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Schattenspringer im Abendlicht des Pfarrgarten von St. Theresia

(RED) Der nachmittägliche Regen war seicht und leicht – kein Problem also für eine Welt des traurigen Lachens und fröhlichen Weinens in Weilimdorf im warmen Abendlicht anlässlich des „Theatersommer im Pfarrgarten“ von Sankt Theresia.

Der Theatersommer im Pfarrgarten ist eine Kooperation zwischen den Schauspielbühnen in Stuttgart und der katholischen Gesamtkirchengemeinde Stuttgart Nordwest – und ging am Donnerstagabend, 13. August in seine sechste von sieben Runden, zu der die Zuschauer Stühle sowie bei Bedarf etwas „Proviant“ selber mitbringen (dürfen).

Nach Eindeckung der 50 Besucher mit Getränken, erfolgreicher und akribischer Platzierung nach mit Zollstock ausgemessenen „Corona“-Abstandsregeln sowie Einweisung per Maske, konnte „maskenfrei“ und in lauer Abendsonnenluft den von den Künstler Oliver Krämer und Babette Walter vorgetragenen Chansonliedern gelauscht werden. „Es ist nach den letzten Wochen ein ungewohnter Blick in Gesichter zu blicken und nicht vor der Bankräubergewerkschaft zu stehen!“, schmunzelt Krämer dem Publikum zu. „Grad so“ muss Kabarett sein: zum lachen, zum nachdenken – und zum genießen des Moments.

Mit ihrem Programm „Schattenspringer“ widmen Krämer und Walter sich den Chansons des 2011 verstorbenen österreichischen Kabarettisten und Liedermachers Georg Kreisler. Seine Werke gehören mittlerweile zu den Klassikern des Liedguts im deutschen Sprachraum und haben Schwerpunkte auf Tod und Vergänglichkeit, Bewältigung des Alltags, Mann und Frau, „Liebe, Erotik und Sex“, Diskriminierung und vieles mehr. Schauspieler und Pianist Oliver Krämer und Schauspielerin wie Sängerin Babette Walter boten – untermalt von feinfühligen wie pointierten Klavierakkorden – so einen sarkastischen wie intellektuellen Querschnitt durch alle Lebensbereiche, mit Träumen über Barbara, Geschichten von Herrn Peter Silie und der Ziehha Monika, vom Weihnachtsmann auf der Reeperbahn hin zu blau-grünem Schnee, einer nie aufgeführten Oper in drei Akten, mörderischen Träumen auf die man Acht geben muss, Kreuzworträtseln und die nicht vorhandene Lösung auf das Rätsel „Mann“. Mitleiden durfte man über die Erlebnisse und Gedanken den Triangelisten eines Orchesters, dessen „Kling“-Einsatz erst auf Seit 89 der Partitur kommen sollte, oder auch einfach das Erlebens eines „Abends zu zweit“ mit Fernsehen, Stricken und einem Abendessen das man längst vergessen hat.

Für Pfarrer Matthias Hambücher ergänzen sich Religion und Kultur mit diesem „Theatersommer“ zudem auf eine gute Weise: „Kirche ist schon immer ein Kulturträger. Kulturschaffende Kirchenmusiker, Chöre und Solisten gestalten jeden unserer Sonntagsgottesdienste individuell und machen ihn zu etwas Einmaligen und Besonderen. Was wir in der Kirche tun, findet draußen seine Fortsetzung.“ Im Theater sind es die Schauspielerinnen und Schauspieler, die das Menschliche auf die Bühne bringen mit all seinen Ausformungen: Freude, Kummer, Trost, Glück, Liebe, Schmerz. „Und wo das Menschliche im Blick ist, ist auch Gott nicht weit“, findet Hambücher.

Den Besuchern des sehr unterhaltsamen Abends im Pfarrgarten blieb am Ende nach viel Beifall und mehreren Zulagen wie das „Taubenvergiften im Park“ die Gewissheit, neben vielen individuellen Eindrücken und jeder Menge Schmunzeln eine Menge neues Wissen mit nach Hause zu nehmen.

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