„Es ist wichtig, dass das Leben wieder normal wird“

(tom). Jedes Jahr im Oktober findet in Weilimdorf ein Bürgerempfang statt. Auch in diesem Jahr hatten Bezirksbeirat und Bezirksamt wieder ehrenamtlich Engagierte zu dieser Feier eingeladen und es gab auch wieder einige besondere Ehrungen.

„Ich freue mich, dass wir heute den Bürgerempfang durchführen können”, hieß Bezirksvorsteherin Ulrike Zich die Gäste im Holiday Inn willkommen. Der Empfang fand nun schon zum zweiten Mal unter Pandemie-Bedingungen statt. Aufgrund der geltenden Vorschriften konnten nur insgesamt 60 anstatt der sonst üblichen 100 Personen eingeladen werden. Musikalisch begrüßt worden die Gäste von Schülern der Musikschule Eberhard.

„Wir haben dieses Jahr wieder ein buntes Publikum“, so Ulrike Zich weiter. Alle, die zum Bürgerempfang eingeladen werden, würden sich für Kinder, Jugendliche, Senioren und auch anderen im Stadtbezirk engagieren. Manche schon seit vielen Jahren, andere hätten sich in der Pandemie auf ganz besondere Weise eingesetzt. Mit dabei seien Vertreter des Wolfbusch Jugendchores, Helfer der Hbi Nachbarschaftshilfe, Vertreter der Feuerwehr, von der Maskennähaktion des DRK und auch zwei „Stuttgarter des Jahres”, Katja und Andreas Werft, die sich gemeinsam mit viel Elan hinter den Kulissen für die Ringer der SG Weilimdorf einsetzen. Eingeladen habe man auch wieder die Wahlhelfer. Diese hätten ihre Teilnahme aber kurzfristig absagen müssen.

Es sei schön, dass der Bezirksbeirat an der Tradition des Bürgerempfangs auch in Zeiten von Corona festhalte, betonte die Bezirksvorsteherin. An der Stelle dankte sie auch der Direktorin des Holiday Inn, Alexandra Meierhans und ihrem Team, die wieder für das leibliche Wohl der Gäste sorgen würden. Meierhans gab den Dank zurück. „Dass der Bürgerempfang durchgeführt wird, ist auch für uns eine tolle Sache. Es ist unser Job, Menschen glücklich zu machen und dem Job konnten wir in der Pandemie lange nicht nachkommen.“

In der Pandemie sei es in Weilimdorf ein bisschen ruhig geworden, hielt die Bezirksvorsteherin weiter fest. Das sei ganz untypisch, denn eigentlich sei Weilimdorf ein pulsierender Stadtbezirk mit Menschen, die viele tolle Ideen für Veranstaltungen haben. Normalerweise sei auf den Plätzen in den Ortsteilen viel los. Jetzt seien die Plätze aber etwas ausgeblutet, man könne fast sagen „ein bisschen emotional verarmt.“ Alle würden sich darauf freuen, sich wieder mit anderen zu treffen. Mit Maske gehe eben niemand gerne raus. Und wenn jetzt die Tests selbst bezahlt werden müssen, würden sich manche sicher noch mehr überlegen, ob sie rausgehen. „Es ist wichtig, dass das Leben wieder normal wird“, so die Bezirksvorsteherin. In dem Zusammenhang verwies sie einmal mehr darauf, wie wichtig es ist, sich impfen zu lassen.

Besondere Ehrungen
Wie immer gab es im Rahmen des Bürgerempfangs auch einige besondere Ehrungen. In diesem Jahr seien auch zwei Personen dabei, die im vergangenen Jahr nicht zum Empfang kommen konnten. Einer von ihnen war Jürgen Lehmann, der im vergangenen Jahr für 30 Jahre Tätigkeit im Bezirksbeirat mit dem Verdienstzeichen des Städtetages Baden-Württemberg in Gold ausgezeichnet wurde. Lehmann war von März 1990 bis Oktober 2004 stellvertretendes Mitglied, dann von Oktober 2004 bis Oktober 2009 ordentliches Mitglied, von Oktober 2009 bis Oktober 2010 stellvertretendes Mitglied, von Oktober 2010 bis Oktober 2019 wieder ordentliches Mitglied und ist seit November 2019 erneut stellvertretendes Mitglied im Gremium. In den inzwischen 31 Jahren als Gremiumsmitglied habe er die Entwicklung des Stadtbezirks begleitet. Er sei ein Mensch, der nicht unkritisch auf die Dinge schaut und habe sich insbesondere beim Thema Schulentwicklung engagiert.

Ebenfalls geehrt wurde Michael Schrade. Er wurde für sein ehrenamtliches Engagement mit der Ehrenmünze der Landeshauptstadt Stuttgart ausgezeichnet. Schrade habe schon als Jugendlicher zusammen mit seinem Vater Manfred beim Aussuchen, Aufstellen und Schmücken des Weilimdorfer Weihnachtsbaumes und bis vor wenigen Jahren auch beim Aufstellen des Maibaums auf dem Löwen-Platz mitgewirkt, erinnerte die Bezirksvorsteherin. „Das ist eine riesen Arbeit, die Tage in Anspruch nimmt.“ Insgesamt gut 30 Jahre sei Schrade bei der Aufstellung des Baumes, dem Schmücken und später dann auch wieder beim Abbau dabei gewesen. Ferner habe sich Schrade im Zuge des Umbaus des Ernst-Reuter-Platzes für die Rettung der dort abgebauten Sitzbänke eingesetzt. Das als „Sitzbank-Recycling“ bezeichnete Projekt sei vom Bezirksbeirat sehr unterstützt worden. Insgesamt konnten im Rahmen der Aktion sieben Bänke saniert und verteilt im Stadtbezirk wieder aufgestellt werden. Schrade unterstütze auch Vereine wie den Heimatkreis , das Forum oder Pro Alt-Weil, er ist Mitglied im Kunstverein Feuerbach und war auch über sieben Jahre aktiver Feuerwehrmann bei der Weilimdorfer Wehr. Ferner ist Schrade als Wahlhelfer aktiv und war von 2007 bis 2019 für die Freien Wähler Mitglied im Bezirksbeirat, die letzten zehn Jahre davon als Fraktionssprecher. Seit der Kommunalwahl 2019 ist Schrade Mitglied im Stuttgarter Gemeinderat. Auch durch ihn sei es möglich, Weilimdorfer Belange mit der entsprechenden Power an den Gemeinderat zu übermitteln. „Michael Schrade setzt sich in besonderem Maß für die Weilimdorfer Belange aller Generationen und sozialen Schichten ein und ist sich dabei nicht zu schade, bei Bedarf auch selbst Hand anzulegen und sich bei der Umsetzung von Ideen und Vorschlägen selbst aktiv einzubringen“, hält Bezirksvorsteherin Zich fest.

Ein besonderes Trio
Die Ehrenmünze der Stadt Stuttgart erhielten in diesem Jahr Eckhardt Binder, Ralf Futterknecht und Stefan Wiertzema. Dass diese drei Herren zusammengefunden haben, sei eine Fügung des Schicksals, betonte Ulrike Zich. Gemeinsam seien sie für WeilAktiv tätig. Binder als erster Vorsitzender, Futterknecht und Wiertzema als stellvertretende Vorsitzende. In dieser Funktion würden sie sich nicht nur für die Belange der Selbstständigen und damit für die Grundversorgung der Weilimdorfer Bevölkerung, sondern auch ganz wesentlich für das Gemeinwesen im Stadtbezirk engagieren. Das Vorstandstrio habe sich von Anfang an mit sehr hohem Engagement bei den gemeinschaftsbildenden Aktivitäten im Stadtbezirk und bei Maßnahmen zur besseren Vernetzung der Vereine, Organisationen und Gruppen eingebracht. Weil Aktiv sei Mitglied im Verein „Weilimdorfer Bürger und Organisationen (WBO) in dem Futterknecht auch das Amt des stellvertretenden Vorsitzenden inne hat, und ihr mit Rat und Tat zur Seite stehe, so die Bezirksvorsteherin. WeilAktiv sei beim 775-jährigen Jubiläum Weilimdorfs und dem aus diesem Anlass durchgeführten Stadtfest aktiv dabei gewesen. Ferner sei das Trio Mitinitiator und Mitorganisator des ersten „Weilemer Sommer“ im Jahr 2019 gewesen und stelle jedes Jahr mit weiteren Helfern den Maibau in Weilimdorf auf. Das Aufstellen des Weihnachtsbaumes auf dem Löwen-Platz liege seit einigen Jahren auch in den Händen des Vorstandsteams. Der immer am ersten Adventswochenende stattfindende Weihnachtsmarkt werde ebenfalls von dem Team organisiert. Futterknecht sei für den Auf- und Abbau und die Vergabe der Stände zuständig, Binder für die Organisation des Programms und Wiertzema für die Technik. „In der Funktion als Zuständiger für die Technik hat uns Stefan Wiertzema schon aus so mancher Malaise gerettet“, so die Bezirksvorsteherin. Beim Thema Weihnachtsmarkt verwies die Bezirksvorsteherin auch auf die von Weilimdorfer Firmen gespendeten Hütten, die jedes Jahr ganz im Sinne der Nachhaltigkeit wiederverwendet würden. Der Aufbau der Hütten erfolge im Sinne der Integration unter Einbindung von Helfern aus den Einrichtungen für Geflüchtete in Weilimdorf. Ferner verwiese Ulrike Zich auf die Tour Ginkgo, die bei ihrer 25. Auflage auch in Weilimdorf Station gemacht hatte. Bei der Aktion seien in Weilimdorf knapp 20.000 Euro für kranke Kinder gespendet worden. Im Nachgang zur Tour Ginkgo sei am Lindenbachsee ein Ginkgo-Baum von der Christiane Eichenhofer Stiftung, die die Tour organisiert, gepflanzt worden. Leider habe der Baum inzwischen schon gegen einen neuen Ginkgo ausgetauscht werden müssen, weil der von der Stiftung gespendete Baum Vandalismus zum Opfer fiel. „Wir hoffen, dass alle drei noch viele Jahre für den Stadtbezirk aktiv sind“, so die Bezirksvorsteherin abschließend.

Ehrennadel des Landes
Eine besondere Ehrung wurde auch Alfred Bofinger zuteil. Bofinger sei schon seit vielen Jahren an verschiedenen Stellen im Stadtbezirk aktiv. Er war bei allen Stadtbezirksoffensiven aktiv dabei und hat in den verschiedenen Foren teilgenommen. Er sei bis heute bei der Energieoffensive Weilimdorf, die ebenfalls aus einer Stadtbezirksoffensive entstanden ist, dabei, bringe viele Ideen ein und trage durch seine Beharrlichkeit viel zur Umsetzung dieser Ideen bei. Bofinger war maßgeblich an der Gründung der Bürgerenergiegenossenschaft Stuttgart beteiligt und engagiert sich, wenn es darum geht geeignete Dächer für Solarpaneele zu finden. Von 1980 bis 1985 saß Bofinger für die SPD im Bezirksbeirat, war von 1985 bis 1995 Leiter der Abteilung Leichtathletik bei der SG Weilimdorf und hat sich während der Umbruchzeit in der SG als Vorstandsmitglied zur Verfügung gestellt. Seit dem Jahr 2000 engagiert sich Bofinger bei den NaturFreunden in Weilimdorf. Der Umgang der Menschen miteinander, das Gemeinschaftsgefühl, die gemeinsamen Freizeitaktivitäten hätten ihn dazu bewogen, sich bei den NaturFreunden zu engagieren. Aber auch, dass man damit gesellschaftliche und politische Ziele verbindet, für eine lebenswerte Umwelt, für soziale Gerechtigkeit und faire Wirtschaftsbeziehungen mit den ärmeren Ländern der Welt eintritt. Ein besonderes Anliegen sei ihm die Entwicklung hin zu mehr Nachhaltigkeit, so die Bezirksvorsteherin weiter. Deshalb engagiere er sich auch im Fachbereich Umwelt beim Landesverband der NaturFreunde. Bofinger sei Mitglied der Schönauer Stromrebellen, vertrete die NaturFreunde beim Umweltbündnis Stuttgart, leite und organisiere Wanderwochenenden des Vereins, sei bei der Erstellung der Weilimdoerfer Rundwege-Karte, der Krumbachtal-Wegekarte, der Erstellung von zwei Natura Trails und beim Projekt „s-läuft“ aktiv dabei. „Ich bin froh, dass es Menschen gibt wie Sie“, hielt die Bezirksvorsteherin abschließend fest.

Und es wurde noch eine weitere Person für ihr Wirken im Stadtbezirk geehrt. Die Rede ist von Dietmar Weber, der am 4. August 1977 in die Feuerwehr eingetreten ist. Seine Grundausbildung habe er 1978 absolviert und 1979 dann die Lehrgänge zum Maschinisten und zum Atemschutzträger. Weber sei beim Erdbeben 1978 in Albstadt im Einsatz gewesen, von dem heute noch zahlreiche Anekdoten erzählt würden, so die Bezirksvorsteherin. 1987 wurde er zum zweiten stellvertretenden Abteilungskommandanten, 1996 dann zum ersten stellvertretenden Kommandanten und 2001 zum Kommandanten der Weilimdorfer Wehr gewählt. Wie bei der Hauptversammlung der Feuerwehr wies die Bezirksvorsteherin beim Bürgerempfang auf die Meilensteine in der Zeit Webers als Abteilungskommandant hin und auch auf die Auszeichnungen, die er erhalten hat. Eine Medaille gebe es für ihn nicht, denn Mitglieder der Feuerwehr würden von der Feuerwehr entsprechend ausgezeichnet, erklärt die Bezirksvorsteherin. „Wir wollen Dietmar Weber aber trotzdem für seine langjährige Tätigkeit zur Sicherheit der Bevölkerung in Weilimdorf ehren.“ Zum Schutz der Bevölkerung in Weilimdorf werde er noch einige Jahre in der Reservisten-Gruppe aktiv bleiben und die Wehr vor allem tagsüber unterstützen, bevor er dann im Alter von 65 Jahren sozusagen gesetzlich verordnet in die Altersabteilung wechseln muss. Gleichzeitig dankte Bezirksvorsteherin Ulrike Zich Webers Frau. Sie sei für ihren Mann all die Jahre sozusagen das Backoffice gewesen und habe ihn auf vielfältige Weise unterstützt.

Dietmar Weber bedankte sich für die guten Worte und gab den Dank an all jene zurück, die die Feuerwehr unterstützt haben. „Wir haben gemeinsam viele Kämpfe ausgefochten und haben viel erreicht. Es war eine tolle Zeit, von der ich keine Stunde missen möchte.“

Ein extra Dankeschön für die gute Zusammenarbeit gab es für Weber dann auch noch von den Vorständen von WeilAktiv. „Die Feuerwehr hat uns viel unterstützt und ist immer für uns da“, so Eckhardt Binder. In den letzten Jahren habe man den Kontakt sogar noch vertieft. „Es ist uns immer eine Freude mit Euch zu arbeiten.“

Bezirksvorsteherin Ulrike Zich bedankte sich abschließend bei allen, die den Empfang vorbereitet haben, insbesondere bei ihrer Stellvertreterin Erika Rosenitsch. „Wir sind auch ein wunderbares Team.“ Abschließend wünschte sie allen noch einen schönen Abend mit vielen guten Gesprächen.

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