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Ostharzreise 2010 – Salvatorgemeinde auf Reisen

Der Osten hat es der Salvatorgemeinde irgendwie angetan! Nachdem diese voriges Jahr Dresden und seine wunderschöne Umgebung genießen durften, fuhren sie dieses Jahr in den Ostharz. Lesen Sie auf weilimdorf.de den Erlebnisbericht zu dieser Reise: Am 3. Mai starteten wir gen Quedlinburg, dem Ausgangspunkt unserer Unternehmungen der nächsten Tage. Über die Autobahn ging es flugs an Würzburg und Kassel vorbei nach Goslar. Hier konnte sich jeder einen persönlichen Eindruck von der geschichtsträchtigen Schönheit der Altstadt machen, bevor wir uns die Kaiserpfalz anschauten, die seit 1992 gemeinsam mit der Altstadt zum Weltkulturerbe der UNESCO gehört.

In der zwischen 1040 und 1050 unter Heinrich III. errichteten Kaiserpfalz wurde über 200 Jahre lang auf zahlreichen Reichsversammlungen und Hoftagen deutsche und europäische Geschichte „gemacht“. Das Wanderkaisertum, also das „Wandern“ der Kaiser und Könige von Pfalz zu Pfalz, um ihr riesiges Reich zu kontrollieren, wurde uns in einer Führung und Ausstellung anschaulich näher gebracht. Um 17.30 Uhr erreichten wir Quedlinburg, wo wir im Hotel „Zum Bär“, zentral am Marktplatz gelegen, unsere Zimmer bezogen. Ein gutes Abendessen rundete den ersten ereignisreichen Tag ab.

Nach einem gemütlichen Frühstück trafen wir uns am nächsten Tag um 9.30 Uhr vor dem Hotel mit dem Stiftshauptmann, der uns in einer kurzweiligen und launigen Stadtführung Quedlinburgs Geschichte und Geschichten vermittelte. 1600 Fachwerkhäuser haben Quedlinburg den Ruf als Fachwerkmetropole des Harzes eingetragen. Seit 1994 ist die über tausendjährige Stadt ebenfalls UNESCO- Weltkulturerbe.

Nachmittags war Halberstadt angesagt. Schon von weitem sahen wir die Kirchtürme des Domes, die die Silhouette der Stadt prägen. Doch zuerst hatten wir eine Führung im Domschatz-Museum. Der Halberstädter Domschatz ist einer der umfangreichsten Kirchenschätze überhaupt. Er umfasst alle im Mittelalter gebräuchlichen Kunstgattungen – Altarbilder, Skulpturen, Handschriften und Mobiliar, Bronzewerke und Gold-schmiedearbeiten. Weltberühmt sind die Meisterwerke der Textilkunst, zu denen der romanische Abrahamsteppich aus der Zeit um 1150 gehört.

Danach konnten wir noch den Dom besichtigen, einen der schönsten Kirchenbauten der Gotik in Deutschland. Seit mehr als 1200 Jahren ist er geistlicher Mittelpunkt der Stadt und der gesamten Region. Er wurde zwischen 1236 und 1486 nach dem Vorbild der französischen Kathedralen errichtet. In den Fenstern leuchten 290 mittelalterliche Glasmalereien. Das bedeutsamste Ausstellungsstück ist die um 1220 entstandene überlebensgroße Triumphkreuzgruppe, ein Meisterwerk mittelalterlicher Bildschnitzer.

Nach unserer Rückkehr ins Hotel und einer kleinen Verschnaufpause stand das leibliche Wohl im Mittelpunkt des Interesses. Wir ließen den Tag im „Schlosskrug am Dom“ mit einem guten Abendessen ausklingen.

Der Mittwoch, 5. Mai, begrüßte uns mit Sonnenschein und blauem Himmel! Das war auch sehr notwendig, denn der „Brocken“ mit einer Höhe von 1142 m war angesagt. Nach einer halben Stunde erreichten wir Wernigerode, wo uns am Bahnhof schon die Dampflok und die schönen alten Waggons der Harzer Schmalspurbahnen (HSB) erwarteten. Auf dem mit 140 km längsten Schmalspurstreckennetz Deutschlands mit seinen 25 kohlebefeuerten Dampflokomotiven, davon 3 über100 Jahre alt, bieten die HSB ganzjährig einmalige „Volldampferlebnisse“ an – in fahrplanmäßigen Zügen! Nach einer knapp zweistündigen Fahrt unter Volldampf erreichten wir den sagenumwobenen „Brocken“. Wir hatten Glück: Sonne, blauer Himmel, ein paar Schleierwolken, gute Fernsicht – einer von 60 Tagen im Jahr, wo das so ist. Nach einem kurzen Rundweg um die Brockenspitze und einer wärmenden Erbsensuppe ging es am frühen Nachmittag wieder mit dem Dampfross hinunter nach Wernigerode, wo wir kurz darauf in ein „Bähnle“ umstiegen, gezogen von einem umgebauten Traktor und die „Waggons“ auf Gummirädern, in denen wir wie die Sardinen in der Büchse saßen, aber wir hielten uns an den Spruch:“lieber schlecht gefahren als gut gelaufen!“ und erreichten schnell das Schloss von Wernigerode, eines der schönsten deutschen Schlösser. Es bietet Historismus an allen Ecken, innen als Museum, außen als stolze Ritterburg. Fast 50 Räume in zwei Rundgängen galt es in einer Führung zu bestehen!

Nach einer kurzen Stadtrundfahrt mit dem „Dieselbähnle“ über holprige Kopfsteinpflaster konnte jeder noch für sich die Innenstadt von Wernigerode unsicher machen. Besonders der Marktplatz mit seinem weltberühmten Rathaus zog viele magisch an. Einige übermannte der Hunger und sie fielen in den Rathauskeller ein, andere streiften heroisch -wenn auch mit hängendem Magen- durch die historische Altstadt mit ihren wunderschönen Fachwerkhäusern. Um 20 Uhr ging es zurück ins Hotel. Dort trafen sich dann die „Hungrigen“ und ließen den Abend bei guten Essen und Trinken ausklingen, denn das Bett war ja nicht weit!

Der Donnerstag – unser nassester Tag! Aber das tat unserer guten Laune keinen Abbruch. Ein Ausflug in den westlichen Harz stand auf dem Programm. Zuerst gelangten wir nach kurzer Fahrt nach Gernrode, wo wir uns schnell ins Trockene flüchteten, sprich: in die Stiftskirche St. Cyriakus. Diese Kirche ist eine der bedeutendsten ottonischen Architekturdenkmale in Deutschland: 961 erstmals erwähnt, befindet sie sich aufgrund der Restaurierungen wieder weitgehend im Zustand des 10. Jahrhunderts. Eine sachkundige Führerin führte uns durch die abwechslungsreiche und oft turbulente Geschichte dieser -nördlich der Alpen- größten romanischen Kirche. Ein kurzes, aber „knackiges“ Orgelkonzert des Kantors rundete dieses Erlebnis ab.

Weiter ging es über Thale, durchs Bodetal, über den Rappbode-Stausee, bis wir nach einem kleinen Umweg über Drei Annen Hohne Elend erreichten – die nächste Ortschaft heißt Sorge! Frage: „Wo ist der Sozialismus zu Hause?“ Antwort: „Zwischen Elend und Sorge.“ So heißen diese beiden Orte hoch oben im Harz tatsächlich! Auf diese Weise machte man sich in der DDR über die real-sozialistischen Zustände lustig. Kurz hinter Elend – im nassen Wald und unter tief hängenden Regenwolken erwartete uns „Kukki’s Erbsensuppe“, „erfunden“ von einem ehemaligen Kulturoffizier der NVA und Major der Grenztruppen namens Kurkiewicz. Sie wird heiß gemacht in einer alten NVA-Gulaschkanone, also alles ganz stilecht. Im Schutz einer großen Holzhütte schmeckte uns bei diesem Wetter die Suppe doppelt so gut. Ob mit oder ohne Bockwurst -sie wurde begierig „einverleibt.“

Weiter ging die Fahrt durch den Nationalpark Harz nach Clausthal-Zellerfeld. Noch bis 1930 wurde hier Bergbau betrieben, die kleinen Holzhäuser der Bergleute bestimmen auch heute noch das Stadtbild. Die Technische Universität prägt Clausthal seit ihrer Gründung als Fachschule für Bergbau 1775. Studenten aus aller Welt schätzen diesen Forschungsstandort. Wir besichtigten hier das 1892 gegründete älteste Bergwerksmuseum im Harz, das anhand von umfangreichen Sammlungen, historischen Modellen und originalen Bergwerksanlagen die Entwicklung des Oberharzer Erzbergbaus vom Mittelalter bis Ende des 19 Jahrhunderts veranschaulicht. Beeindruckt waren wir auch von der Betstube, einem einzigartigen Dokument für die Religiosität der Bergleute.

Schnell ging’s wieder in den Bus, der direkt vor dem Eingang parkte, damit wir nicht allzu nass unsere Tour durch den Harz fortsetzen konnten, mit dem Ziel „Stabkirche Hahnenklee“. Die Kirche erinnert an die Stabkirchen Norwegens, doch dieser Baustil ist auch zu Zeiten der Christianisierung Deutschlands im norddeutschen Raum heimisch gewesen. Es gab ja auch hier genügend Holz als Baumaterial. Auffällig sind viele Parallelen zum Schiffsbau. So ist der Kronleuchter einem Schiffssteuerrad nachempfunden und die oberen Fenster ähneln Bullaugen. Nach einer Andacht, in der uns unser Diakon mit einer kleinen Meditation über das Lied „Geh aus, mein Herz und suche Freud“ von Paul Gerhardt zum Nach-Denken anregte und einer kurzen Kirchenführung konnten wir uns noch von der guten Akustik der Kirche überzeugen. Dem Organisten sei Dank.

Durch Wind und Regen hindurch fanden wir den Bus, der uns jetzt schnurstracks heim nach Quedlinburg ins Hotel brachte. Es blieb genug Zeit, sich frisch zu machen für den letzten Programmpunkt dieses ereignisreichen Tages: Abschlussabend im Rittersaal des Adelshofes! Ein Wandermönch mit seinem Knappen geleitete uns an Ort und Stelle. Ein reichhaltiges kaltes und warmes Büfett ließ keine Wünsche offen. Launige Überraschungen erwarteten uns, „angerichtet“ vom Wandermönch, der temperamentvoll und lustig, und unterstützt von Insiderwissen (woher er das wohl hatte?!), einige von uns „antanzen“ ließ, um diese nach kurzem Verhör doch wieder gnädig und mit einem kleinen sinnvollen Geschenk versehen, zu entlassen. Voll des guten Essens und Trinkens und des heute Erlebten sanken wir in die Betten, vergaßen aber nicht, vorher noch die Koffer zu packen.

Freitag, der Tag der Rückkreise! Nach einem reichlichen Frühstück trafen wir uns -wer hätte das gedacht!- vollzählig im Bus. Erster Halt war in Eisleben, bekannt als Geburts- und Sterbeort von Martin Luther. Zu Ehren des größten Sohnes der Stadt führt Eisleben seit 1946 den Beinamen „Lutherstadt“. Es blieb Zeit für einen kleinen Spaziergang zum Geburts- und Sterbehaus Luthers und zu einem Bummel über den Marktplatz.

Da es immer noch nass, kalt und neblig war, strichen wir den Besuch auf den Kyffhäuser und starteten durch nach Erfurt. Am Domplatz ausgestiegen, erwartete uns ein Wochenmarkt, wo es eine Attraktion zu bestaunen gab: Original Thüringer Bratwurst für € 1,50! Gestärkt mit dieser Gottesgabe nahmen wir die 56 Stufen hinauf zum Mariendom und zu St. Severi mit Leichtigkeit! Reinste Gotik überall, beeindruckend der himmelhohe Altar und das Chorgestühl des Domes. Nach so viel Kunstgenuss durften dann ein warmer Kaffee und ein Stück Kuchen nicht fehlen. So gestärkt nahmen wir die letzte Etappe in Angriff: Durch den Thüringer Wald, an Schweinfurt vorbei, machten wir noch eine kurze Pause in Würzburg, wo wir von der Raststätte einen schönen Blick auf Würzburg und die Marienburg werfen konnten.

Unter Absingen sauberer Lieder erreichten wir dann das Weinsberger Kreuz – und waren schon fast daheim! Warme Dankesworte hin und her! Besonderer Dank galt unserem Busfahrer Alex, den wir schon im vorigen Jahr auf unserer Dresden-Reise genießen durften und der uns versprochen hat, 2011 wieder mit dabei zu sein.

Um 19.30 trafen wir gesund und munter vor Salvator ein.

Nach der Stimmung und der guten Laune der vergangenen Tage zu urteilen sieht es so aus, als ob es 2011 -so Gott will- wieder eine Gemeindefahrt geben wird. Der Herr Reiseleiter und sein Kofferträger werden sich bemühen!

Text: Rolf Hess, Fotos: Karl-Heinz Geiger

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