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Stuttgarter Nord-Rundschau: Stadt möchte Herrschaft über die Domain-Namen

Der Streit um das Eigentum einiger Internetnamen von Stuttgarter Stadtbezirken geht in eine neue Runde: Die Stadtverwaltung will sich sämtliche Domain-Namen sichern – falls nötig auch vor Gericht. Ein Artikel aus der Stuttgarter Nord-Rundschau von Chris Lederer, den weilimdorf.de mit freundlicher Genehmigung durch den Verlag veröffentlichen darf. Internetseiten wie www.zuffenhausen.de, www.feuerbach.de oder www.weilimdorf.de befinden sich momentan nicht im Besitz der Stadt Stuttgart. Geschäftsleute, Privatpersonen beziehungsweise Gewerbe- und Handelsvereine haben sich die Namensrechte an zahlreichen dieser Internetseiten mit Bezug auf Stuttgarter Stadtbezirke gesichert. Die einen wollen in erster Linie über ihren Stadtbezirk informieren, die anderen haben sich die Seiten gesichert, um damit nicht zuletzt auch Geld zu verdienen.

Die Eigentümer der Seiten sind für deren Inhalte verantwortlich. Sie sorgen gegebenenfalls auch dafür, dass sich auf den Seiten möglichst ansprechende Inhalte befinden – mal erhalten sie mehr, mal weniger Zuspruch der Betrachter. Während zum Beispiel die Macher der Seiten Weilimdorf.de in der Vergangenheit zumeist positive Rückmeldungen erhalten haben, entbrannte in Zuffenhausen ein regelrechter Streit um die Seite Zuffenhausen.de. Sie befindet sich im Besitz des Weilimdorfer Geschäftsmannes Frank Schneider, der darüber hinaus auch die Rechte an mehreren anderen Seiten mit Namen von Stuttgarter Stadtbezirken besitzt, darunter Stammheim und Botnang. Schneider besitzt die Rechte schon seit mehreren Jahren. Allerdings lagen die Seiten lange Zeit brach: Wer sie anklickte, der fand dort anstelle der zu erwartenden Informationen über den Stadtbezirk lediglich ein Baustellenschild.

Wie berichtet, hatte sich Zuffenhausens Bezirksvorsteher Wolfgang Meyle auch als Vorsitzender des Heimatvereins darum bemüht, dass Frank Schneider die Seite abtritt und der Stadt Stuttgart die Rechte an dieser Domain überlässt. Der Weilimdorfer wollte die Seite jedoch nicht hergeben. Er nutze die Seiten als Informationsportal und Referenzobjekt für sein Unternehmen. Mittlerweile hat er auf seinen Seiten Bilder und Texte eingestellt. “Die Adressen sind zum Teil völlig überaltert, manche Firmen, die dort aufgeführt sind, existieren seit über zehn Jahren nicht mehr”, kritisiert Wolfgang Heinz, Vorstandsmitglied des Zuffenhausener Gewerbe- und Handelsvereins. Für ihn stelle die Seite eher eine Negativwerbung für den Stadtbezirk dar. Seine Forderung: Der Heimatverein solle Zugriff auf die Seite und damit die Inhalte bekommen. Ob das glücken wird, steht noch aus. Sicher ist, dass die Stadtverwaltung die Herrschaft über die betreffenden Seiten erhalten möchte. “Die Stadtverwaltung bemüht sich, sämtliche Domain-Namen zu bekommen”, sagt Brigitte Fries, Mitarbeiterin der Pressestelle der Stadt Stuttgart. “Das ist gegebenenfalls mit nicht unerheblichen Kosten verbunden, aber im Zweifel gehen wir auch den gerichtlichen Weg.” In den kommenden Wochen solle dies in Angriff genommen werden, jedoch bestünde zuvor noch einiger Gesprächsbedarf auch innerhalb der Verwaltung. Während die Stadt grundsätzlich gute Chancen hat, die Namensrechte gegenüber Vereinen, Geschäftsleuten und Privatpersonen für sich zu beanspruchen, gibt es noch zahlreiche unbeantwortete Fragen. Etwa die, wie man mit Seiten umgehen soll, deren Inhalte im Großen und Ganzen einwandfrei sind.

Klare Linie und Augenmaß – ein Kommentar von Chris Lederer

Grundsätzlich ist es sehr zu begrüßen, dass sich die Stadtverwaltung um die Rechte an den Internetadressen für die Stadtbezirke bemüht. Die Verantwortung für eine Seite, auf der man Informationen über einen Stuttgarter Stadtbezirk erwartet, darf nicht irgendwem überlassen werden, nur weil er sich die Namensrechte schneller gesichert hat als ein anderer. Seiten wie www.feuerbach.de oder www.weilimdorf.de sind Aushängeschilder für ihre Stadtbezirke.

Wer jedoch vor einigen Monaten auf www.Zuffenhausen.de geklickt hat, fand dort nicht etwa die Informationen über den Stadtbezirk vor, die er sich erhofft hatte, sondern nur eine Baustelle. Es ist im Interesse aller Bewohner der Stadt und in diesem Fall besonders der Stadtbezirke, dass es eine übergeordnete Instanz gibt, die ein Auge auf die Inhalte dieser Seiten und gegebenenfalls auch den rechtlichen Zugriff darauf hat; das kann nur die Stadtverwaltung sein. Sicherlich braucht man eine einheitliche Lösung für alle Bezirke, es braucht aber auch Augenmaß, denn es gibt auch Betreiber von Stadtbezirk-Seiten, die seit Jahren ordentliche Arbeit machen, die ihre Nachbarn schnell und zuverlässig informieren. Ihr Engagement darf durch eine neue Regelung nicht erstickt werden. Die Entscheidung der Stadt, sich endlich um die Rechte zu bemühen, war richtig. Wichtig wird sein, wie sie vor diesem Hintergrund mit ihren Rechten umgehen wird.

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