Bericht zur Kinderbetreuung in Weilimdorf

(tom) Der Bericht des Jugendamtes über die Situation der Kindertagesbetreuung stand in der jüngsten Bezirksbeiratssitzung ganz oben auf der auf der Tagesordnung. Der Bericht hatte schon mehrfach verschoben werden müssen, weil er vom Gemeinderat noch nicht freigegeben war.

In der letzten Sitzung des Weilimdorfer Bezirksbeirates vor der Sommerpause informierte Bezirksvorsteherin Ulrike Zich das Gremium, dass der ehemalige Obmann der Landwirtschaft, Eugen Haueisen am 23. Juli verstorben ist. Haueisen sei seinerzeit stark in die Diskussion um den Grünen Heiner II und die dazugehörige Standortsuche involviert gewesen und er habe sich immer für den Erhalt der landwirtschaftlichen Flächen in Weilimdorf eingesetzt. „Ihm war immer wichtig, dass die Landwirtschaft in Weilimdorf erhalten bleiben und die Betriebe ihre Existenzgrundlage behalten.”

Ferner teilte die Bezirksvorsteherin vor Eintritt in die Tagesordnung mit, dass die Tagesordnungspunkte drei „Vorstellung der Stadtwerke Stuttgart” und vier „Bericht zum aktuellen Stand im Quartier Weilimdorf Süd durch die Stadtwerke“ auf die Sitzung nach den Sommerferien vertagt werden muss. Die Stadtwerke berichteten an dem Abend in der vorverlegten Sitzung des Gemeinderates.

Die Berichterstattung über die Kindertagesbetreuung im Stadt bezirk übernahm dann Alexander Vecellio vom Jugendamt. Vecellio berichtete eingangs, dass es für die verschiedenen Altersgruppen Richtwerte bei der Betreuung gibt, die für die gesamte Landeshauptstadt gelten. Bei den Drei- bis Sechsjährigen liegt dieser Richtwert insgesamt bei 100 Prozent. Derzeit liege der Versorgungsgrad in Weilimdorf bei 90 Prozent. Das entspreche 1.009 Plätzen. Die Versorgung könne allerdings auch etwas höher liegen, da einzelne Kinder möglicherweise in anderen Stadtbezirken einen Platz bekommen haben. Wenn alle bereits vom Gemeinderat beschlossenen Plätze umgesetzt wären, würde man einen Versorgungsgrad von 98 Prozent erreichen, so Vecellio weiter.

Bei den Ganztagesplätzen für Drei- bis Sechsjährige liegt der Richtwert bei 70 Prozent und der ist mit 776 Plätzen in Weilimdorf bereits erreicht. Wären die beschlossenen Plätze bereits umgesetzt, würde man den Richtwert mit 76 Prozent sogar übertreffen, hielt Vecellio fest.

Bei den unter Dreijährigen liegt der Richtwert bei 54 Prozent. In Weilimdorf erreicht sind mit 443 Plätzen 49 Prozent und 53 Prozent werden erreicht, wenn alle beschlossenen Plätze umgesetzt sind.

Zu den beiden Interimskindergärten in der Hohenfriedberger Straße (befristet bis 2024) und der Solitudestraße 119 (befristet bis 2026) erklärte Vecellio, dass das Jugendamt dafür eine Ersatzfläche im Bereich Pfaffenäcker in Aussicht hat. „Wenn wir die Fläche bekommen, können wir die Plätze aus den befristeten Einrichtungen weitgehend auffangen.“ Und auch in anderen Einrichtungen könne man eventuell zusätzliche Plätze schaffen.

Vecellio berichtete weiter, dass der Versorgungsgrad bei den unter Dreijährigen seit 2001 von damals neun Prozent auf wie bereits erwähnt 49 Prozent angestiegen sei. Das sei eine sehr erfreuliche Entwicklung. Weniger erfreulich ist offenbar die Entwicklung beim Personal. Der Ausbau an Betreuungsplätzen funktioniere gut, man brauche dann aber auch das Personal. Tatsächlich habe der Personalbedarf in den Kinder- und Jugendhilfeeinrichtungen seit 2007 nahezu um 80 Prozent zugenommen und das nicht nur in Stuttgart. In Stuttgart gebe es inzwischen Gruppen, die aus Personalmangel nicht öffnen können. Weilimdorf sei davon bisher glücklicherweise noch nicht betroffen. „Das Problem mit den fehlenden Fachkräften wird anhalten“, ist Vecellio sicher. Das liege zum einen an der Demografie, weil die geburtenstarken Jahrgänge nach und nach aus dem Berufsleben ausscheiden, aber auch an rechtlichen Vorgaben (z.B. Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz) an den vorgegebenen Mindestpersonalschlüsseln und auch an der Finanzierung. „Die Stuttgarter Einrichtungen haben viele Maßnahmen zur Fachkräftegewinnung ergriffen“, hält Vecellio an der Stelle fest. Als Beispiele nannte er Qualifizierungsprogramme, das Angebot von Personalzimmern für Auszubildende und Berufseinsteiger, die Schaffung von PiA-Plätzen (Praxisorientierte Ausbildung), die Anwerbung ausländischer Fachkräfte oder auch die Bezahlung von außertariflichen Zulagen. „Das ist aber alles keine Lösung für das grundlegende Problem und wir laufen weiter Gefahr, nicht alle Einrichtungen betreiben zu. können.”

Dieter Benz (SPD) wollte in der Fragerunde wissen. ob daran gedacht sei, die Gruppenschlüssel zu erhöhen. Ferner wollte er wissen, was mit der Übergangslösung im Gemsenweg passiert und hielt fest, dass es sich in den Pfaffenäckern nicht um die Fläche in den Pfaffenäckern handelt, die für eine Altenbetreuungseinrichtung vorgesehen ist. Vecellio erklärte, dass mit Blick auf den Fachkräftemangel sicher über die Gruppengrößen diskutiert werde, aber auch ganz bestimmt über andere Lösungsansätze. Die Einrichtung im Gemsenweg wolle man reaktivieren. Bei der Ersatzfläche habe das Jugendamt bisher keine Konkurrenz, ansonsten gebe es aber immer wieder Konkurrenz zwischen unterschiedlichen Bedarfen, die erfüllt werden müssen.

Dr. Erik Hoffmann (PULS) wollte wissen wann und wie die geplanten Plätze gebaut werden sollen. Vecelio erwiderte, dass man aktuell prüfe, wie viele Plätze auf der Ersatzfläche möglich sind, und ob anderswo Einrichtungen eventuell aufgestockt werden können. Genaueres könne man derzeit nicht sagen.

Miriam Gegler (Bündnis 90/ Grü­ne) nahm Bezug auf die Information aus der letzten Sitzung, dass der Waldkindergarten im Lindental seine Duldung verliere. Sie wollte wissen, ob das Jugendamt hier bei der Suche nach einem anderen Platz unterstütze. Die Probleme des Waldkindergartens seien beim Jugendamt bekannt, erklärt Vecellio. Es sei Aufgabe des Trägers da eine Lösung zu finden.

Auf die Frage von Jürgen Raiser (FW) wie viele Gruppen, wegen Fachkräftemangel nicht betrieben werden können, erklärte der Vertreter des Jugendamtes, dass er dazu nichts sagen könne.

Suzanna Lipovac (CDU) hielt fest, das es sicher schwierig werde, aus der Bevölkerung weitere Fachkräfte zu gewinnen. Sie wollte wissen, ob für die Fachkräftegewinnung eine Personalvermittlung engagiert sei und was sich Vecellio vom neuen Fachkräftegesetz erhoffe.

Barbara Graf (Bündnis 90/Grüne) schloss sich dem an und wollte weiter wissen, wie das Interesse an den PiA-Platzen ist. Ferner hielt sie fest, dass die kommende Verschiebung des Einschulungstermins sicher weiter Probleme bringen werde. Vecellio erklärte, er persönlich habe nichts mit der Anwerbung von Fachkräften zu tun. Dazu müsse das Gremium die zuständige Stelle beim Jugendamt ansprechen. Der geplante veränderte Einschulungstermin werde die Zahlen sicher etwas nach oben treiben, man habe aber versucht, das in die Kalkulationen einzurechnen.

Bezirksvorsteherin Ulrike Zich hielt abschließend fest, dass man die Personalfrage an die zuständige Abteilung weiterleiten werde. Ansonsten nahm das Gremium den Bericht Vecellios zur Kenntnis.

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