Puppenhaus von Irmela Laib

Lange Jahre schlummerte das Schmuckstück auf dem Dachboden

(tom). Das Puppenhaus von Irmela Laib ist kein ganz alltägliches Spielhaus. Tatsächlich ist es die exak­te Nachbildung des Hauses, das ihr Vater eigentlich für die Familie bauen wollte.

Die Geschichte des Puppenhauses von Irmela Laib ist außergewöhnlich. „Es ist sozusagen der Entwurf des Hauses, das meine Eltern bauen wollten“, erzählt die Weilimdorferin. Erbauer dieses Hauses war ihr Vater Hans Hennßer. Er hatte schon vor dem Zweiten Weltkrieg Pläne für sein zukünftiges Wohnhaus gezeichnet. Zur Umsetzung dieser Pläne ist es wegen des Krieges und auch wegen der Inflation aber nie gekommen.Puppenhaus von Irmela Laib

Haus in Miniatur

Hennßler hat die Pläne für sein „Traumhaus“ aber nicht enttäuscht weggeworfen, sondern trotzdem gebaut – halt in Miniatur. 1942, mitten in der Kriegszeit, waren die Bauarbeiten an dem Puppenhaus abgeschlossen. Seine Tochter Irmela war damals gerade vier Jahre alt. Zu Weihnachten konnte die Puppenfamilie den Neubau erstmals beziehen. „Das Puppenhaus wurde immer nur zu Weihnachten aufgebaut“, erzählt Laib.

Das Puppenhaus hat zwei Stockwerke. Im Erdgeschoss befindet sich die Küche, das Wohnzimmer, das Esszimmer, das Spielzimmer und ein Herrenzimmer. Letzteren Raum würde man heute wohl als Büro oder auch als Lesezimmer bezeichnen. Im Obergeschoss ist das Elternschlafzimmer, Kinderzimmer und ein Badezimmer. Auch eine Terrasse und ein Trockenplatz gehören dazu. Alle Zimmer waren elektrisch beleuchtet.

Puppenhaus von Irmela Laib

Selbst gebaute Möbel

Die ersten Möbel habe ihr Vater auch fast alles selbst gebaut, erzählt die Weilimdorferin weiter. Es seien aber auch einige Möbel dabei, die schon ihrer Mutter Maria gehört haben. Ihre Mutter habe ihn dabei unterstützt. In der Küche etwa befindet sich ein großer Einbauschrank mit Anrichte, ein Spülstein und ein Holzherd. Das Wohnzimmer ist mit Couch und Sesseln voll eingerichtet, im Herrenzimmer steht ein Schreibtisch mit Schreibutensilien und im Schlafzimmer ein Spiegelschrank. Über die Jahre habe sie immer wieder Möbel dazubekommen, erzählt Laib. Gespielt habe sie mit der Puppenstube bis sie 12 oder 13 Jahre alt war – oft zusammen mit ihrem Pflegebruder, den die Eltern 1944 in die Familie aufgenommen haben.

Die Puppenstube und die Möbel hätten dann gut verpackt fast 70 Jahre auf der Bühne gelegen, erzählt Laib weiter. Vor einiger Zeit, habe sie ihre Familie dann gefragt, ob irgendjemand Inte­resse an dem Puppenhaus habe. Als die Frage verneint wurde, hat sich Laib dazu entschlossen, das Puppenhaus dem Heimatkreis zu vermachen. „Ich habe das Puppenhaus schon vor zwei Jahren Frau Porten versprochen, es aber erst jetzt geschafft, es von der Bühne zu schaffen.“

Schlummernde Schätze

Es sei eine tolle Sache, dass es immer wieder Weilimdorferinnen und Weilimdorfer gebe, die dem Heimatkreis Erinnerungsstücke vermachen, freut sich Edeltraud John vom Heimatkreis. Es gebe sicher viele Bühnen in Weilimdorf, auf denen solche Schätze schlummern. Im Depot des Heimatkreises gibt es viele weitere Exponate, von der alten Obstpresse über den Handbohrer bis zum Schnellkochtopf. Auch viele Bilder und Postkarten kann der Heimatkreis sein eigen nennen, weil Angehörige sie beim Ausräumen von Omas Wohnung nicht weggeworfen, sondern dem Heimatkreis vermacht haben. „Wir freuen uns immer über solche Fundstücke zur Heimatgeschichte oder auch über alte Aufnahmen von Weilimdorf“, erklärt John und bittet darum, gegebenenfalls mit dem Heimatkreis Kontakt (per E-Mail an info@weilimdorfer-heimatkreis.de oder Telefon 0711–886905) aufzunehmen. „Was erst einmal weggeworfen ist, ist unwiederbringlich verloren“, so John.

Im Depot des Heimatkreises gibt es übrigens auch noch weitere Puppenstuben. Das älteste dieser Exponate stammt aus der Zeit um 1900. Sie waren 2010/11 im Rahmen der Ausstellung „Kinderträume“ in der Heimatstube zu sehen.

Geschichte der Puppenstuben

Die Geschichte der Puppenstuben geht tatsächlich bis ins 16. Jahrhundert zurück. Das älteste bekannte Puppenhaus wurde 1558 für Herzog Albrecht V. von Bayern gebaut. Dieses Puppenhaus diente allerdings nicht als Spielzeug, sondern war vielmehr ein Schaustück. Im 17. und 18. Jahrhundert griffen dann, wie im Internet nachzulesen ist, reiche Patrizierfamilien in Nürnberg und Augsburg diese Idee auf und ließen sich ihre Häuser in Kleinformat nachbauen – nicht zuletzt, um ihren Reichtum zu zeigen. Zu dieser Zeit waren die Puppenhäuser lediglich Anschauungsobjekte für Kinder.

Erst in der Biedermeier-Zeit entstanden die ersten Puppenstuben für Mädchen, die auch zum Spielen genutzt werden konnten und sollten. Sie dienten dazu, Mädchen spielerisch auf ihre spätere Aufgaben als Hausfrau vorzubereiten. Vorbild waren dabei die Wohnungen gehobener Bürgerfamilien, die möglichst naturgetreu nachgebildet wurden.

Im späten 19. Jahrhundert gab es auch einzelne Räume als Puppenstube, vor allem Puppenküchen, die mit allen nötigen Küchengeräten ausgestattet waren. Zu dieser Zeit kam auch der Kaufladen auf, mit dem dann auch die Jungs spielen durften. Mittlerweile wurden Puppenstuben industriell hergestellt, in ärmeren Familien entstanden sie jedoch in einfacher Form in Handarbeit.

Übrigens: Das vermutlich älteste noch weitgehend originalgetreu erhaltene Puppenhaus ist im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg zu sehen. Das sogenannte Stromersche Puppenhaus ist 1639 entstanden und umfasst 15 Räum mit über 1.000 Gegenständen. Das weltweit größte Exponat ist die Puppenstadt „Mon Plaisir“, die in Arnstadt (Thüringen) im dortigen Schlossmuseum besichtigt werden kann. Die Stadt besteht aus zahlreichen Puppenstuben, von denen die ersten etwa um 1700 entstanden sind.

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