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Zeitzeugenbericht beim Monatsnachmittag der Sudetendeutschen Landsmannschaft

Geschichte lebt von Zeitzeugen. Dazu zählen auch Berichte von Schreckensereignissen der Historie wie die Vertreibung der Sudetendeutschen aus ihrer Heimat. Maria André aus Weilimdorf gehört zu den noch lebenden Zeitzeugen dieses Genozids und schilderte beim monatlichen Treff der Sudetendeutschen Landsmannschaft Weilimdorf ihr persönliches Erleben dieser schrecklichen Zeit. 1937 in Jägerndorf in Sudeten-Schlesien geboren,musste die damals 8jährige Maria am 18.März 1945 mit ihrer Familie ihr Elternhaus und ihren Heimatort mit einem Lastwagentransport verlassen und vor den heran rückenden russischen Truppen Unterschlupf in einem Wald suchen. Schon in dieser Zeit, musste Maria André die Gefahren um Leib und Leben erfahren, die von den russischen Soldaten gegenüber Frauen und Mädchen ausgingen. Nach wenigen Wochen wieder nach Jägerndorf zurückgekehrt, fand die Familie zunächst Unterschlupf in ihrem Haus, wo die ältere Schwester von Maria André, aus Furcht vor Vergewaltigungen durch russische Soldaten, versteckt wurde. Als Sudetendeutsche rechtlos, lebte die Familie weiterhin in Angst und Schrecken und wurde schließlich am 22. Mai 1945 in einem Gefangenenlager deportiert. Maria André schilderte sehr eindrücklich, wie sie als junges Mädchen diese schreckliche Zeit von Hunger und Gewalt erleben musste. Dabei gab es auch Situationen, die ihr bis heute wie ein Wunder vorkommen. So stand beispielsweise die Familie mehrmals vor dem schrecklichen Moment, auseinander gerissen zu werden. Doch die Beherztheit der Mutter und die Wirkung des täglichen Gebetes, ließen nach Überzeugung von Maria André die ansonsten herzlos agierenden Menschen in den entscheidenden Momenten, plötzlich menschlich handeln. Vier Wochen nach der Deportation im Lager, folgte am 22.Juni 1945 die Wilde Vertreibung, wo die junge Maria zusammen mit ihrer Mutter und ihren Geschwistern in einem Treck von 3000 Frauen, Kindern und alten Menschen, sich auf den Hungermarsch von Jägerndorf nach Grulich aufmachen musste. Ohne den Vater, der in Jägerndorf zurückbleiben musste, ohne Verpflegung und den Schikanen der Vertreiber ausgesetzt, erlitten auf dem 6-tägigen Marsch viele Kinder den Hungertod und Menschen, die vor lauter Erschöpfung zusammenbrachen, wurden an Ort und Stelle erschossen. Und am Ziel in Grulich angekommen, musste die 8-jährige Maria mit ansehen, wie Kinder auf ihrer Mutter herumkrabbelten und nicht verstehen konnten, dass ihre Mutter vor Erschöpfung zusammengebrochen und gestorben war. Traumatische Situationen von Gewalt und Tod, musste Maria André bei ihrer Vertreibung erleben, die sie nach ihrer Meinung ohne den unbedingten Lebenswillen und Gottes Hilfe nicht überlebt hätte.

Foto (Heisig): Obmann Ernst Merkl bedankt sich bei Maria André für ihren Zeitzeugen bericht über ihre Vertreibung aus dem Sudetenland.

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