„Bürgerworkshop Energiewende“ für Bergheim, Wolfbusch und Giebel im Bezirksamt

„Bürgerworkshop Energiewende“ für Bergheim, Wolfbusch und Giebel im Bezirksamt

(RED) Rund 80 WeilimdorferInnen folgten am 5. Oktober 2022 der Einladung des Amt für Umweltschutz der Landeshauptstadt zu einem „Bürgerworkshop Energiewende“ in den Sitzungssaal des Bezirksamt von  Weilimdorf.

Hier ging es vornehmlich um die derzeit durch die Energiekrise viele BürgerInnen umtreibenden Fragen „wie kann ich meine Energiekosten senken“, „wie sieht meine Wärmeversorgung in der Zukunft aus“, „welche Fördermittel stehen zur Verfügung“ und „unterstützt die Kommune die persönliche Energiewende“. Die Landeshauptstadt hat im Zuge der Energiekrise die für 2050 vorgesehene „Klimaneutralität“ auf das Jahr 2035 vorgezogen, was bedeutet, dass zusätzliche Kohlendioxid (CO2) Einsparungen von etwa 40 Prozent erbracht werden müssen – binnen 13 Jahren. Die Stadt hat nun mit Daniel Schwermann einen Projektkoordinator für die Energiewende bestellt, der die Moderation des Abends im Bezirksamt durchführte.

Der Mamutaufgabe „Energiewende“ begegnet die Stadtverwaltung bzw. das Amt für Umweltschutz in derzeit 13 Stadtteilen bzw. Stadtbezirken, sog. „Quartieren“, mit Bürgerworkshops, die in zwei Phasen (A und B) abgehalten werden: In der ersten Phase wird ein Konzept inkl. Handlungsempfehlungen zur klimaneutralen Versorgung des betroffenen Stadtquartiers erstellt und in die Wärmeplanung integriert, in der zweiten Phase wird das Konzept in die Umsetzung überführt, der Zeitrahmen ist auf 3 bis 5 Jahre avisiert. Neben „Weilimdorf Süd“ gibt es in Stuttgart noch die Quartiersgebiete Degerloch, Heumaden, Mühlhausen, Winterhalde, Möhringen Ost, Birkenäcker, Rot, Feuerbach, Obertürkheim, Plieningen und Österfeld, neu hinzu kommt nun Bergheim mit dem Giebel und Wolfbusch.

Während in Weilimdorf Süd und in Degerloch bereits die Phase B gestartet ist, stehen Bergheim, Giebel und Wolfbusch erst am eruierenden Anfang – zumal die im Vorfeld durchgeführte Online-Umfrage in den drei Stadtteilen zwar viele Rückmeldungen brachte, jedoch von den anwesenden Personen an diesem Abend keiner davon im Vorfeld es mitbekommen hat. „Wir haben diese Online-Umfrage u.a. als Postwurfsendung mit einen Flyer kundgetan“, so Frederik Hoogen und Anika Scherenberg von den „Energielenkern“. Auch gab es eine Pressemitteilung, die an die Stuttgarter Zeitungen und Magazine weitergegeben wurde. Auch im Amtsblatt war die Umfrage angekündigt, ebenso auf der Webseite Stuttgart.de und den offizellen Socialmedia-Kanälen. Dass ein persönliches Anschreiben, wie im Falle dieses Abends, mehr Resonanz bringt, zeigt der komplett gefüllte Sitzungssaal des Weilimdorfer Bezirksamtes.

„Bürgerworkshop Energiewende“ für Bergheim, Wolfbusch und Giebel im BezirksamtBevor in die Ideensammlung und Diskussionsrunde gestartet wurde, legten Hoogen und Scherenberg die Bestandsaufnahme für Weilimdorf offen: Der Energieverbrauch der privaten Haushalte für Strom und Heizung liegt bei knapp 130.000 Megawattstunden im Jahr, die Gewerbebetriebe verbrauchen etwas mehr als 30.000 Megawattstunden im Jahr, den geringsten Anteil mit gerade mal niedrigen vierstelligen Verbrauchsbereich haben die öffentlichen Gebäude der Stadtverwaltung. Als Hauptenergieträger wird in Weilimdorf Erdgas genutzt (62 Prozent), des weiteren 8 Prozent Erdöl, 22 Prozent sind Strom (davon 3 Prozent sog. „Heizstrom“), 5 Prozent der Energie stammt aus Biomasse, 2 Prozent aus Umweltwärme und 1 Prozent wird aus Wärmepumpenstrom gewonnen. So entstehen rund 50.000 Tonnen CO2 pro Jahr in Weilimdorf  davon entfallen rund 19.000 Tonnen auf die privaten Haushalte, knapp 3.000 Tonnen auf das Gewerbe – und um die 27.000 Tonnen auf die Mobilität (Verkehr mit Auto, Bus und Schwertransport). Auf dieser Berechnungsgrundlage ergibt sich eine Pro-Kopf-Emission von 4,5 Tonnen Kohlendioxid pro Jahr für Weilimdorf, hinzu kommen die persönlichen Verbräuche für Ernährung und Konsum.

Da in Wolfbusch, Bergheim und Giebel mehr als 70 Prozent aller Häuser vor 1978 errichtet wurden  – und es bis zu diesem Zeitpunkt keine Wärmeschutzverordnung gab, ist das Einsparpotential hier am größten. Zwar wurde rund ein Viertel dieser Altbauten seit 1995 saniert, doch brutto ergibt sich pro Jahr gerade mal eine Sanierungsrate von einem Prozent – „da muss mehr gehen“, so Schwermann, Hoogen und Scherenberg ergänzend. Schwerpunkt soll hier die energetische Gebäudesanierung der alten Häuser sein, da hier mit neu isolierten Außenwänden schnell mehr als 50 Prozent Energie eingespart werden können, mit neuen Dächern immerhin noch rund 10 Prozent. Neue Fenster bringen in der Regel ein Einsparpotential von ca. 20 bis 25 Prozent. Im weiteren Zuge bzw. auf neueren Häusern soll die Anbringung von Photovoltaik- und Solaranlage forciert werden, um Warmwasser aus Sonnenkraft zu gewinnen – und Strom möglichst zum überwiegenden Teil zu produzieren. Bergheim und Wolfbusch haben hier im überwiegenden Maße sehr gut ausgerichtete Dachflächen: die meisten Häuser sind in West-Ost-Richtung erstellt und verfügen so über Süddächer. 

Im Zuge der Diskussion zeigte sich, dass bei vielen Hausbesitzern der Wille zur Sanierung, vor allem aber zur Installation von PV- und Solaranlagen da ist. „Allein: die Handwerksfirmen sind überlastet bzw. ausgelastet, vergeben kaum Termine oder in weiter Zukunft. Und wenn sie doch mal Zeit haben, können sie nicht liefern oder die Lieferzeit beträgt Monate oder gar mehr als zwei Jahre!“, so die resignierende Aussage einer Weilimdorferin. Auch berichteten einige Teilnehmer des Abends davon, dass sie keine größeren Anlagen installieren dürfen, auch wenn die Dachflächen zur Verfügung stehe – die aktuelle Gesetzeslage verhindert es, da sie mehr auf den Schutz der „Monopolisten“ und Großenergieversorger optimiert ist. „Wir sind eine Hauseigentümergemeinschaft, wir wollten 2019 rund 400 Quadratmeter Dachfläche den Stadtwerken zur Verfügung stellen. Doch statt eines Angebotes kam eine Absage, dass wir kein wirkliches Interesse hätten. Dabei lag die Zusage von unserer Seite doch vor!“, ergänzte ein Weilimdorfer frustriert – und übergab Schwermann, Hoogen und Scherenberg die entsprechenden Unterlagen als Nachweis.

Neben den energetischen Sanierungsproblemen und -Aussichten ist der Verkehr vor allem in Wolfbusch ein Problem. Die Nahversorgung ist gering ausgebaut, der öffentliche Nahverkehr zu wenig. Zwar bieten die Gewerbetreibenden von Weilimdorf speziell für den Wolfbusch den „Ortsbus“ an, doch dieser fährt zu wenig – und zudem mit Diesel. Ein Vorschlag aus den Reihen der Teilnehmer war, dass die Stadt hier mit einsteigt und einen E-Bus zur Verfügung stellt. Als großes Verkehrsproblem wird zudem der Durchgangsverkehr durch den Wolfbusch angesehen – und das P&R Verhalten der Menschen aus den umliegenden Gemeinden, die vor allem in Bergheim die Anwohnerparkplätze an den Werktagen ganztags belegen, da an der Haltestelle Giebel die günstige Innenstadtzone beginnt.

Hoogen und Scherenberg nahmen sehr viele Ideen, Anmerkungen und Vorschläge an diesem Abend auf. Weitere werden auch in den kommenden Wochen per Mail an hoogen@energielenker.de sowie Daniel.Schwermann@stuttgart.de noch angenommen. Die „Phase A“ soll nach einer Abschlussveranstaltung für Bergheim, Giebel und Wolfbusch im Frühjahr 2023 enden. Die Umsetzung des Konzeptes wird im weiteren Verlauf der Konzeptentwicklung geprüft.

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