„Schwäbischer Weltgeist“ Manfred Rommel: Beim Theatersommer die Welt des Literaten durchlebt. Foto: GOEDE

Beim Theatersommer die Welt des Literaten durchlebt

(RED) Grau und schwer hing die Wolkendecke am Donnerstagabend, 19. August, über dem Pfarrgarten von Sankt Theresia in Weilimdorf. Immerhin hielt sie die Temperaturen mild – für die Lachmuskelerwärmung sorgten hingegen die rezitierten Zitate des ehemaligen Oberbürgermeister von Stuttgart, Manfred Rommel.

„Schwäbischer Weltgeist“ Manfred Rommel: Beim Theatersommer die Welt des Literaten durchlebt. Foto: GOEDEMonika Hirschle (im Foto auf der Bühne mittig sitzend), Armin Jung (auf der Bühne links) und Andreas Klaue (auf der Bühne rechts sitzend) von den Schauspielbühnen Stuttgart ließen an diesem Theatersommer-Abend das Leben des „schwäbischen Weltgeist“ Manfred Rommel (1928 – 2013), der von 1974 bis 1996 Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Stuttgart war, Revue passieren. Allerdings nicht mit eigenen Worten, sondern aus den Büchern und Schriften des Poeten und Literaten Manfred Rommel. Mit seiner liberalen Grundhaltung und seiner Weltoffenheit hat Rommel lange Zeit die Stuttgarter Stadtpolitik mit nationaler und internationaler Ausstrahlung geprägt – mit seinen menschlichen wie ansprechenden Humor ist Rommel vielen Stuttgartern noch sehr gut in Erinnerung – zumal er seine Wort wohlweislich mit dem ureigenen schwäbischen Dialekt zu verpacken wusste.

„Schwäbischer Weltgeist“ Manfred Rommel: Beim Theatersommer die Welt des Literaten durchlebt. Foto: GOEDEUnd so ging die Streif mit Hirschle, Jung und Klaue im rezitierenden Diskurs durch das Leben von Rommel, von Kindesbeinen an über die Jugend hinweg, die politische Laufbahn und dem Werdegang zum Oberbürgermeister von Stuttgart. Die Kinder- und Jugendstreiche wurden aus den Erinnerungen vom Rommel erzählt, die Erlebnisse mit dem Vater auf dem Kasernenhof mit dem Bernhardiner, der den Schüler Rommel mit Gebell und Genurre über den selbigen Hof vor der Kulisse der grinsenden Soldaten jagte – im Beisein vom Vater aber der herzallerliebste und kuschelnde Hund war. Alles immer wohl verpackt in wenigen Zeilen und mit einer Note Witz und Ironie garniert. Selbst ein Kaninchenzüchter scheint an Rommel verloren gegangen zu sein – nur Dank des Vaters wurde wohl nichts daraus, der für seinen Sohn mehr vorgesehen hat als eine Viehhändlerkarriere.

„Schwäbischer Weltgeist“ Manfred Rommel: Beim Theatersommer die Welt des Literaten durchlebt. Foto: GOEDEZum Job des Oberbürgermeisters kam Rommel am Ende wohl nur, weil sich in der württembergischen CDU niemand besseres fand. Trotz oder obwohl er zu diesem Zeitpunkt noch schulterlange Haare hatte. Nachdenklicher wurden die Erzählungen und Geschichten aus den Jahren seiner Arbeit als Oberbürgermeister. Diesen „Job“ nahm Rommel sehr ernst – und hielt sich an sein Credo „ich bin vom Volk gewählt, also muss ich mit dem Volk reden und nicht nur mit dem Gemeinderat“. Musste aber dennoch einsehen, dass der OB zwar den Apparat steuert, der Apparat zugleich aber auch den OB. Seine wohl schwierigsten Jahre waren demnach die Zeiten rund um den „Deutschen Herbst“ 1977 mit der Hanns Martin Schleyer Entführung am 5. September, in dessen Folge fünf Menschen ums Leben kamen.

„Schwäbischer Weltgeist“ Manfred Rommel: Beim Theatersommer die Welt des Literaten durchlebt. Foto: GOEDEMit zunehmenden Alter widmete sich Rommel mehr dem (schwäbischen) Konsum zu („getrunken wird erst der älteste Most, auch wenn er Fäden hat“). Süffisant die Zeilen, wie man mit Butterbrezeln und „dünner Soße mit Spätzle“ für Fettflecken in den Aktenordnern und Soßenflecken auf weissen Hemden und Krawatten von Beamten und Politikern sorgen kann. Die schwäbische Sparsamkeit schlägt sich sogar in der Küche nieder: niemand weiss so recht, welche Reste in den Maultaschen stecken, geschweige denn im Gaisburger Marsch. Selbst der Stuttgarter Philosoph Hegel war für seine ureigene schwäbische Sparsamkeit bekannt, ist doch sein Haushaltsbuch detailreich und die Ausgaben darin genauestens dokumentiert. Auch empfiehlt Rommel: Essen nie zu stark oder überhaupt zu salzen, sonst trinken die Gäste nur um so mehr.

Unvergessen das Zwiegespräch von Rommel zu „Stuttgart ist Stuttgart. Nein: Stuttgart ist nicht mehr Stuttgart, weil Stuttgart nicht mehr Stuttgart ist“. Das ist der Moment, wo das Publikum nach dem zum 20. Mal in diesem einen Satz wiederholten Wort “Stuttgart” nicht mehr nur schmunzelt und kichert, sondern herzhaft lacht. Und weil auch jeder nun Dank Rommel weiss: „Puristen sind nur schwache Denker!“.

„Schwäbischer Weltgeist“ Manfred Rommel: Beim Theatersommer die Welt des Literaten durchlebt. Foto: GOEDEInsgesamt hat Rommel in seinen 22 Jahren als Oberbürgermeister übrigens rund 5.000 Reden gehalten. Die meisten hat er selber geschrieben, wenige wurden ihm aufs Pult gelegt – und viele hat er einfach aus dem Bauch heraus gehalten. Immer wohlwissend, dass das Publikum entweder zuhört – oder auch nicht. Das erfährt man meist beim Schlusssatz, wenn man sagt: „Vielen Dank für Ihre Un-Aufmerksamkeit!“

Was Rommel mit Weilimdorf sonst noch verbindet außer einem lauen Theaterabend im Pfarrgarten? Nun, vor 20 Jahren hat er sich am Kochbuch „Kochen mit Herz“ der Maria-Montessori Grundschule in Hausen mit einem schwäbischen Rezept beteiligt. Im Kapitel „Rezepte von Prominenten“ auf Seite 233 ist handschriftlich von ihm mit 40 Worten die Anleitung für „warme Würstle“ festgehalten. Kurz, knapp und pointiert – eben „ein echter Rommel“!

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