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Zustelleifer: die Post soll in Weilimdorf in graue Kästen und damit schneller zum Kunden kommen

Einen entschlossenen “Besuch in der Höhle des Löwen” titelte Bezirksbeirat Bernd Klingler (FDP) den Besuch des Landschaftsarchitekten Gehrings und der Post AG Vertreterin Jutta Reistner beim Bezirksbeirat Weilimdorf am Mittwochabend. Immerhin hat die Post AG in den letzten Monaten in Weilimdorf kein gutes Bild abgegeben: neben dem Postamt sind auch unzählige Briefkästen verschwunden – so auch der am Löwen-Markt, der aber in Kürze nur wenige Meter entfernt vom alten Standort an der Apotheke wieder aufgestellt werden soll. Und nun kommt die Post AG mit dem Antrag, in Weilimdorf 24 neue “Postablagekästen” für die Zusteller aufzubauen. Grau werden sie sein, 100 Zentimeter hoch, 70 Zentimeter breit und 54 Zentimeter tief, ein Zulieferdienst wird künftig die “Postablagekästen” anfahren und die Post für die Zustellbezirke und deren Briefträger dort deponieren. Zu verwechseln sind diese Kästen aber nicht mit den gelben Briefkästen – es sei denn der sachkundige Bürger hat genügend gelbe Farbe und eine Flex, um sich die neuen Kästen wunschgerecht anpassen zu können.

Denn immerhin werden die Postablagekästen eine Dichte in Weilimdorf erreichen, von der der Postkunde (der gemeine Briefkunde, der den Milliarden-Gewinn der Post AG erst überhaupt ermöglicht) nur träumen kann: Denn der “Leerstandsradius” um einen gelben Postkasten beträgt flächendecken in Weilimdorf 2.000 Meter. Wer also etwas ungünstig wohnt, muss (um seinen Brief abgeben zu können) im schlimmsten Falle 4 Kilometer laufen (zu schaffen mit Walkingeschwindigkeit in rund 45 Minuten). Privatwirtschaftlich gerechnet eine Verlustrechnung. Dies konnte Jutta Reistner nicht entkräften – verwies aber darauf, dass die Post AG durch den zunehmenden Internethandel immer mehr Post auszutragen habe, die Gewerbepost ebenso zunehme. Um die Post nun schneller zum Kunden bringen zu können, werden daher nun die Verteilkästen eingerichtet – nicht nur in Weilimdorf sondern im gesamten Stuttgarter Stadtgebiet.

Gehring und Reistner hatten es mit ihren Argumenten gegenüber den Bezirksbeiräten sichtlich schwer, diese sinnvoll zu vermitteln. Die Bedenken, dass in Zukunft weitere Kästen durch andere Postunternehmen hinzukommen könnten, konnte Reistner ebenso wenig zerstreuen wie auch die Tatsache nicht wiederlegen, dass der Bürger zwar seine Post recht schnell bekommen soll aber in Zukunft sie eigentlich privat kaum noch auf den Weg bringen kann. Auch den Vorschlag, neben den Ablagekästen doch gleich auch neue “Abgabekästen” (also die gelben) aufzustellen, lehnte Reistner mit der Begründung ab, dass dies aufwandstechnisch sich für “ein Privatunternehmen wie die Post AG” nicht rechnen würde.

Die vorgeschlagenen Standorte bewilligten die Bezirksbeiräte am Ende mit 10 Ja-Stimmen, 5 Nein-Stimmen und bei einer Enthaltung.

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