Theatersommer 2021, "Adam und Eva", Foto: GOEDE

Adam und Eva im Pfarrgarten: Wenn die Niagarafälle zum Garten Eden in Weilimdorf werden

(RED) Nach dem grandiosen Erfolg des „Theatersommer“ im Pfarrgarten von Sankt Theresia im ersten Coronajahr 2020 war es „schnell gschwätzt“ dass dies im zweiten Coronajahr wiederholt werden muss.

Während im Vorjahr Dank dem herrlich sonnigen wie trockenen Sommer alle Veranstaltungen im Außenbereich der Pfarrwiese von St. Theresia stattfinden konnten, war den Theaterabenden 2021, die erneut in Zusammenarbeit der Stuttgarter Schauspielbühnen mit der katholischen Gesamtkirchengemeinde Stuttgart-Nordwest angeboten werden, dieses Glück zunächst nicht beschieden: meist war es zu kühl, vielfach zu nass – mit viel Abstand und guter Durchlüftung musste so mancher Abend (ohne wie mit viel Theater) in den Gemeindesaal verlegt werden.

Theatersommer 2021, "Adam und Eva", Foto: GOEDEDoch am vergangenen Donnerstagabend, 12. August, als „Adam und Eva“ im Pfarrgarten in Weilimdorf auftauchten, ist das „Outdoor“-Programm im „Garten Eden“ Pflicht, trockenes und warmes Sommerwetter endlich eingetroffen – und die mehr als 70 Besucher brachten pflichtbewusst ihre Hocker, Gartenstühle, Picknickdecke, Schal und Weste (für die spätere Stunde) mit, um sich im gebührenden Abstand dem Bühnenprogramm von „Die Tagebücher von Adam und Eva“ (von Mark Twain), zu widmen, das von Jonas Khalil an der Gitarre musikalisch umrahmt wurde.

Kurzum: Es war ein großartiger Abend mit einem außergewöhnlichen Plädoyer für die Liebe. Auch wenn dies mit den ersten rezitierten Einträgen in den Tagebüchern von – aufgepasst: Eva und Adam (und nicht andersrum) – zunächst nicht den Anschein hatte, selbst wenn man davon ausgeht, dass das anwesende Publikum Dank Bibel ausreichend über die Geschichte „gespoilert“ war.

Theatersommer 2021, "Adam und Eva", Foto: GOEDEAnja Barth (Eva) und Christian Werner (Adam) erzählten über die ersten Tage auf Erden, so wie Mark Twain wohl im ersten Buch Mose die Kapitel zwei bis fünf „zwischen den Zeilen“ entdeckt haben muss. So eine Art „making of“ oder auch eine „Neuinterpretation“ der Bibelverse mit pointenreichem Humor, wenngleich Twain diese zwischen 1904 und 1906 schon (neu) geschrieben hat – und die Geschichte so zeitlos modern ist wie nie zuvor. Erstaunlich, was Mark Twain mit vier Figuren (ein Mann, eine Frau, ein Apfel und eine Schlange) alles so anfangen kann, um daraus zum einen einen vergnüglichen Lesespaß, zum anderen einen herrlichen lauen Sommerabend in Weilimdorf erlebbar zu machen. Man erfährt, dass der Anbeginn des Lebens auf der Erde nicht unbedingt „paradiesisch“ war, lästige Gewohnheiten von IHM („…nur am faulenzen – am Sonntag!“) und IHR („…unaufhörlich ist ‘es’ am Reden!“) zu Krach führen, aber auch verschiedene „Hobbys“ der ersten beiden Menschen auf Erden aufeinander treffen, viele Gedanken zu Missverständnissen führen (ist „Sie“ ein Experiment? Ist „Er“ ein Reptil?), Schilder wie „Rasen betreten verboten“ den Garten Eden zieren, der Sündenfall mit Schlange und Apfel am Ende eventuell nur eine Folge der Feststellung von Adam ist: „Ich brauch dringend eine Auszeit!“.

Theatersommer 2021, "Adam und Eva", Foto: GOEDE

Theatersommer 2021, "Adam und Eva", Foto: GOEDEÜberhaupt der Apfel – wenn man Hunger hat, muss man diesen halt einfach essen. Denn Grundsätze sind nur gültig, so lange man satt ist. Und dann sind da ja noch die Kinder, erst Kain, dann Abel. Einfach so aufgefangen der Nachwuchs, irgendwo da draußen. Und wenn man zuvor keinen Menschen kannte, der einem erklärt, was Kinder sind, kann das schon mal zum Chaos führen – denn die Frage wer oder was das nun ist, was erst nur brüllt, dann brabbelt und dann später erstmal nur krabbelt… muss ja durch viel Nachdenken erst geklärt werden. Und dann sind da ja auch noch ständig die Gedanken um „Ihn“ und „Sie“ – und die Feststellung: „Der  Garten ist verloren, aber wir haben uns“. Das erste Traumpaar der Menschheitsgeschichte. Ein seltenes Glück für die Menschheit, aber eine vergnügliche Story für Leser – und Zuhörer. Insbesondere dann, wenn die (selbst komponierten) Gitarrenklänge von Jonas Khalil das gerade Gehörte in anmutende Musik umwandeln.

Theatersommer 2021, "Adam und Eva", Foto: GOEDEWer dabei war: Klar ist nun, dass die Niagarafälle, der dazugehörige Park bzw. eben „Garten Eden“ nicht irgendwo in Amerika oder anderswo auf der Welt zu finden sind, sondern eben im Pfarrgarten von St. Theresia mitten in Weilimdorf, wo solche Geschichten wohl am Besten aufgehoben sind, wenn die Abenddämmerung hereinbricht, der Sonnenuntergang gelb-rot-violett den Horizont einfärbt und der Mond als Sichel am Firmament erscheint.

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