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Sudetendeutsche Weilimdorf: Forschungslücke der “Vertriebenengeschichte” schließen

Bislang war es wenigen Stadtbezirken der Landeshauptstadt vorbehalten, mit Heimatmuseen auf ihre Geschichte aufmerksam zu machen. Doch nun soll auch Stuttgart selbst ein Stadtmuseum bekommen und die Vorbereitungen dazu laufen auf Hochtouren.

Um einen Überblick über die geplante Einrichtung zu bekommen, begrüßte Obfrau Waltraud Illner die Leiterin des Planungsstabs Stadtmuseum, Dr. Anja Dauschek, beim Monatsnachmittag der Sudetendeutschen Landsmannschaft Weilimdorf im “Haus der Begegnung” in Giebel, um aus erster Hand zu erfahren, wie die stadtgeschichtliche Ausstellung aussehen soll.

Mit einer Präsentation, stellte Dr. Anja Dauschek das Konzept für das Stadtmuseum Stuttgart vor, das im “Wilhelmspalais”, wo zuvor die Stadtbücherei untergebracht war, seinen Platz haben wird. Dazu wird das denkmalgeschützte Gebäude im Innern völlig neu gestaltet, um dort die Geschichte der Stadt und die vielen Geschichten seiner Einwohner zu erzählen. Es soll aber auch ein Ort sein, an dem Gegenwart und Zukunft der Stadt diskutiert werden sollen. Dazu stehen auch ein Vortragssaal und Veranstaltungsflächen zur Verfügung. Die ständige Ausstellung soll, rund um ein medial bespieltes Modell der Stadt, die Stadtgeschichte beginnend im 18. Jahrhundert bis heute erzählen. Etwas mehr Fläche als für die Dauerausstellung, soll den Sonderausstellungen gewidmet sein, die nach Meinung von Dr. Anja Dauschek zum Besuchermagnet werden sollen. Natürlich wollten die Sudetendeutschen von der Museumsplanerin wissen, inwieweit die Geschichte der Heimatvertriebenen im Museum, dessen Baubeginn für das Jahr 2014 terminiert ist und im Jahr 2016 eröffnet werden soll, Berücksichtigung findet. Dr. Dauschek meinte dazu, dass die Aufnahme der Vertriebenen in Stuttgart noch nicht aufgearbeitet sei und eine Forschungslücke bilde. So fehle es an biographischen Zeitzeugeninterviews und Objekten aus dem Alltag der Nachkriegszeit. In ihrer Konzeption möchte Dauschek die Rolle von Politik und Verwaltung wie die Anordnung zur Aufnahme von Vertriebenen im Jahre 1946 und die Verkündung der Charta der Heimatvertriebenen beleuchten. Auch das Leben in Lagern, Bunkern und Elendsquartieren wie beispielsweise der “Schlotwiese” in Zuffenhausen und die Entstehung neuer Siedlungen wie in Büsnau und Rot, sollen in den Bereich der Geschichte der Aufnahme der Vertriebenen in Stuttgart einfließen. Aber auch die Patenschaft der Stadt Stuttgart für die Bessarabiendeutschen, wird eine gewichtige Rolle bei der Vertriebenengeschichte spielen. In diesem Zusammenhang bat Dr. Dauschek auch die zahlreichen Besucher des Monatsnachmittages um deren Mithilfe und appellierte an sie, Exponate aus der Zeit ihrer Vertreibung, dem künftigen Museum zur Verfügung zu stellen. Aber auch Zeitzeugeninterviews sind der Planerin des Stuttgarter Stadtmuseums für die Aufarbeitung der Geschichte der Vertriebenen wichtig und so vereinbarte sie sogleich vor Ort einen Gesprächstermin mit Liesbeth Kasper, um ihre über 90-jährige Lebenserfahrung zu dokumentieren.

Foto (Heisig): Obfrau Waltraud Illner bedankt sich bei Museumsplanerin Dr. Anja Dauschek mit einem Buch und einem Blumenstrauß für den Vortrag über das geplante Stadtmuseum in Stuttgart.

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