Die Polizei war vergangene Woche auf dem Marktplatz in Weilimdorf unterwegs und hat insbesondere Senioren über die neuesten Maschen von Trickbetrügern informiert. Foto: Tommasi

Polizei informiert Senioren auf dem Marktplatz: Trickdiebe werden immer dreister

(TOM) In jüngster Zeit sind in Stuttgart und auch in Weilimdorf wieder Trickdiebe unterwegs gewesen. Die Polizei hat deshalb auf dem Löwen-Platz insbesondere Senioren über die neuesten Maschen informiert.

Bei der Vorstellung der jüngsten Kriminalstatistik konnte der Innenminister von Baden-Württemberg, Thomas Strobl vermelden, dass die Zahl der Einbrüche zurückgegangen ist. Zurückzuführen sei das unter anderem sicher darauf, dass die Menschen wegen der Corona-Krise vermehrt zuhause sind, hatte Strobl dazu erklärt.

Zugenommen haben in der jüngeren Vergangenheit dagegen die Betrugsversuche – im Internet, per Telefon und auch direkt an  der Haustür.

Unfall vorgetäuscht

Die Telefontrickbetrüger würden aktuell verschiedene Maschen wie den Schockanruf, den Enkeltrick und die Masche „Falscher Polizeibeamter“ kombinieren, heißt es in einer Pressemitteilung.

Anfang Februar etwa hatte eine unbekannte Anruferin über das Festnetztelefon einen 92-jährigen Mann im Stuttgarter Osten kontaktiert und behauptet, sie habe einen Unfall mit der Tochter des Mannes gehabt. Ein Sachverständiger soll den Schaden auf mehrere Tausend Euro geschätzt haben. Sie forderte ihn dazu auf, das Geld im Bereich des Hauptbahnhofes abzuheben und es anschließend an seine Tochter zu übergeben, die ihn dort treffen werde. Einem aufmerksamen Taxifahrer, der den 92-Jährigen zum Bankinstitut brachte, kamen die Schilderungen des Mannes verdächtig vor. Er verständigte die Polizei und überzeugte den Senior vorerst von seinem Vorhaben Abstand zu nehmen. Beim Eintreffen der Polizeibeamten flog der Schwindel schließlich auf.

Nicht ganz so glimpflich lief es bei dem Ehepaar aus Neugereut ab. Eine Täterin rief dort eine 81-jährige Frau an und gab sich als Polizeibeamtin aus. Sie teilte mit, dass ihre Tochter Fahrerflucht begangen hätte. Um eine Haft abzuwenden, müsse sie mehrere Tausend Euro bezahlen. Die Anruferin baute immensen Druck auf, woraufhin die Seniorin schließlich das Geld von der Bank abhob. Ihr 84-jähriger Ehemann übergab das Geld anschließend einer jungen Frau.

Mit sogenannten Schockanrufen oder dem Enkeltrick haben Betrüger leider immer wieder Erfolg. Foto: Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes
Mit sogenannten Schockanrufen oder dem Enkeltrick haben Betrüger leider
immer wieder Erfolg. Foto: Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes

Mit einer kombinierten Betrugsmasche aus Schockanruf und falscher Polizeibeamtin haben zwei unbekannte Frauen ein Ehepaar um mehrere Tausend Euro betrogen. Zuerst gab sich eine der Frauen als die vermeintliche Tochter aus und schilderte hochemotional, dass sie einen tödlichen Unfall verursacht haben soll. Sie übergab den Hörer anschließend an die falsche Polizeibeamtin, die behauptete, dass eine Haftstrafe nur abgewendet werden könne, wenn die 64 und 70 Jahre alten Eltern eine Zahlung an die Familie der Verunglückten tätigen würden. Auch diese Täterin übte immensen Druck aus. Sie forderte das Ehepaar auf, bis zur Geldübergabe in der Leitung zu bleiben, keinesfalls aufzulegen und niemanden zu kontaktieren. Das Ehepaar hob das geforderte Geld von der Bank ab und fuhr nach Karlsruhe, wo die beiden im Bereich des dortigen Hauptbahnhofs mehrere Tausend Euro an den vermeintlichen Witwer übergaben. Als die Eheleute im Anschluss Kontakt zu ihrer echten Tochter aufnahmen, flog der Betrug auf und sie verständigten die echte Polizei.

Heizung abgestellt

Besonders dreist ist ein Trickdieb in Weilimdorf vorgegangen, der versucht hat, eine 92-jährige Seniorin in Giebel zu bestehlen. Der Täter gelangte zunächst auf ungeklärte Weise in den Heizungskeller des Mehrfamilienhauses und stellte die Heizung ab. Anschließend klingelte er an der Wohnung der Seniorin und gab sich als Heizungsmonteur aus. Er forderte die Frau auf, alle elektronischen Geräte in der Wohnung auszustecken. Die 92-Jährige schöpfte Verdacht und wollte ihre Tochter anrufen, woraufhin der Täter die Wohnung verließ.

Erfolgreich war mit der selben Masche ein Unbekannter im benachbarten Feuerbach, der eine 93-jährige Seniorin in einer betreuten Wohnanlage bestohlen hat. Auch dieser Täter gab sich als Heizungsmonteur aus. Er hat aus dem Wohnzimmer und im Schlafzimmer Schmuck entwendet. Auch in Stuttgart-Möhringen und in Mühlhausen waren zwei Täter mit diesem Trick unterwegs und hatten damit Erfolg. Ein weiterer Trickbetrüger hat sich gegenüber einer 85-jährigen Frau, die in einer Wohnanlage in Möhringen wohnt, als Mitarbeiter eines Betreuungsdienstes ausgegeben. Der Täter betrat die offen stehende Wohnung der Dame und verwickelte sie in ein Gespräch, in dem er sich nach einer vermeintlichen anderen Bewohnerin erkundigte. Offenbar stahl er der Dame dabei unbemerkt ihren Geldbeutel.

Diese beschriebenen konkreten Fälle aus Stuttgart sind nur Beispiele mit welchen Methoden die Betrüger vorgehen. In der Broschüre „Gut beraten im hohen Alter“ die von der Polizei herausgegeben wurde, sind viele weitere Beispiele für Tricks und Maschen von Betrügern zu finden und es werden auch Tipps gegeben, wie man sich vor diesen Tricks schützen kann.

Um in die Wohnung zu kommen, bitten die Täter beispielsweise auch um Hilfe oder eine Gefälligkeit, fragen nach einem Glas Wasser oder nach etwas zum Schreiben, heißt es in der Broschüre. Andere würden darum bitten die Toilette oder das Telefon benutzen zu dürfen oder nur schnell ein Geschenk für einen Nachbarn abgeben zu wollen. Ein weiterer Trick ist, den Opfern vorzutäuschen, sie zu kennen und sich zum Beispiel als ein entfernter Verwandter, früherer Nachbar oder ehemaliger Kollege auszugeben. „Letztlich wollen die Täter nur in Ihre Wohnung gelangen, um dann in einem günstigen Moment Ihre Wertsachen zu stehlen“, wird in der Broschüre eindringlich gewarnt.

Die Polizei rät dazu, die Wohnungstür nur mit vorgelegter Türsperre zu öffnen. Foto: Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes
Die Polizei rät dazu, die Wohnungstür nur mit vorgelegter Türsperre zu öffnen.
Foto: Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes

Türspion nutzen

Vorsicht ist auch geboten, wenn Sie an der Haustür zu Spenden oder zum Abschluss von Abonnements gedrängt werden. „Seien Sie lieber misstrauisch und machen Sie deutlich, dass Sie nicht interessiert sind“, rät die Polizei. Grundsätzlich raten die Beamten dazu, nie Unbekannte in die Wohnung zu lassen, grundsätzlich den Türspion oder eine Sprechanlage zu nutzen, die Tür nur mit vorgelegter Türsperre zu öffnen. Will man jemandem helfen, dann den Stift oder das Wasser immer nur bei vorgelegter Türsperre durch den Türspalt reichen.

Mit Blick auf die eingangs beschriebenen Betrugsfälle mit vermeintlichen Heizungsmonteuren rät die Polizei, Handwerker nur in die Wohnung zu lassen, wenn man sie selbst bestellt hat oder wenn sie vom Vermieter angekündigt wurden. Ferner raten die Beamten, Handwerker nicht in bar zu bezahlen, sondern eine Rechnung zu verlangen und diese per Banküberweisung zu begleichen.

Wenn sich Personen als Vertreter einer Behörde ausgeben – etwa als Polizeibeamter oder Gerichtsvollzieher – sollte man sich auf jeden Fall den Dienstausweis zeigen lassen und diesen sorgfältig prüfen. „Denken Sie daran, dass die Täter sehr professionell arbeiten und in der Lage sind, täuschend echte Dokumente oder Ausweise zu erstellen“, so die Polizei. Sie rät dazu, im Zweifelsfall bei der betreffenden Behörde telefonisch nachzufragen und sich nach der Richtigkeit des Besuchs zu erkundigen. Für richtige Polizeibeamte ist eine solche Nachfrage bei der Dienststelle kein Problem.

Die Polizei rät, auch misstrauisch zu sein, wenn jemand vorgibt einen gemeinsamen Verwandten oder Bekannten zu haben. Ferner soll man sich von keinem Unbekannten die Einkaufstasche in die Wohnung tragen lassen und sich auf gar keinen Fall dazu drängen lassen, vermeintlich wertvolle Sachen zu kaufen.

Um sich vor Täten zu schützen, die ihre Opfer mit dem Enkeltrick oder anderen betrügerischen Maschen per Telefon agieren, raten die Polizeibeamten dazu, den Vornamen im Telefonbuch abkürzen zu lassen. Der Vorname könne einen Hinweis auf das Lebensalter geben. Ferner raten sie, sofort aufzulegen, wenn sich ein Anrufer nicht selbst vorstellt beziehungsweise man seinen Namen erraten soll.

Wenn jemand unter einem Vorwand um Geld bittet, sollte man auf jeden Fall misstrauisch sein. Gibt sich jemand am Telefon als Verwandter aus, sollte man diesem mitteilen, man werde zurückrufen. Und ganz wichtig – man sollte einer unbekannten Person niemals Geld übergeben.

Grundsätzlich weist die Polizei eindringlich darauf hin, sich bewusst zu machen, dass Betrüger absichtlich immensen Druck und Stress aufbauen, um Ängste und Sorgen zu schüren. Deshalb solle man sich – egal zu welcher Uhrzeit – keinesfalls unterDruck setzen lassen. Wer Bedenken hat, solle Verwandte, eine Vertrauens person oder die echte Polizei ins Benehmen setzen. „Legen Sie beim kleinsten Zweifel den Telefonhörer auf und wählen Sie mit der 110 den Polizeinotruf “, rät die Polizei. Wie bereits erwähnt, sind die Methoden der Betrüger und Tipps, wie man sich davor schützen kann, in der Broschüre „Gut beraten im hohen Alter“ zusammengefast.

Die Broschüre kann unter dem Link www.polizei-beratung.de/themen-und-tipps/diebstahl/trickdiebstahl-in-wohnungen/ heruntergeladen werden.

Auf der Webseite www.polizei-beratung.de sind viele weitere Informationen zu unterschiedlichen Themen – von Betrug bis zu Gefahren im Internet – zu finden.

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