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Vom Bauern- und Wengerterdorf zur Industriestadt Feuerbach

Einen Einblick in die über 100-jährige Stadtgeschichte von Feuerbach, bot vor kurzem der Vorsitzende des Bürgervereins Feuerbach, Rolf Adam, beim Monatsnachmittag der Sudetendeutschen Landsmannschaft Weilimdorf in der Begegnungsstätte in Giebel. Der ehemalige Studiendirektor des Feuerbacher Leibniz- Gymnasiums mixte dabei seinen historischen Vortrag auch mit zahlreichen Anekdoten und hatte den zahlreichen Zuhörern auch ein paar Bilder aus der „guten alten Zeit“ Feuerbachs mitgebracht. Feuerbach wurde im Jahre 1075 erstmals in einer Urkunde des Kloster Hirsau als „Biberbach“ erwähnt. Deshalb findet sich neben dem Zahnrad für die Industrie noch heute ein Biber im Wappen des nördlichen Stadtbezirks. Aus dem „Biberbach“ wurde im Laufe der Jahrhunderte dann das „Fiberbach“ und daraus dann schließlich das heutige „Feuerbach“.

Der Aufstieg Feuerbachs begann mit dem Bau der Eisenbahnstrecke von Stuttgart nach Heilbronn, bei der Feuerbach Bahnstation wurde. Mit der Ansiedlung der Firma Jobst im Jahre 1861, wurde dann das Industriezeitalter in Feuerbach eingeläutet und das bisherige Bauern- und Wengerterdorf begann sich zu verändern. Doch nicht die Feuerbächer waren es, die in den Fabriken des Industriegebietes zu finden waren. Vielmehr waren es die Weilimdorfer und Gerlinger, die den weiten Weg zu Fuß nach Feuerbach nicht scheuten, um ihren Lebensunterhalt verdienen zu können. Umso erstaunlicher war es dann, als im Jahre 1869 beim Bau der Schwarzwaldbahn nach Weil der Stadt, die „Hörnleshasen“ aus Feuerbachs Nachbargemeinde Weilimdorf eine Bahnstation in ihrem Ort ablehnten und den Korntalern den Bahnanschluss überließen. Erst im Jahre 1926, als die Feuerbächer eine Straßenbahnverbindung nach Weilimdorf und Gerlingen einrichteten, hatten die Weilimdorfer dann ihre erste Bahnverbindung.

Im Jahr 1900 hatte Feuerbach dann etwa 10.000 Einwohner und schon 6 Jahre später, mit dem Bau der Bismarckschule, die damals größte Schule in Württemberg. Am 15.März 1907 wurde Feuerbach schließlich zur Stadt erhoben, was im selben Jahr am 31.August und 1.September mit der Grundsteinlegung des heutigen Rathauses groß gefeiert wurde. Der ehemalige Stadtrat Rolf Adam erwähnte in diesem Zusammenhang auch den Dienstgang des Feuerbacher Gemeinderats nach Vaihingen, wo sich die „Talkrabben“ das dortige Rathaus angesehen hatten und für ihr Feuerbach den gleichen Bau wünschten, nur größer natürlich. Schaut man sich heute die beiden Bezirksrathäuser an, ist die Ähnlichkeit nicht zu übersehen.

Inzwischen war am 1. August 1909 in Feuerbach die erste Straßenbahnverbindung mit Stuttgart und Cannstatt eröffnet worden. Auch der heutige Bahnhof war zwischenzeitlich in Betrieb gegangen. Ein Jahr später siedelte sich die Firma Robert Bosch im Feuerbacher Industriegebiet an und im Jahre 1912 wurde mit der Gewerbeausstellung der Festplatz mit Festhalle und Leibniz-Gymnasium eingeweiht. Neben dem Wahrzeichen Feuerbachs, der im Jahre 1789 erbauten Stadtkirche, die vor der Reformation dem heiligen Mauritius geweiht war, machte Rolf Adam zum Abschluss auf die zwangsweise Eingemeindung Feuerbachs nach Stuttgart aufmerksam, die im Jahre 1933 von den Nationalsozialisten angeordnet wurde und für die damals zu den größten Städten Württembergs zählende Stadt Feuerbach ein herber Schlag bedeutete.

Foto (Heisig): Obmann Ernst Merkl (rechts) bedankt sich bei Studiendirektor a.D. Dr. Rolf Adam (links) mit einem Buch über die Geschichte der Sudetendeutschen für seinen Vortrag.

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