„Alle die sich für den Erhalt eingesetz haben können stolz sein“

(tom) Die Sanierungsarbeiten am „Alten Rathaus“ in Weilimdorf haben 2019 begonnen. Mit einer kleinen Feier wurde es vergangene Woche eröffnet.

Zur Eröffnungsfeier anlässlich des Abschlusses der Sanierungsarbeiten am denkmalgeschützten Alten Rathaus, konnte Bezirksvorsteherin Ulrike Zich zahlreiche Besucher begrüßen. Unter den Gästen weilten neben Mitgliedern aus dem Gemeinderat und dem Bezirksbeirat auch Mitarbeiter der Beteiligten Ämter, der bauausführende Architekt Winfried Stempfle sowie Vertreter von Weilimdorfer Vereinen und Organisationen.

Musikalisch umrahmt wurde die Feier von den beiden Gitarristen Christian Obst und Günther Schwarz von der Musikschule Stuttgart.

Über das Alte Rathaus das im 17. Jahrhundert Erbaut wurde könne man viel erzählen, hielt die Bezirksvorsteherin eingangs ihrer Rede fest. Alles was es zu dem Haus zu sagen gibt aufzugreifen sei im Rahmen dieser Einweihungsfeier gar nich möglich.

„Viele kennen das Alte Rathaus noch so, wie es vor der Renovierung ausgesehen hat. Heute sehen wir, was aus einem solchen Gebäude gemacht werden kann“, so die Bezirksvorsteherin weiter. „Alle die sich für den Erhalt eingesetzt haben können stolz sein“. Bis zur Umsiedlung an den Löwen-Markt sei das Gebäude Sitz der Verwaltung und Ort politischer Entscheidungsfindung gewesen. Das Sozialamt etwa sei im Dachgeschoss untergebracht worden und es seien auch Sitzungen der politischen Gremien abgehalten worden. Die Entscheidung über die Fusion mit Feuerbach etwa sei 1928 auch in diesen Räumen gefallen. Später hätten die Sitzung dann im Alten Schulhaus abgehalten worden, das zusammen mit dem Alten Rathaus renoviert wurde.

Als Weilimdorf vor Jahrzehnten seine Alte Kelter verloren hat, sei dies ein einschneidender Verlust gewesen, hielt Bezirksvorsteherin Zich weiter fest. Als dann das Alte Rathaus und das Alte Schulhaus auf eine Verkaufsliste der Stadt auftauchten habe das einen Aufschrei in der Bevölkerung gegeben. Man wollte die beiden historischen Gebäude nicht auch noch verlieren.

„Es war gut, dass sich damals eine Initiative gegründet hat, die sich für den Erhalt der Gebäude für Weilimdorf eingesetzt hat“, so die Bezirksvorsteherin. Treibende Kraft seien der Obst und Gartenbauverein, die Naturfreunde und der Weilimdorfer Heimatkreis gewesen. Mit Pro Alt Weil sei sogar ein eigener Verein gegründet worden, der sich für den Erhalt eingesetzt hat. Es gab zahlreiche Treffen in denen die Beteiligten ihre Vorstellung für die weitere Verwendung der Gebäude formuliert haben und es wurden auch Unterschriften für den Erhalt gesammelt. Das Thema sei dann auch sehr schnell im Gemeinderat gelandet, erinnert Ulrike Zich und bedankte sich bei den Gemeinderäten, die die Weilimdorfer unterstützt haben und beim gesamten Gemeinderat dass er die finanziellen Mittel für die Sanierung bereitgestellt hat.

Es sei bekannt, dass die Kosten bei der Sanierung von alten Gebäuden sozusagen mit jedem Balken den man freilegt steigen können, so die Bezirksvorsteherin weiter. Beim historischen Ensemble Altes Rathaus und Altes Schulhaus kostete die Sanierung letztlich 4,5 Millionen Euro. „Wir erleben heute also auch die Eröffnung einer sehr wertvollen Einheit.

Bis mit den Sanierungsarbeiten begonnen werden konnte seien viele klärende Gespräche mit Ämtern nötig gewesen. Das Liegenschaftsamt als Eigentümer sei daran beteiligt gewesen, genauso wie das Hochbauamt. Bei diesen Gesprächen im Vorfeld habe es auch viele Überlegungen zur konzeptionellen Nutzung der Gebäude gegeben, um eine so hohe Investition rechtfertigen.

Genau so wichtig wie die Planung sei dann auch die Umsetzung. Hier hätten die Handwerker in Zusammenarbeit mit den Architekten hervorragende Arbeit geleistet. Sehr gut Sichtbar ist diese außergewöhnliche Leistung übrigens am Dachgebälk. Die Weilimdorfer Firma Frodermann hat dort sehr behutsam gearbeitet und die Holzkonstruktion wirklich nur dort erneuert wo es absolut nötig war.

Den bereits genannten und auch allen weiteren beteiligten Ämter sowie dem Architekten und den Handwerkern sprach die Bezirksvorsteherin an der Stelle ein großes Dankeschön aus. Und sie wies auch auf die vom Hochbauamt extra zur Eröffnung erstellte Broschüre hin, in der die Renovierungsarbeiten eindrucksvoll dokumentiert sind.

Bezirksvorsteherin Zich bedankte sich an der Stelle auch bei all jenen, die sich für den Erhalt eingesetzt und viele Ideen entwickelt haben. Explizit nannte sie an der Stelle die Spendenaktion für die Stühle. Auf allen Stühlen im Haus seien die Namen der Spenderinnen und Spender zu lesen. Dass so viele Spenden zusammengekommen sind, dafür hätten sich Edeltraud John, die Vorsitzende von Pro Alt Weil und ihre Mitstreiter eingesetzt. Mit den Spendengeldern seien noch weitere Einrichtungsgegenstände finanziert worden.

Architekt Winfried Stempfle gab anschließend einige Geschichten aus der Bauzeit zum besten. Zunächst erinnerte er daran, dass es erste Planungen bereits 2010 gegeben habe, Baubeginn sei dann 2019 gewesen. Normalerweise daure es von den ersten Planungen bis zum Baubeginn rund zwei Jahre. „Es ist aber eine gewisse Herausforderung, wenn man bei einem Haus von Hauherren auch dem 17. Jahrhundert die heute geltenden Bauvorschriften einbinden muss.“ Da führe man beispielsweise mit dem Statiker Diskussionen über die Haltbarkeit einer Decke, die schon 300 Jahre hält. Darüber hinaus habe man auch mit Schadstoffen zu kämpfen, weil man da früher vieles nicht so eng gesehen hat. Und auch der Brandschutz sei ein gewichtiges Thema.

Tatsächlich habe es immer wieder stimmen gegeben, die gemeint hätten es sei aus den genannten Beispielen besser, das Gebäude abzureißen. Auch darüber sei diskutiert worden. Ein weiteres Problem war laut Stempfle, dass es sich um zwei Häuser handelte, die renoviert werden mussten. Insbesondere der Brandschutz sei hier ein großes Thema gewesen. Man habe das letztlich so gelöst dass das Ensemble nun bautechnisch als ein Gebäude gesehen wird.

2014 sei dann plötzlich das Thema im Raum gestanden, dass man dort wo das Alte Rathaus steht eigentlich gar nich bauen darf. „Etliche Dekaden zuvor hatte die Stadt beschlossen die Ditzinger Straße breiter zu machen. Da Alte Rathaus hätte dafür abgerissen werden sollen und die Fläche wurde als Straßenraum umgewidmet.“ Das sei immer noch so, erklärt Stempfle, und deshalb stehe das Alte Rathaus eigentlich auf der Straße. „So etwas habe ich noch nie erlebt.“

Ein weiteres Thema, das Stempfle erwähnte war der Denkmalschutz, mit dem es wohl so manchen Strauß auszufechten gab. Man habe sich aber immer einigen können und eine für alle gangbare Lösung gefunden, betonte der Architekt. Als Beispiele nannte er den Dachstuhl, bei dem der Austausch von jedem Balken diskutiert wurde oft mit dem Hinweis: „Suchen sie erst einmal eine andere Lösung.“ Bei den beiden Arrestzellen, seien überhaupt keine Veränderungen erlaubt worden. Einzig eine Steckdose habe man setzten dürfen. „Ansonsten konnten wir dort nur Kehren.“ Dadurch seien auch Einkratzungen im Putz von ehemaligen Gefangenen erhalten geblieben, erzählt Stempfle. Eine besondere Herausforderung bei den Arrestzellen sei der notwendige Austausch eines Deckenbalkens gewesen. Die unter der Vorgabe, dass ja keinPutz herunterfallen dürfe. „Die Mitarbeiter der Firma Frodermann haben auch das geschafft“, lobte der Architekt. „All das zusammen hat die vielen Jahre gebraucht“.

Abschließend lobte Stempfle noch einmal die gute Zusammenarbeit mit den Ämtern und hier insbesondere die mit Golo Zwissler vom Hochbauamt. Trotz teilweise heftiger Diskussionen hat er immer versucht uns den Rücken frei zu halten.“ Abschließend lud Stempfle alle anwesenden ein, sich das Ergebnis der Sanierungsarbeiten in aller Ruhe anzuschauen. „Ich finde es lohnt sich.“

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