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Der Mond ist aufgegangen – Matthias Claudius ist der unbewusste Dichter unserer Kindheit

(RED) Es sind Reime und Gedichte, die jeder im Hinterkopf hat – und sei es nur der erste Vers: „Der Mond ist aufgegangen“, bzw. „Seht meine lieben Bäume an“ – oder auch „O wie schön, wie schön ist der Mai“. Gerne schreibt man vieles dem Volksmund zu, doch vielfach steht einfach nur ein Name dafür Matthias Claudius. Ihm widmete das „Wortkino Dein Theater“ aus Stuttgart am Sonntagabend, 10. März 2019, in Dietrich-Bonhoeffer-Gemeindezentrum einen besonderen literarischen Abend.

Norbert Eilts vom Wortkino folgten die mehr als 70 Besucher mit seinem intermedialen Programm „Bis in unsere Tage – Kein Wissen ohne Glaube“, von der ersten bis zur letzten Minute (und das rund zwei Stunden lang) gebannt durch das Leben und die Werke von Matthias Claudius, der, 1740 in Reinfeld in Holstein geboren und 1815 in Hamburg-Wandsbek gestorben, wie kein anderer Dichter und Journalist die Abendstunden vieler Familien seit mehr als 200 Jahren geprägt hat. Sein bekanntestes Werk, „der Mond ist aufgegangen“, wurde erstmals 1779 im „Musen Almanach“ veröffentlicht.

Norbert Eilts, der Claudius als „protestantischen Protagonisten“ bezeichnete, zeigte den Lebensweg des Multitalents deutscher Literatur auf, der als gelernter Jurist und tätiger Verwaltungsbeamter beinahe auch Kantor in der Kirche seines Heimatortes geworden wäre, sich dann aber, im Umfeld von Zeitgenossen wie Franz Schubert und Wolfgang Amadeus Mozart, nicht nur seiner Liebe Rebekka und dem Familienleben widmete („bei sechs Söhnen und sechs Töchtern würde heute das Jugendamt auf der Matte stehen und nach dem Rechten sehen!“, hebt Eilts diese Seite von Claudius schmunzelnd hervor), sondern der Dichtkunst – und als begnadeter Spieler der „Kniegeige“, dem Cello – eben der Liedkunst widmete. „Allerdings würde man Claudius heute wohl einen melancholischen Menschen nennen“, so Eilts – auch wenn Claudius nachweislich Luther als Vorbild hatte. Überliefert ist zudem, dass seine Frau den Kindern abends die Gedichte des Vaters vorlas – so wie es heute noch viele Eltern mit ihrem Nachwuchs tun.

Claudius, der sieben Sprachen beherrschte und umfassende Kenntnisse in Geschichte und Literatur besaß, gilt als Begründer des modernen Journalismus: So gab er in Wandsbek viele Jahre lang die Tageszeitung „Wandsbecker Bothe“ heraus. Schreibend trat er zeitlebens in einer Vielfalt von Rollen auf: als Pastorensohn, Journalist, Naturfreund, Familienvater, Spaßvogel, Dichter, Denker, Theologe, Christ, Briefeschreiber, Kritiker, Rezensent, Übersetzer, Weggefährte und Freimaurer. Arthur Schopenhauer, Søren Kierkegaard, Immanuel Kant, Joseph von Eichendorff, Kurt Tucholsky und Johann Gottfried Herder schätzen ihn und seine Werke wie literarische Schaffenskunst. Karl Kraus nannte ihn gar den „allergrößten deutschen Dichter“.

Und auch wenn Eilts im Laufe des Abends immer wieder andere literarische Höhepunkte von Claudius dem Publikum vortrug – „der Mond ist aufgegangen“ war der rote Faden des Abends in Weilimdorf – gesungen, vorgetragen, musikalisch mit Instrumenten. Erkennbar ein Werk der Romantik. 2015 wurde anlässlich seines 200. Todestag auf dem historischen Friedhof in Wandsbek ein dem Abendlied gewidmetes Denkmal des Künstlers Waldemar Otto aufgestellt. Es zeigt den Dichter Claudius vor dem Sternenhimmel mit der Konstellation seines Geburtstages am 15. August 1740, im Fußbereich des Denkmals die Strophen des Abendliedes.

In den stürmischen Märzabend ging man bei Mondlicht am Ende nach Hause – mit Blick auf den Mond am klaren Sturmhimmel. Nachdenklich, summend – und Herbert Grönemeyer im Ohr mit seiner Version von „der Mond ist aufgegangen….“.

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