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Falschverstandene Tierliebe gefährdet Wildtierkinder: Nur schauen – nicht anfassen!

Ob junge Hasen, Rehkitze oder Vogelküken – ab Ende April verwandeln sich Feld und Flur in eine regelrechte Kinderstube. Der Landesjagdverband bittet daher alle Naturfreunde und Spaziergänger um erhöhte Rücksichtnahme. In keinem Fall sollten Spaziergänger Jungtiere anfassen, das schreckt die Mutter ab und macht Kitz und Co. tatsächlich zu Waisen. Uralte Instinkte sichern Hase und Reh das Überleben: Regungslos und nahezu geruchlos verharrt der gut getarnte Nachwuchs im hohen Gras. Nur zum Säugen erscheint die Mutter. Echte „Rabeneltern“? Keineswegs, sondern optimaler Schutz vor Fressfeinden wie dem Fuchs. „In Sachen Nachwuchspflege ist Tier eben nicht gleich Mensch“, erklärt Landesjägermeister Dr. Dieter Deuschle aus Esslingen.

Auch stöbernde Hunde können zur großen Gefahr werden. Hochträchtige Rehe sind bei weitem nicht mehr schnell genug, um erfolgreich vor ihnen flüchten zu können. Rehkitze, junge Hasen oder Vogelküken sind ebenfalls leichte Beute. Der Landesjagdverband bittet daher alle Erholungssuchenden, sich gerade in der Brut- und Setzzeit bis Ende Juni nur auf den ausgewiesenen Wegen aufzuhalten und Hunde anzuleinen, die nicht auf Zuruf oder Pfiff reagieren, wenn sie Wild aufstöbern. Dies gilt auch dort, wo kein Leinenzwang besteht. Hundehalter sind Tierfreunde – sie sollten diese Freund-schaft auf die wildlebenden Tiere ausdehnen und ihre vierbeinigen Lieblinge an die Leine nehmen.

Risikoreich für den Nachwuchs – auch für Bodenbrüter wie Kiebitz und Uferschnepfe – ist auch die jetzt anstehende Frühjahrsmahd. Die „Ducken-und-tarnen-Strategie“ schützt vor dem Fuchs, aber nicht vor dem Kreiselmäher. Um die Verluste bei der Mahd zu minimieren, arbeiten Jäger eng mit den Landwirten zusammen. Wenn diese dem Jagdpächter Mähflächen rechtzeitig melden, suchen Jäger kurz vor der Mahd die Flächen mit ausgebildeten Jagdhunden ab und bringen Jungtiere in Sicherheit oder machen Mähflächen mit Blinklichtern, Flatterband oder Radios für das Wild unattraktiv. Der Landesjagdverband appelliert daher an die Landwirte, den Jägern vor Ort die Mahdtermine rechtzeitig mitzuteilen. Das Mähen selbst sollte von innen nach außen erfolgen. So wird das Wild nicht langsam eingekreist, sondern kann durch das noch stehende Gras fliehen.

Zahlen über Wildverluste durch wildernde Hunde oder durch Vermähen gibt es nicht – sicher ist aber: jedes von einem Hund gerissene Reh, jedes vermähte Kitz oder Bodenbrütergelege ist eines zuviel!

Foto (Fotograf Erich Marek, www.marek-tierbild.de):Gehetztes Reh

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