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Wellness fürs Auto – oder: Geht ein Mann durch den Wald…


Wenn ein Mikrofon und ein Stuhl als Bühnenrequisite ausreicht, einen ganzen Saal zum Lachen zu bringen, dann liegt dies sicherlich nicht ausschließlich am durchaus ernsten Patrozinium der Weilemer katholischen Kirchengemeinde St. Theresia sondern auch am Programm “Uli Keuler spielt…”.

Keuler ist schwäbisches Urgestein der Comedy-Szene (sein erster Auftritt ist auf das Jahr 1973 datiert): sein Name ist Programm, sein Programm ist sein Name. Denn eigentlich hat er nur ein Programm, sich selbst, seine Erlebnisse, seine Erfahrungen. So verpackt er aufgeschnapptes, direkt erlebtes in Figuren, überträgt diese in Mimik, Körperhaltung und Gestik – fertig ist ein Konzept, das durch kleine Wandlungen immer wieder Neues bringt und die Zuschauer zu Lachmuskel-Attacken zwingt.

Und so steht man mit ihm am Fahrkartenschalter der Bahn, versucht (während sich die virtuelle Warteschlange hinter einem immer mehr verlängert) ein Gruppenticket zu lösen für 9 Erwachsene und 7 Kinder. Überreizt wird die Situationskomik durch Sparpreis-Ideen (“kann man eine 36-jährige auch durch vier 9-jährige ersetzen?”), so dass das Zwerchfell des Publikums erbebt während bei anderen das Lachen im Gesicht gefriert, weil man selber genau diese Situation bereits selber erlebt hat.

Ein Hotelaufenthalt mit Freunden wird schnell zum Safaricamp (Hotelzimmer mit Balkon, Bett, Kabel-TV & Minibar), seine “Küche der Zukunft” surft im Internet, hat und kann alles, nur nicht warmes Wasser kochen. Ein wenig sich selbst und sein Programm auf die Schippe nehmend, landet man mit Keuler im laufenden Interview zur Ankündigung eines Comedy-Festivals, endend mit einer “Laugh-Parade” (gesprochen wie Love-Parade). Letztlich weiss man auch ab sofort, wie man den alten Fernseher der verstorbenen Eltern aus dem Jahr 1967 trotz so mancher Technikschwäche auch im 21. Jahrhundert noch verkaufen kann, dass “Wellness fürs Auto” bedeutet, dass ein sechs Wochen alter Smart nicht nur Öl braucht, sondern auch Babyshampoo und Schnullerkette, man bei der Eheschließung im Standesamt durchaus “95 % Pro Ehe” sein kann und dennoch Zeit braucht sich nach 7 wilden Jahren und vorhandenem Junior richtig zu entscheiden.

Und so findet sich jeder im Publikum in einer seiner Szenen wieder – egal ob mit dem Freund am Telefon während parallel die Möbelpacker der ausziehenden Frau arbeiten, am Stammtisch in der Gastwirtschaft ums Eck ein “Fremder” sitzt, den man mit Rufen in die Küche wie “gibts schon die Deckungszusage Deiner Versicherung für den verdorbenen Wurstsalat?” am Essen zweifeln lässt, oder den Kindern verzweifelt versucht ein paar Worte englisch beizubringen (“let´s speak english now!”), bzw. durchaus erotische wie anzügliche Inhalte im Kochbuch findet (“Schnitzel wälzt sich in der Panade”), oder das Rollenspiel im Mittelalter des Jahres 1212 durch den Anruf der Mutter gestört wird, weil sie genau just in diesem Moment den Pullover mit V-Ausschnitt fertig stricken will.

Auch für Hypochonder ist Keuler ein Muss: ein Programmpunkt gibt die besten Anhaltspunkte und Tipps, wie man seinen Arzt zur Verzweiflung bringt. Was Yves Montand und Charles Baudelaire gemeinsam haben, wird anhand einer Diskussion in einem Internetforum geklärt. Dass ein Horoskop die Ursache für einen Sprung im Waschbecken haben kann und Fische nicht unbedingt eine Kämpfernatur sind lässt ebenso tief in die Astrologie blicken. Ernest Hemingway´s “der alte Mann und das Meer” wird bei Keuler durch “der alte Mann und die Bügelwäsche” entzaubert und was passiert, wenn ein Mann durch den Wald geht, klärt Keuler in seiner Zugabe. Man muss nur lange genug klatschen, um dies zu erfahren…

In St. Theresia wird man sich gerne an diesen Abend mit Uli Keuler erinnern. 2013 gibt es so ganz nebenbei auch ein Patrozinium, dann mit Roland Baisch.

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