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Die Naturfreunde in Weilimdorf feiern 100-jähriges Jubiläum

Am 15. Juli 1914 gründeten einige Männer und Frauen die Naturfreunde Weilimdorf. Als Vater der Ortsgruppe gilt der Weilimdorfer August Alt, der schon Mitglied in der früher entstandenen Ortsgruppe Feuerbach war. Um ihn versammelten sich meist junge Menschen, die sich durch die Liebe zum Wandern und zur Natur verbunden fühlten.

Die Naturfreunde waren im Jahr 1895 in Wien als Teil der sozialdemokratischen Arbeiterbewegung entstanden und entwickelten sich bald zu einem internationalen Verband. Es war die Zeit, in der sich die Arbeiterschaft zusammenschloss, sich politisch und gewerkschaftlich organisierte und die Forderung nach Achtstundentag und sozialer Gerechtigkeit erhob. Arbeiter fanden damals zu den schon bestehenden bürgerlichen Wandervereinen keinen Zugang.

Doch schon nach kurzer Zeit war es wieder aus mit dem Vereinsleben. 2 Wochen nach der Gründung begann der erste Weltkrieg. Die Männer mussten in den Krieg einrücken, einige kehrten nicht mehr zurück. Die Ortsgruppe wurde 1919 wieder neu gegründet. 14 Jahre lang konnte sich der Verein entwickeln. Es entstanden eine Musikgruppe, eine Schuhplattler- und Volkstanzgruppe, die Jungen schlossen sich zu einer Jugendgruppe zusammen. Außer der Wandertätigkeit standen die kulturelle Aktivitäten auf dem Programm. Vorsitzender war in den 1930ger Jahren der ortsansässige Gipsermeister Fritz Mönch. Dann kamen Verbot und Verfolgung durch die Nazis, das Vereinsvermögen wurde beschlagnahmt und die Naturfreundehäuser enteignet.

Die dritte Neugründung erfolgte 1946. Rasch entwickelten sich die Weilimdorfer Naturfreunde zu einer der größten Ortsgruppen im Land. Diese Geschichte ist eng verbunden mit dem Naturfreundehaus Krummbachtal. Zuerst pachteten sie das vom Arbeiterschwimmverein Stuttgart Ost 1929 erbaute, in der Verbotszeit verwahrloste Freibad im Gerlinger Krummbachtal. 1950 kauften sie das Gelände. Unter den Vorsitzenden Fritz Mönch und später Werner Behle erfolgten nach und nach der Ausbau und die Modernisierung von Bad und Haus. Emil Birkert, der langjährige Vorsitzende der württembergischen Naturfreunde, schrieb zur Einweihung des modernisierten Freibades am 27. Mai 1967: „unter Beteiligung der Vertreter des Staates, der Stadt Stuttgart und der Gemeinde Gerlingen und einigen tausend Besuchern, wurde die gesamte Anlage eingeweiht. Tausend und abertausend freiwillige Arbeitsstunden … vollbrachten dieses einzigartige Werk.“

Mit dem Krummbachtal war viel Arbeit verbunden, es bot aber auch den Rahmen für vielfälti-ge Aktivitäten. Gegen Ende der 1960-ger, Anfang der 1970 –Jahre erlebte der Verein seine größte Ausdehnung, man zählte rund 400 Mitglieder. Es gab gleichzeitig eine Kindergruppe, eine Schülergruppe, eine Jugendgruppe, eine Songgruppe, eine Wintersportgruppe, eine Musikgruppe, eine Gruppe Motorwandern und Zelten, eine Seniorengruppe, diverse Ausschüsse für Wirtschaftsangelegenheiten, Kultur und Wandern.

Leider entsprach 25 Jahre später die Anlage nicht mehr den viel strenger gewordenen Vorschriften zur Wasseraufbereitung. Das Waldschwimmbad wurde 1991 geschlossen. Bis dahin hatte das beliebte Bad jedes Jahr zigtausend Badegäste angezogen. Die Naturfreunde hatten nicht die Rücklagen, um die mehrere Millionen DM teure Sanierung zu stemmen.

Das Krummbachtal als Naturfreundehaus existiert weiter. Die Naturfreunde-Gemeinschaft investiert beträchtliche Summen für den Erhalt der Anlage, es ist nach wie vor eine beliebte Waldgaststätte mit Biergarten und einer großen Spielwiese.

Peter Hanle, der Vorsitzende der Natufreunde Weilimdorf-Gerlingen, bemerkt zu den heutigen Aktivitäten des Vereins: „Die Zeiten und Bedingungen haben sich geändert. Das Freizeitverhalten ist viel individueller geworden, Dienstleistung ist gefragt. Der Massentourismus hat seine Zeichen gesetzt. Die Naturfreunde setzen dem ihre Ziele entgegen: Als Verband für Umweltschutz, Sport und Kultur setzen wir auf den sanften Tourismus.“ Der Verein bietet mindestens einmal im Monat eine geführte Wanderung an, in den Sommermonaten führt er Radtouren durch. Wander- und Kulturreisen stehen auf dem Programm. Erst im April dieses Jahres wurde der Natura Trail „vom Krummbachtal zum Büsnauer Rain“ der Öffentlichkeit übergeben, früher schon war auf Initiative der Naturfreunde zusammen mit Bezirksamt und Heimatkreis die Weilimdorfer Rundwegekarte herausgegeben worden und die 2009 von dem Weilimdorfer Künstler und Naturfreund Bruno Witzky entworfene Panorama- Wanderkarte „Wege ins Krummbachtal“ ist auch heute noch sehr gefragt. Die Naturfreunde arbeiten mit in der Fair Trade Steuerungsgruppe des Stadtbezirks, setzen sich aktiv für erneuerbare Energien ein und betätigen sich aktiv in der Umweltbewegung. Das ganze Jahr über gibt es Vortragsveranstaltungen zu verschiedenen Themen, teilweise auch in Zusammenarbeit mit benachbarten Naturfreundegruppen und anderen Organisationen. Hanle weiter: „Natürlich kommt auch die Geselligkeit bei uns nicht zu kurz. Wenn wir zusammen feiern, werden die Mandolinen und Gitarren ausgepackt und es wird gemeinsam gesungen.“

Die Zukunft des Vereins sieht Hanle im näheren Zusammenrücken der Stuttgarter Naturfreunde-Ortsgruppen: „Der Bezirk Stuttgart hat die Voraussetzung für eine zukünftige gemeinsame Ortsgruppe geschaffen. Die Gruppen vor Ort betreiben natürlich weiterhin ihre stadteilspezifische Arbeit. So kann man den Verwaltungsaufwand minimieren und gruppenübergreifende Aufgaben zentral angehen. Auf diese Weise wird ein großer Verein mit ca. 1800 Mitgliedern geschaffen. Auf der neuen Homepage der Naturfreunde Stuttgart kann man im Veranstaltungskalender, der von den meisten Gruppen bedient wird, sehen, welch vielfältiges Angebot die Naturfreunde in Stuttgart bieten.“

Die Jubiläumsveranstaltung ist auf den 19. Juli 2014 in der Lindenbachhalle in Weilimdorf terminiert. Beginn ist um 18 Uhr. Der Eintrittspreis von 16 € beinhaltet ein reichhaltiges Büfett-Abendessen. Bezirksvorsteherin Ulrike Zich wird die Feier moderieren. Im kulturellen Teil werden der kürzlich mit dem Kleinkunstpreis ausgezeichnete Entertainer Roland Baisch mit seinem Partner Frank Wekenmann mit ihrem Programm der „Graue Star“ auftreten. Karten gibt es in Weilimdorf beim Zigarrenhaus Held im Löwenmarkt und be SiSi’s Nähstüble in der Staigerstraße.

Foto (privat): Ein Bild aus vergangenen Tagen – ein Badetag im Krummbachtal.

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