Entwicklung des Walz-Areals und hier insbesondere auf die auf dem Gelände gewünschten Sportanlagen. „Sportcampus Weilimdorf realisieren“ ist einer der Vorschläge zu dem Thema überschrieben. Ein anderer Autor fordert eine „Sporthalle Weilimdorf “ zu errichten, ein dritter, ein Schwimmbad in Welimdorf zu bauen. Verortet haben die Autoren der Vorschläge, die Sportanlagen alle im ehemaligen Walz-Areal.

Für das Gelände gibt es auch einen anderen Vorschlag, nämlich dort eine große Bienenweide mit insektenfreundlichen Gewächsen anzupflanzen. Auch ein Teich sei wünschenwert „Um diese Wiese sollten ausreichen Parkbänke zum Sitzen und Beobachten sein“, schreibt der Autor des Vorschlags. Die Wiese solle dann nur ein Mal im Jahr gemäht werden.

Doch zurück zum Thema Sport: Ein weiterer Autor wünscht sich einen Fitnessparcours für Kinder und Erwachsene am alten Schulweg vom Hausenring in Richtung Giebel. Auf der Wiese auf der Lidl-Seite sei ein großes Wiesenstück, das für Fitness und Klettergeräte Platz biete. Ein weiterer Wunsch zum Thema Sport ist der Bau eines sogenannten „Dirtparks“ für Radfahrer. In Stuttgart gebe es bisher keinen einzigen Dirtpark. Die Nachfrage sei aber sehr groß Ein Dirtpark könne auf jeder Grasfläche gebaut werden. Für den Bau benötige man lediglich Erde und Holz. „Vor allem wegen der vielen Mountainbiker, die es in Stuttgart gibt, wäre ein solcher Dirtpark eine gute Möglichkeit, die illegalen Trails im Wald zu verlassen“, schreibt der Autor. Und auch eine Tennishalle sowie eine Boulebahn stehen auf der Wunschliste der Weilimdorfer.

Viele Vorschläge zum Verkehr

Sehr viele Vorschläge sind zum Thema Verkehr gemacht worden. Vorgeschlagen wird zum Beispiel, die Glemsgaustraße zu einer Shared Space-Zone zu machen, die Kreisverkehre Solitude-/Rennstraße und Solitude-/Glemsgaustraße zu verwirklichen, die Verkehrssicherheit in der Gerlinger Straße bei der Einfahrt in den Hausenring zu verbessern, die Parksituation in Bergheim verstärkt zu überwachen und überhaupt mehr Personal zur Parkraumüberwachung einzusetzen. Gewünscht wird ferner eine Ampelanlage an der Schule in Hausen, die Pforzheimer Straße für Radfahrer und Fußgänger besser zu gestalten, einen Zebrastreifen an der Kreuzung Thaerstraße mit Widdumhofstraße einzurichten oder an der Lindenbachhalle eine Fußgängerampel aufzustellen. Die Pforzheimer Straße für Fußgänger und Radfahrer besser zu gestalten und ein Radwegekonzept für ganz Weilimdorf zu entwickeln steht ebenfalls in der Vorschlagsliste.

In Sachen Öffentlicher Personennahverkehr wünschen sich die Weilimdorfer eine Verbindung nach Vaihingen, eine Buslinie die von Weilimdorf aus Schloss Solitude und die Bärenseen anfährt, dass die Buslinie 90 bis Gerlingen verlängert wird, eine Busverbindung nach Zuffenhausen zu schaffen, die Verbindung vom Löwen-Markt zum Bahnhof Korntal zu verbessern, und dass die Bushaltestelle in der Gerlinger Straße in Richtung Giebel ein Wartehäuschen erhält.

In Giebel gibte es bereits einen Treffpunkte für Jugendliche im öffentlichen Raum. Im Bürgerhaushalt werden weitere Standorte vorgeschlagen.
In Giebel gibte es bereits einen Treffpunkte für Jugendliche im öffentlichen Raum. Im Bürgerhaushalt werden weitere Standorte vorgeschlagen. Foto: Archiv Tommasi

Weitere Wünsche lauten mehr Treffpunkte für Jugendliche einzurichten – zum Beispiel an der Mähdachwiese, am Lindenbachsee, im Fasanengarten oder auch in Hausen oder im Lindental, eine Park- und Seenanlage „Lindentalsee“ nach dem Vorbild des Breitwiesensees in Gerlingen zu schaffen, am neu gestalteten Löwen-Markt eine Grünfläche zu gestalten. Auf der Vorschlagsliste steht ferner, die im vergangenen Herbst im Bezirksbeirat vorgestellte Idee, im ersten Obergeschoss des Löwen-Marktes Räume für die Volkshochschule und die Städtische Musikschule einzurichten. Gleich mehrfach bemängelt wird, dass zwischen Hausenring und Gerlinger Straße die Gehwegbeleuchtung fehlt, ein weiterer Autor wünscht sich generell viel hellere Beleuchtung für die Gehwege – zur Sicherheit aller.

Alle Vorschläge zum Stadtbezirk sind auf der Webseite www.buergerhaushalt-stuttgart.de. zu finden. Unter der Wahlmöglichkeit Stadtbezirke einfach “Weilimdorf” auswählen, dann werden auch nur die Vorschläge aus dem Stadtteil angezeigt.

Abstimmen bis 24. März 2021

Bis Mittwoch 24. März 2021 können alle Vorschläge aus dem Bürgerhaushalt – auch die, die nicht den eigenen Stadtbezirk betreffen – bewertet werden. Die Bewertungen können online über die Internetplattform oder schriftlich per Formular – und zwar nur auf den dafür vorgesehenen Vordrucken – abgegeben werden, allerdings nicht telefonisch. Die Bewertungsformulare gibt es an der Infothek im Stuttgarter Rathaus, in allen Bezirksrathäusern und in den Bürgerbüros. Wegen der Corona-Pandemie soll die Bürgerbeteiligung möglichst nur digital über die Internetplattform www.buergerhaushalt-stuttgart.de stattfinden.

Der Bürgerhaushalt 2019 hat gezeigt, dass um in die Top 10 Vorschläge zu kommen und bisher die größte Chance auf eine Umsetzung hatten, über 1.600 Stimmen benötigt werden. Deshalb gilt es jetzt die Werbetrommel zu rühren und möglichst viele Befürworter zu gewinnen, um einen Vorschlag weit nach vorne zu bekommen. Ganz wichtig, um einen Vorschlag nach vorne zu bringen, ist natürlich sich zu organisieren und Netzwerke zu bilden. Vereine können zum Beispiel ihre Mitglieder motivieren, mitzumachen, aber auch Freunde und Bekannte könnten aufgefordert werden, für einen bestimmten Vorschlag zu stimmen.

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