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Gemeinschaftsschule Weilimdorf – „Wir wollen hier alle Schulabschlüsse anbieten“

Ende vergangenen Schuljahres wurde der langjährige Rektor der Gemeinschaftsschule Weilimdorf, Leonard Weber in den Ruhestand verabschiedet. Sein Nachfolger ist der bisherige Konrektor Claus Schneider. Schneider hat für die Zukunft der Gemeinschaftsschule viele Ideen und Visionen.

Vor rund zweieinhalb Jahren hat Claus Schneider die Konzeption der Gemeinschaftsschule Weilimdorf im Bezirksbeirat vorgestellt. „Wir müssen die Schule für die Zukunft weiter entwickeln“, hat Schneider, damals noch stellvertretender Schulleiter der Realschule Weilimdorf erklärt. Im vergangenen Schuljahr ging dann die Gemeinschaftsschule Weilimdorf an den Start. „Die Gemeinschaftsschule wurde insgesamt sehr gut angenommen“, freut sich Schneider. In der sechsten Klasse ist sie jetzt vierzügig und in der fünften Klasse dreizügig. „Wir könnten auch dieses Schuljahr gut vierzügig sein“, so Schneider. Man habe aber alle Kinder aus Gerlingen ablehnen müssen, weil der Platz fehlt.

Die Klassen in der Gemeinschaftsschule seien schon immer sehr heterogen, betont Schneider. Daran hat sich nichts verändert. Dies liege zum einen daran, dass die verbindliche Grundschulempfehlung weggefallen ist, aber auch daran, dass es in Weilimdorf neben dem Gymnasium nur noch die Gemeinschaftsschule und mit der Wolfbuschschule noch eine Werk­realschule als weiterführende Schule gibt. Die Realschule und zwei weitere Werkrealschulen (Rappach- und Reisachschule) sind weggefallen. In den Klassen seien jetzt vorwiegend Werk­realschüler und Realschüler und auch einige Schüler, die ins Gymnasium gehen könnten. Ziel sei es zukünftig, weitere G9-Schüler zu bekommen.

Die Überschrift des Konzepts der Gemeinschaftsschule Weilimdorf laute „Motivation Zukunft“. Dazu zählt für Schneider, dass auf dem Campus der Gemeinschaftsschule alle Schulabschlüsse gemacht werden können. „Von den Schülerzahlen können wir jetzt schon einen Campus abbilden“, so Schneider. Zur „Motivation Zukunft“ gehört auch eine Konzeption für eine gymnasiale Oberstufe zu entwickeln. Für Schneider bedeutet dies die Stärkung des sprachlichen Profils etwa in Form von Schüleraustauschen im Fach Französisch oder auch die Stärkung des musischen Profils. Natürlich werde auch das Sportprofil weiter gestärkt. „Wir werden zukünftig auch Profilfächer ausweisen“, erklärt der neue Schulleiter. Welche Fächer genau das sein werden, werde mit der Schulkonferenz abgestimmt. „Die Gemeinschaftsschule ist ein Weg zur Studierfähigkeit“, betont Schneider. „Wir verstehen uns keinesfalls als Restschule.“

Zur Motivation Zukunft gehöre auch die Vernetzung mit Betrieben und Unternehmen für Praktika, etc. weiter auszubauen. Den Schülern müsse klar sein, was sie für ihren späteren beruflichen Werdegang brauchen. Bedarfsgerechtes Lernen für den Beruf lautet hier das Stichwort. Berufsvorbereitende Praktika seien hier ein wichtiger Baustein. Durch diese Praktika werde vielen klar, was sie für ihren Berufswunsch brauchen. Dieses Wissen trage bei vielen letztlich auch zum schulischen Erfolg bei.
Mit Blick auf die bereits erwähnte Heterogenität der Klassen betont Schneider: „Wir streben bei allen Schülern die Mittlere Reife an.“ Ganz sicher werde jeder Schüler der Gemeinschaftsschule den Schulabschluss erlangen, der zu ihm passt, ist Schneider überzeugt. Ein wichtiger Baustein ist dabei das selbstständige Lernen, aber auch das gemeinsame Lernen im Klassenverband. Ziel in der Gemeinschaftsschule sei es, dass die Schüler im Klassenverband zusammenbleiben. Deshalb sei es auch extrem schwierig Schüler, die später vom Gymnasium auf die Gemeinschaftsschule wechseln, aufzunehmen.

In der Gemeinschaftsschule gebe es keine Noten, erläutert Schneider weiter. „Wir dokumentieren das, was die Schüler können. Rückmeldung über den Leistungsstand ihrer Kinder erhalten Eltern in den sogenannten Lernentwicklungsgesprächen. Diese finden drei Mal pro Schuljahr statt, nach den Herbstferien und zu den klassischen Zeugnisausgabe-Zeiten.“ Befürchtungen der Eltern, dass sie die Leistung ihrer Kinder ohne Noten nicht richtig einordnen können, seien unbegründet, so Schneider weiter. Im Gespräch mit den Coaches, bei denen die Schüler ebenfalls dabei sind, werde klar dargelegt was erreicht werden kann. „Die Kinder sind alle motiviert dabei“, so Schneider. Das habe das vergangene Schuljahr gezeigt.

Wichtig sei es nun, dass die nötigen baulichen Veränderungen kommen, um das pädagogische Konzept umsetzen zu können. Aktuell würde auf Basis der im Bezirksbeirat vor den Sommerferien vorgestellten Machbarkeitsstudie ein Vorschlag ausgearbeitet. Dieser Vorschlag werde dann erneut im Bezirksbeirat vorgestellt. „Dann kommen auch wir als Schule ins Boot“, so Schneider.

„Wir brauchen ganz dringend eine Mensa – und zwar eine Mensa, die multifunktional genutzt werden kann, weil die Gemeinschaftsschule bisher noch keine Aula hat“, formuliert Schneider einen großen Wunsch der Schulgemeinschaft. Die Mensa könne dann auch für Veranstaltungen wie Abschlussfeiern oder Theateraufführungen genutzt werden. Bisher müsse für solche Veranstaltungen immer die Turnhalle genutzt werden, die dann für längere Zeit blockiert ist.
Und der Schulleiter formuliert noch weitere durchaus nachvollziehbare Wünsche und Ideen für die Schule der Zukunft. Benötigt werde ein Raumangebot, um sogenannte Lernbüros fest einrichten zu können, ohne dass Klassenzimmer permanent umgestellt werden müssen. Mit Blick auf den Ganztagesbetrieb hält Schneider weiter fest, dass die Schule auch Räume benötige, in denen sich die Schüler zurückziehen können. „Das ist eine wichtige Sache, damit sich die Schüler an der Schule wohlfühlen.“

Auch das Kollegium brauche entsprechende Arbeitsplätze, wenn die Lehrer den ganzen Tag an der Schule verbringen, formuliert Schneider einen weiteren Wunsch. Aktuell würden jedem Lehrer am Tisch im Lehrerzimmer rund 80 Zentimeter Platz zur Verfügung stehen. Für einen Ganztagesjob, der dann auch vermehrt Bürotätigkeit in der Schule beinhaltet, entscheidend zu wenig.

Und Schneider formuliert auch noch eine sehr innovative Zukunftsvision. Er wünscht sich auf dem Campus eine Kleinkindbetreuung für die Kollegen, dass sie ihrem Beruf nachgehen können. Diese Vision ist andernorts übrigens schon Wirklichkeit geworden – im Gymnasium in Kerpen sogar schon seit 35 Jahren wie in einem umfangreichen Artikel auf der Internetpräsenz des Philologen-Verbandes Nordrhein-Westfalen nachzulesen ist. Eltern, die am Gymnasium Kerpen arbeiten, könne ihr Kleinkind mit in die Schule nehmen und es dort betreuen lassen. Sogar die unmittelbare Rückkehr nach dem Mutterschutz sei möglich, heißt es in dem Artikel – Stillzeiten inklusive. Für die nötigen Räumlichkeiten hat in Kerpen die Stadt gesorgt, die Betreuung übernehmen zwei Tagesmütter. „Für einige Lehrkräfte ist die Kindertagesstätte des Gymnasiums unter anderem Grund dafür, sich an dieser Schule zu bewerben“, heißt es in dem Artikel. Der Landeshauptstadt von Baden-Württemberg – dem kinderfreundlichen Stuttgart – würde ein entsprechendes Angebot nicht schlecht zu Gesicht stehen. Zumal in Weilimdorf die Möglichkeit bestünde, in einer solchen Einrichtung sowohl Kinder von Lehrern aus der Gemeinschaftsschule als auch aus dem nahegelegenen Solitude-Gymnasium zu betreuen.
Text: Tommasi/Foto: Tommasi

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