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Turnhallen sollen in Stuttgart nach den Sommerferien leer sein

Die SPD Gemeinderatsfraktion hat die Flüchtlingsunterkünfte in Weilimdorf besucht. „Wir machen solche vor Ort Termine regelmäßig um uns persönlich ein Bild zu machen“, erklärt Gemeinderat Hans H. Pfeiffer.

Die SPD Gemeinderatsfraktion hat die Flüchtlingsunterkünfte in Weilimdorf besucht. „Wir machen solche vor Ort Termine regelmäßig um uns persönlich ein Bild zu machen“, erklärt Gemeinderat Hans H. Pfeiffer.

„Die SPD Gemeinderatsfraktion hat sich schon länger den Wunsch gehegt, sich die Flüchtlingsunterkünfte in Stuttgart einmal vor Ort anzuschauen“, erklärt die für Weilimdorf zuständige Betreuungstadträtin Judith Vohwinkel. In Weilimdorf seien die verschiedensten Einrichtungen vorhanden, vom Waldheim übe die Turnhalle bis zu den Systembauten. Da das Waldheim im Lindental nur noch bis Juni belegt sei, werde man dem keinen Besuch abstatten.

Am Standort in der Steinröhre in Hause, erklärte Bezirksvorsteherin Ulrike Zich, dass die drei Systembauten dort Platz für 247 Menschen bieten. Geplant sei, dass im Rahmen der sechsten Tranche zwei weitere Bauten mit weiteren 156 Plätzen entstehen sollen. Der Plan den bis jetzt noch vorhandenen Sportplatz zu nutzen sei damit hinfällig. Gut sei, dass in die Gebäude Flüchtlinge eingezogen seien, die vorher in der Lindenbachhalle gelebt hatten. Dadurch habe es von vornherein einen sehr guten Kontakt zwischen den Flüchtlingen und den ehrenamtlichen Betreuern gegeben. Auch mit den Menschen, die jetzt in der Spechtweghalle untergebracht sind bestehe ein reger Austausch. In der neu bezogenen Unterkunft in der Solitudestraße sei es wesentlich schwerer den Kontakt herzustellen, weil dort jeder in seinem Zimmer lebe und die Tür zumachen könne.

Friedrich Becker Mitarbeiter der Hausleitung in der Steinröhre erläuterte, dass derzeit 207 Personen in den drei Gebäuden untergebracht sind. Über 80 Prozent der Bewohner seien Familien, rund 50 Prozent Kinder und Jugendliche. „Ein Problem sind bei uns die fehlenden Fahrradabstellplätze“, so Becker. Aufgrund der Lage der Unterkunft seien Fahrräder hier ein sehr wichtiges Fortbewegungsmittel.

Ferner wies Becker darauf hin, dass der Verkehr auf der Verbindungsstraße zwischen Hausen und Ditzingen ein Problem darstelle. Wenn man das Gelände der Unterkunft verlasse stehe man direkt auf der Straße. Bezirksvorsteherin Zich hielt fest, dass als schnelle Maßnahme das Ortsschild von Weilimdorf verlegt und eine Tempo 30 Zone eingerichtet worden sei. Dass ein Fußweg zur Unterkunft fehlt sei im Bezirksbeirat schon mehrfach thematisiert worden. Inzwischen gebe es Überlegungen, den Fußweg so anzulegen, dass die Unterkunft von der Rückseite und nicht von der Straße erreicht werden kann. Stephan Gier vom Flüchtlingskreis Weilimdorf hielt fest, dass die einfachste Lösung weiterhin ein Weg links entlang der Straße wäre. Vielleicht könne die dafür nötige Fläche ja von den Eigentümern vorübergehend gepachtet werden. Auf den Einwand von SPD Bezirksberiat Dieter Benz meinte Gier, dass die Fläche offenbar von einer Person bewirtschaftet werden. Möglicherweise könne man mit der einen Untermietvertrag aushandeln.

Bei der Besichtigung der Gebäude berichtete Becker, dass in jedem Zimmer drei Personen untergebracht werden können. Zwei Zimmer seien immer mit einer Tür vergunden. Dadurch bestehe die Möglichkeit, dass größere Familien zwei zusammenhängende Räume nutzen können. Ein Zimmer habe 14.6 Quadratmeter. Die Sanitärräume und Küchen würden gemeinschaftlich genutzt.

„Die Leute sind froh, dass sie hier ihre Privatspäre haben“, erklärt Bruno Ritter von der Hausleitung“. Nach dem Umzug aus der Spechtweghalle hätten sich alle erst einmal in ihre Räumlichkeiten zurückgezogen. Inszwischen komme man aber immer besser ins Gespräch. Auch die Deutschkenntnisse der Bewohner würden immer besser. Zu den Ämtern pflege man einen sehr guten Kontakt. Der Flüchtlingskreis habe das Angebot entsprechend der Bedürfnisse angepasst, ergänzt Gier. „Sprachkurse und Kinderbetreuung werden angeboten und auch gemeinsame Aktivitäten vinden statt“. Im Flüchtlingskreis seien gebe es rund 200 Helfer die dauernd Aktiv sind oder bei Aktionen mithelfen. Insgesamt hätten sich rund 500 Personen eingeschrieben. „Mit mehr Helfern könnten wir natürlich noch mehr machen“, so Gier. Umfassende Infos zum Flüchtlingskreis gibt es auf der Webseite www.fluechtlingskreis-weilimdorf.org.

Teilweise seien schon sehr persönliche Beziehungen zu den Menschen entstanden, erzählt Gier weiter. Das erleichtere die Integration. „Wir schaun auch, dass wir die Leute aus der Unterkunft etwa in Sportvereine holen“. Mit den Sportvereinen gebe es schon verschiedene Kooperationen, ergänzt Bezirksvorsteherin Zich. Unter anderem auch einen Sportkurs speziell für Frauen, der sehr gut angenommen werden.

In der Unterkunft in der Steinröhre würden derzeit rund 30 Personen leben, die bereits als Flüchtlinge anerkannt sind, erklärt Becker auf Nachfrage. Eine Anschlussunterbringung sei in den Systembauten eigentlich nicht möglich, ergänzt Tina Jongkind-Schreiner vom Sozialamt der Stadt Stuttgart. „Für eine gewisse Zeit lassen wir die Leute aber weiter hier wohnen“. In anderen Unterkünften, wie zum Beispiel im Bürgerhospital sei eine Anschlussunterbringung aber möglich. Einige anerkannte Flüchtlinge hätten inzwischen auch schon eine Wohnung gefunden. „Da gibt es schon Angebote aus der Bevölkerung“, so Jongkind-Schreiner.

In der Spechtweghalle würden aktuell rund 180 Menschen aus neun Nationen, darunter rund 79 Kinder wohnen, erfuhren die Besucher von der Heimleiterin Amina Khalaf. Zu Beginn der zweiten Belegung sei die Hygiene ein großes Problem gewesen. Das sei inzwischen aber besser geworden. „Das Essen, das der Caterer liefert ist gut aber leider nicht sehr abwechslungsreich“, bedauert Khalaf. Ein Problem sei die fehlende Privatspäre und dass die Menschen nicht selbst kochen können. Jongkind-Schreiner erklärt an der Stelle, dass die Stadt Stuttgart ja bereits in einer Presseerklärung mitgeteilt habe, dass die Turnhallen nach den Sommerferien leer sein sollen. „Deshalb ist die Situation hier absehbar“. Konkrete Termine, wann ein Umzugstattfinen kann, könne das Amt aber noch nicht nennen. „Wir warten mit der Bekanntgabe von Terminen, bis alles sicher ist, so Jongkind-Schreiner.

Roia Saburi, eine ehrenamtliche Helferin aus dem Flüchtlingskreis erzählt, dass sie häufig vor Ort ist um mit den Menschen zu sprechen und zu übersetzten. Die Flüchtlinge seien alle sehr nett, erklärt sie. Wenn es mal Probleme gebe drehe es sich meist um Kleinigkeiten, die im Gespräch geklärt werden können. „Toll wäre, wenn wir einen Raum bekommen könnten, an dem sich die Menschen wenigsten einmal pro Woche treffen können um zu lachen und zu tanzen. „Lachen sei gut um die Alltagssorgen auch mal zu vergessen“, so Saburi.

In der Halle würden viele Menschen leben, die bisher noch nich einmal ihren Asylantrag gestellt haben, erklärt Felix Koch vom Sozialdienst. Ein großes Problem sei die Sprache. Dass eineige Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes sowie Amina Khalaf und auch Roia Saburi übersetzen könnten sei da sehr hilfreich. „Wir unterstützen und gegenseitig wo es geht“, so Koch.

Der Flüchtlingskreis biete auch für die Menschen in der Spechtweghalle Sprachkurse an, so Gier. Auch Hausaufgabenhilfe für idie Schüler sowie eine Kinderbetreuung gebe es und auch gemeinsame Aktionen würden organisiert. Im Rahmen der Sprachkurse würde auch auf die Gepflogenheiten bei uns eingegangen“, so Gier weiter. Das werde von den Menschen offenbar auch gut angenommen. „Ich bin schon von Bekannten angesprochen worden, dass es in Weilimdorf derzeit viele Menschen gebe, die einen auf der Straße mit einem freundlichen „Hallo“ ansprechen.

_Text: Tommasi, Fotos: Goede/Tommasi

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