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Sprachförderung für Erwachsene soll auch in Weilimdorf kommen

Ginge es nach der Oberbürgermeister Dr. Schuster direkt untergeordneten Stabsabteilung für Integrationspolitik, würden in Kürze Sprachkurse für Menschen mit Migrationshintergrund auch in Weilimdorf angeboten werden. Der Wille ist da, allein was fehlt sind die Gelder: in einer Stadt wie Stuttgart mit einem indirekten Ausländeranteil von rund 40 Prozent stehen dafür nur 140.000 Euro im Jahr zur Verfügung. Martha Aykut von der Stabsabteilung berichtete am Mittwochabend dem Weilimdorfer Bezirksbeirat über den IST-Zustand und die Ideen und Pläne der Stuttgarter Integrationspolitik. Diese sei für Stuttgart sehr wichtig, hat doch die Landeshauptstadt einen direkten Ausländeranteil von rund 22 Prozent. Und immerhin rund 40 % der Einwohner Stuttgarts haben einen Migrationshintergrund – sprich deren Familien kommen ursprünglich aus EU- oder Drittländern. Das ist der höchste Anteil in einer deutschen Großstadt bundesweit.

Doch der Stabsabteilung standen und stehen für ihre Arbeit lediglich rund 140.000 Euro jedes Jahr zur Verfügung, sprichwörtlich nur der Tropfen auf dem heißen Stein. Lange Zeit war in Deutschland keinerlei Sprachförderung für Ausländer an der Tagesordnung, seit 2005 das Zuwanderungsgesetzt in Kraft trat, sind nun Ausländer aus Drittstaaten zur Teilnahme an 600 Stunden Deutsch- und 30 Stunden Rechts- wie Geschichtsunterricht verpflichtet. Nur EU-Bürger sind aufgrund des Freizügigkeitsabkommens mit anderen europäischen Staaten dazu nicht verpflichtet.

Mit dem schmalen Budget, so Aykut, bemüht sich die Stabsabteilung so viel wie möglich zu bewegen. Derzeit gibt es 15 Kursangebot, meist allerdings nur im Stuttgarter Zentrum. Das nächste Angebot für in Weilimdorf lebende Ausländer wäre erst in Feuerbach. Bis zu 80.000 Euro bringt der Stab in die Schulen ein. Während die Schüler Unterricht haben, “lernt auch die Mama parallel deutsch” – eine Weilimdorfer Schule ist an diesem Projekt aber auch nicht beteiligt. Die übrigen rund 60.000 Euro werden für sogenannte “niederschwellige Kurse” verwendet, aufgeteilt auf alle Stadtbezirke. Für Weilimdorf bleiben da gerade mal 4.000 Euro. Dieses Geld für Weilimdorf erhält die Lokale Agenda, die bereits in der Bonhoeffer-Gemeinde ein Kursangebot ins Leben gerufen hat.

Aykut bat nun die Bezirksbeiräte, die Idee und die Angebotspalette in Weilimdorf transparenter zu machen: “Ohne ein entsprechendes Raumangebot können wir keine Angebote mit Trägern anbieten. Auch muß der Kurs den ausländischen Mitbürgern bekannt sein, denn erst ab 20 Teilnehmern rechnet sich die ganze Angelegenheit!”.

Die Bezirksbeiräte zeigten sich von der Stadtverwaltung und dem geringen Engagement des Gemeinderates enttäuscht. Abgesehen von der Tatsache, dass in Weilimdorf so gut wie kein Angebot für die Menschen mit Migrationshintergrund bestehe, wären die Mittel – so auch Bezirksbeirat Dieter Benz (SPD) – ein Armutszeugnis für die Stadt. Auch Bernd Klingler wies darauf hin, dass die Stadtverwaltung inzwischen sogar dazu übergegangen sei, Budgetmittel des Bezirksbeirates (die für Vereinszwecke vorgesehen sind) für den Kurs in Weilimdorf im Dauerzustand abzurufen. Die Bezirksbeiräte sicherten Aykut abschließend zu, sich bei den Haushaltsberatungen im Herbst in ihren Gemeinderatsfraktionen für eine Aufstockung der Mittel im nächsten Doppelhaushalt der Stadt stark zu machen. Nur auf diesem Wege kann auch Weilimdorf und seine ausländischen Mitbürger von den Sprachkursangeboten profitieren.

Foto (Goede): Martha Aykut vor dem Weilimdorfer Bezirksbeirat am Mittwoch Abend.

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