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Flüchtlinge aus der Sporthalle des Solitude-Gymnasiums verabschiedet

„Viele sind traurig, dass sie weg müssen“: Die Sporthalle des Solitude-Gymnasiums, die in den vergangenen Monaten als Notunterkunft gedient hat, ist im Laufe dieser Woche geräumt worden. Die Flüchtlinge, die teilweise seit Oktober vergangenen Jahres in der Halle gewohnt haben, wurden auf mehrere Unterkünfte in Stuttgart verteilt.

„Viele sind traurig, dass sie weg müssen“: Die Sporthalle des Solitude-Gymnasiums, die in den vergangenen Monaten als Notunterkunft gedient hat, ist im Laufe dieser Woche geräumt worden. Die Flüchtlinge, die teilweise seit Oktober vergangenen Jahres in der Halle gewohnt haben, wurden auf mehrere Unterkünfte in Stuttgart verteilt.

Der Flüchtlingskreis Weilimdorf hatte vergangenes Wochenende Bewohner, Ehrenamtliche, Sozialberatung, Heimleitung und das Team vom Sicherheitsdienst der Sporthalle im Spechtweg zu einem Abschiedsfest eingeladen. Bei der kleinen Feier zeigte sich deutlich, das bei den Bewohnern nicht nur Freude über den Umzug vorherrscht. „Viele sind traurig, dass sie weg müssen“, erklärt Ingrid Bohsung, die beim Flüchtlingskreis in der Arbeitsgruppe Sicherheit und Gesundheit aktiv ist.

Ein großer Teil der Bewohner werde nach Degerloch in einen Containerbau ziehen, erklärt Werner Bossert, Sprecher des Flüchtlingskreises Weilimdorf. Größere Familien hätten eine Unterkunft im Bürgerhospital zugewiesen bekommen. Drei Familien könnten in Weilimdorf bleiben.

„Wir haben uns darum bemüht, dass möglichst viele hier bleiben können“, so Bossert. Leider seien in den Unterkünften in Weilimdorf aber nur wenige Plätze frei. „Wir konnten in den vergangenen Wochen bereits rund 30 Kinder in den Sportvereinen in Weilimdorf unterbringen“, so Bossert. Die meisten von ihnen müssten jetzt wieder weggehen. Viele der Kinder seien inzwischen auch in Weilimdorfer Schulen eingeschult. Dass sie aus diesem Umfeld nun wieder herausgerissen werden, ist für die Flüchtlinge unverständlich.

„Ihr werdet in euren neuen Unterkünften auch wieder von Ehrenamtlichen betreut und die Kinder kommen in neue Schulklassen, das ist alles schon geregelt“, erklärt Bossert in seinen Abschiedsworten. Und es gab bei dem Abschiedsfest auch einige Tipps für die Flüchtlinge von Seiten der Ehrenamtlichen. Etwa die, sich für ihre Kinder viel Zeit zu nehmen und sie beim Deutsch lernen zu unterstützen.

„Den Leuten ist allen bewusst, dass es sehr wichtig ist, Deutsch zu lernen“, weiß Bossert. Die Sprachkurse, die von den Helfern im Flüchtlingskreis angeboten werden, würden von insgesamt 80 Teilnehmern besucht. Helga Schneeberger, ehemalige Schulleiterin der Reisachschule etwa betreut einen Sprachkurs für Frauen. Im Kurs seien viele Flüchtlinge gewesen, die noch nicht anerkannt sind, weil es für sie keine geförderten Sprachkurse gebe. „Der Kurs ist sehr gut gelaufen“, erzählt Schneeberger. Die Sprachkurse finden im Jugendhaus, in der Montessori Grundschule und in Räumen der Weilimdorfer Kirchen statt, ergänzt Bossert

Gut angenommen wird auch die Hausaufgabenbetreuung, die vom Flüchtlingskreis durchgeführt wird. Rund 30 Kinder seien regelmäßig in der Hausaufgabenbetreuung dabei.

Damit insbesondere die Kinder ein fröhliches Abschiedsfest feiern können, hatte der Flüchtlingskreis zu der kleinen Feier den Zauberer Dr. Marrax eingeladen. Mit seinem Wundermittel „Marraxofax“ verzauberte er nicht nur zerschnittene Seile in ganze Seile und Rieselzucker in Zuckerwürfel, sondern gewann auch schnell die Herzen der Kinder. Problemlos fand er unter ihnen kleine „Mitzauberer“, die ihm bei seinen Tricks assistierten.

Insgesamt haben in der Notunterkunft in der Spechtweghalle 204 Menschen auf engstem Raum gelebt. Neben der Spechtweghalle werden im Laufe der nächsten Tage und Wochen rund 1.200 Flüchtlinge die verschiedenen Notunterkünfte im Stadtgebiet räumen. Auch die Menschen, die im Waldheim Lindental untergebracht sind, werden dort ausziehen.

„Menschen, die Sicherheit bei uns suchen, wollen wir angemessen unterbringen. Es ist uns im November nicht leicht gefallen, die Flüchtlinge in Turnhallen oder Waldheime interimsweise unterzubringen. Es war unsere Maxime, sie schnellstmöglich in Regelunterkünfte verlegen zu können. Ich freue mich, dass wir nun Wort halten können“, erklärt Bürgermeister Michael Föll. Dank dem Rückgang der Zuweisungszahlen sei dies nun möglich.

Auch Bürgermeisterin Isabel Fezer freut sich darüber, dass die Flüchtlinge aus den Notunterkünften verlegt werden können. „Wer sich einmal die Unterbringung von Flüchtlingen in einer Turnhalle angeschaut hat, weiß, dass Menschen dort nur übergangsweise leben können“, so Fezer. In dem Zusammenhang bedankt sich die Bürgermeisterin für Soziales, Jugend und Gesundheit auch bei den von der Belegung betroffenen Schulen und Sportvereinen. Mit ihrer Bereitschaft, die Hallen zur Verfügung zu stellen, hätten auch sie sich bürgerschaftlich engagiert und sich gegenüber der Not der Flüchtlinge solidarisch gezeigt. „Dafür bin ich sehr dankbar“, so Fezer.
Nach dem Auszug der Flüchtlinge aus der Spechtweghalle und aus dem Waldheim Lindental stehen für den Flüchtlingskreis Weilimdorf schon die nächsten Aufgaben an. „Wir wollen verstärkt Kontakt zu den Menschen in den Systembauten in der Solitudestraße aufbauen“, erklärt Bossert. Der Kontakt zu den Menschen in der Spechtweghalle sei sehr gut gewesen. „Wenn man in die Halle gekommen ist, war man mit den Menschen sofort im Gespräch“, so Bossert. Auch zu den Flüchtlingen, die in den Unterkünften in der Steinröhre wohnen, sei der Kontakt sehr gut. Dort sei die Situation ähnlich, denn die Menschen hätten vorher ebenfalls einige Wochen in der Spechtweghalle gelebt.

Schwieriger sei es gewesen, Kontakt zu den Leuten in der Unterkunft in der Solitudestraße zu bekommen. Die Menschen seien ebenfalls aus Notunterkünften gekommen und nach ihrem Einzug erst einmal froh gewesen, einen Rückzugsraum für sich zu haben.

„Jetzt beginnt sozusagen die Kernarbeit“, so Bossert. Für ihn und die rund 300 aktiven Helfer im Flüchtlingskreis Weilimdorf heißt das in erster Linie, die Menschen in die Weilimdorfer Strukturen zu integrieren, sie etwa in den Vereinen unterzubringen. „Wir haben zum Beispiel einen Gymnastikkurs nur für Frauen, der sehr gut angenommen wird“, erzählt Bossert. Die Frauen würden dort sehr gerne hingehen. Das neu installierte Angebot finde in den Räumen der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage statt. Die Gemeinde habe wie alle anderen Kirchengemeinden in Weilimdorf auch ihre Türen für die Flüchtlingsarbeit ganz weit geöffnet.

Ein neues Projekt beginnt in den nächsten Tagen. „Wir haben in den Unterkünften in der Steinröhre und die der Solitudestraße über 30 Flüchtlinge, die gerne ihre eigenen Kräuter und Gemüse anbauen möchten“, berichtet Bossert. Die Teilnehmer des Gartenprojektes würden die dafür benötigten Hochbeete selbst aus Paletten bauen. Ein Teil der Hochbeete entstehe direkt bei den Systembauten in der Steinröhre, ein weiterer auf dem nahe der Unterkunft in der Solitudestraße gelegenen Walz Gelände. „Wir haben dort eine Kooperation mit dem Verein chloroplast Stuttgart, der auf dem Walzgelände sein Domizil hat.

Die anderen Angebote des Flüchtlingskreises würden natürlich fortgeführt, wie etwa die Fahrradwerkstatt. Die verfüge aktuell über rund 100 Fahrräder. 70 davon seien an Flüchtlinge mit Helm und Fahrradschloss ausgegeben worden. „Für die Kinder bieten wir in Zusammenarbeit mit der Polizei Verkehrserziehung an“, so Bossert.

Insgesamt sind im Flüchtlingskreis Weilimdorf übrigens sechs Arbeitskreise aktiv. Mehr über diese Arbeitsgruppen und die Aktionen des Flüchtlingskreises erfahren Interessierte auf der Internetseite www.flueechtlingskreis-weilimdorf.org

Text/Fotos: Tommasi

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