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Der Bildungsgutschein – Qualifizierungsmaßnahme der Bundesagentur für Arbeit

(PM) Lebenslanges Lernen ist eine Phrase, die einem inzwischen fast täglich begegnet. Sei es im Job, in den Medien oder einfach, weil man selbst bemerkt, dass einem bestimmtes Fachwissen fehlt. Wie Weiterbildung vom Staat unterstützt und finanziert wird? Beispielsweise mit dem Bildungsgutschein.

Was ist der Bildungsgutschein?

Ein Gutschein ist immer irgendwie so ein Notlösungsgeschenk, wenn einem sonst nichts mehr einfällt. Dies ist beim Bildungsgutschein glücklicherweise komplett anders. Denn er ist nicht an einen Geldbetrag gebunden, wie wir Gutscheine von Buchhändlern oder Onlineanbietern kennen, sondern an ein Produkt, in dem Falle an ein Bildungsziel.

Der Gutschein wird auf Antrag von der Bundesagentur für Arbeit ausgegeben. Beantragen können ihn Arbeitslose, aber auch von Arbeitslosigkeit bedrohte Personen. Der Bildungsgutschein definiert ein bestimmtes Bildungsziel und kann von kleineren Fortbildungen bis hin zu Studiengängen eingesetzt werden. Der Vorteil für den Inhaber liegt darin, dass er sich nach seinen eigenen Kriterien einen Bildungsanbieter aussuchen kann. Ob dieser nah am Wohnort sein muss, das Bildungsziel in einer kurzen Seminardauer erreicht werden kann oder orts- und zeitunabhängiges Lernen ermöglicht, sind individuelle Ansprüche, nach denen Bildungsinteressierte entscheiden, wo sie den Gutschein einlösen.

Wichtig: Der Bildungsgutschein ist zeitlich befristet und muss vor Ablauf beim Träger eingereicht werden, das bedeutet auch, dass die Bildungsmaßnahme vor dem letzten Gültigkeitstag beginnen muss.

Von Arbeitslosigkeit bedroht – was bedeutet das?

Ist dies eine Floskel im besten Amtsdeutsch oder wie begründet jemand, dass er von Arbeitslosigkeit bedroht ist? Auf die Praxis übertragen können Arbeitnehmende, die beispielsweise in der Erziehungszeit sind und anschließend aufgrund der veränderten Familiensituation nicht mehr bei ihrem Arbeitgeber eingesetzt werden können (weite Wege, Arbeitszeiten die  nicht mit der Kita harmonieren, rasante Entwicklungen im fachlichen Bereich und fehlendes Fachwissen), hierzu zählen. Ebenso Menschen die bereits die Kündigung erhalten haben, aber aufgrund einer sehr langen Kündigungsfrist noch eine gewisse Zeit im Unternehmen sind oder nach Unfall bzw. Krankheit nicht mehr in der Lage sind, ihrer Arbeit nachzugehen.

Fehlende Fachkenntnis kann auch ein Mitarbeiter feststellen, der einen Arbeitsvertrag hat. Dass dieser Kenntnismangel früher oder später zur Arbeitslosigkeit führen kann, muss im Antrag entsprechend gut begründet sein, dann können auch Arbeitnehmer so einen Bildungsgutschein bekommen.

Weitere Gründe für drohende Arbeitslosigkeit können sein:

  • Umzug eines Arbeitnehmers
  • Schließung oder Standortverlagerung eines Unternehmens
  • Modernisierung und Digitalisierung in Unternehmen
  • drohende psychische Erkrankung durch Stress, Unterforderung oder Mobbing

Antragstellung – wie ist der Ablauf?

Für den Bildungsgutschein gibt es kein Antragsformular. Hier kann ein formloser Antrag, eigentlich sogar mündlich gestellt werden. Es wird jedoch dazu geraten, den Antrag schriftlich aufzusetzen und gleich gute Begründungen anzuführen, warum der Bildungsgutschein und das angestrebte Bildungsziel eine Arbeitslosigkeit vermeiden oder beenden können.

Um den Antrag zu formulieren reichen die Begründungen als Stichpunkte. Je besser sie untermauert werden können, desto eher sind die Entscheider geneigt, den Bildungsgutschein zu gewähren. So können bei gesundheitlichen Problemen direkt Befunde beigelegt und ggf. auch behandelnde Ärzte von der Schweigepflicht entbunden werden. Gibt es schon einen konkreten Bildungswunsch und ein zeitnahes Startdatum, so helfen die Anhänge, schnelle Entscheidungen zu treffen.

Wichtig: Eine Anmeldung zu einer Bildungsmaßnahme, sollte immer erst nach der Antragstellung erfolgen, im Idealfall sogar erst nach der Bewilligung, denn Bildungsgutscheine dürfen nur ausgestellt werden, wenn die Antragstellung vor der Anmeldung erfolgt ist. Wer dies nicht beachtet, kann ggf. auf den Kosten sitzen bleiben.

Hilfe beim Antrag leisten oft die Bildungsträger selbst. Sie sind durchaus interessiert daran, Kunden mit Bildungsgutschein zu gewinnen und oft haben sie bereits Satzbausteine für verschiedene Voraussetzungen, die sie als Muster aushändigen oder den Antrag mit diesen direkt selbst schreiben.

Das Bildungsziel muss im Antrag ebenfalls konkret definiert werden.

Bildungsziel finden

Das Bildungsziel zu finden und zu definieren, ist mitunter gar nicht so leicht. Helfen können hier die Stellenangebote, die einem interessant erscheinen und die Kenntnisse verlangen, die der Interessent nicht mitbringt. Möglicherweise gibt es einen Wunscharbeitgeber vor Ort, der konkrete Stellenangebote hat. Aus denen können ebenfalls Themen für Bildungsmaßnahmen entnommen werden.

Auf der Webseite der Arbeitsagentur gibt es den Link zum Kursnet – dort sind Bildungsmaßnahmen aufgelistet und es ist sogar möglich, sich nur Angebote anzeigen zu lassen, die mittels Bildungsgutschein förderbar sind. Hier kann nach Stichworten, aber auch anhand von Berufen oder Branchen nach Weiterbildungen gesucht werden.

In vielen Bildungsinteressierten gibt es den Wunsch nach konkreten Fortbildungen. Nun ist der Bildungsgutschein grundsätzlich nicht als Wunscherfüller vorgesehen, doch mit der richtigen Begründung, können Wünsche auch durchaus wahr werden. Daher macht es auch durchaus Sinn, sich seinen Bildungswunsch als Grundlage zu nehmen und zu schauen wo und von wem es Angebote hierfür gibt. Gerade bei Studiengängen an Fernakademien finden sich interessante Angebote, die oft auch berufsbegleitend zu absolvieren sind.

Wichtig: Der Interessent ist nicht verpflichtet das günstigste Angebot zu dem Bildungsziel zu wählen. Die Preise variieren oft auch gar nicht so stark, wenn doch so sind die Seminarzeiten oft komfortabler oder auch zusätzliche Inhalte angeboten.

Abrechnung – so funktioniert es

Mit der Abrechnung des Bildungsgutscheins hat der Inhaber nicht mehr viel zu tun. Der Gutschein wird an den Bildungsträger ausgehändigt, der ihn nach Maßnahmenbeginn bei der Agentur für Arbeit einreicht und die Maßnahme bezahlt bekommt. Mit der Ausstellung des Gutscheins verpflichtet sich der Antragsteller allerdings, die Bildungsmaßnahme erfolgreich zu absolvieren. Insofern kann es bei Abbrüchen, die aus Sicht der Arbeitsagentur nicht akzeptiert werden, sein, dass hier Erstattungsansprüche geltend gemacht werden. Als akzeptable Gründe gelten, Krankheit, Arbeitsaufnahme oder Umzug, wobei letzteres natürlich nur für Präsenzseminare relevant ist.

Der Vorteil des Bildungsgutscheins ist, dass mit Beginn des Seminars, die Kosten gedeckt sind. Für Träger bedeutet dies, dass sie Seminare nicht aufgrund von Teilnehmerschwund nach Abbrüchen beenden müssen und für Teilnehmende, dass sie das Seminar auch dann beenden können, wenn sie wieder arbeiten gehen oder eben noch gar nicht arbeitslos sind. Bildungsträger bieten immer häufiger berufsbegleitende Zeitmodelle an oder ermöglichen in Webinaren die ortsunabhängige Teilnahme.

Gut zu wissen: Bildungsträger unterliegen einer Zertifizierungspflicht durch AZAV. Das beinhaltet, dass Maßnahmen arbeitsmarktrelevant sein müssen und Träger die Teilnehmenden bei der Arbeitssuche unterstützen sollen. Die Anbieter sehen sich daher in der Pflicht, Hilfe bei Bewerbungen zu geben und ein Netzwerk aufzubauen, das gute Vermittlungserfolge ermöglicht. Denn das Image der Träger in den Arbeitsagenturen bestimmt auch über die Vergabe von Bildungsgutscheinen, wenn Interessenten sich für konkrete Maßnahmen entschieden haben und dies im Antrag kommunizieren.

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