(SST) Der Zeitpunkt für den Aufstieg der Weilimdorfer Ringer beginnt wahrscheinlich im Moment der größten Niederlage: Ein rasanter Aufstieg, denn vor knapp 20 Jahren stand der Verein noch vor dem endgültigen Aus.
Im Jahr 2007 stieg die SG Weilimdorf aus der Verbandsliga in die Landesliga ab. Als Tabellenletzter, ohne einen einzigen Sieg, mit gerade einmal zwei Unentschieden! Ein Kampf gegen Saisonende wurde mit der größtmöglichen Punktzahl 40:0 für den Gegner gewertet, da nur 8 der erforderlichen 10 Ringer aufgestellt wurden, weil schlicht keine da waren in der passenden Gewichtsklasse. Ein Tiefpunkt der Vereinsgeschichte, der danach schonungslos analysiert wurde.
Der Kader war damals quantitativ und qualitativ zu dünn besetzt und wurde durch Verletzungspech weiter dezimiert. Und noch ein weiteres, langfristiges Problem war schnell ausgemacht, weiß Stephan Fauser, ehemaliger SGW-Ringer und Kenner der Weilimdorfer Ringerszene: „Wir hatten damals fast keine Jugendlichen im Training.“
Man baute das Jugendtraining daher komplett neu auf. Unterteilte das Training in verschiedene Alters- und Leistungsgruppen und erhöhte die Traineranzahl. Zeitgleich meldete man eine zweite Mannschaft an, um den Talenten mehr Einsatzzeiten zu geben ohne sie in einer höheren Liga zu „verheizen“.
Trotz des Abstiegs konnten die erfolgreichen jungen Ringer gehalten werden. Kevin Strecker und Stefan Vogt blieben der Mannschaft beispielsweise trotz höherklassigen Angeboten treu. Gleichzeitig verstärkte man gezielt die erste Mannschaft, der in der Saison 2008 auch prompt der sofortige Wiederaufstieg gelang.
In der Folge gab es auch die ersten vereinzelten guten Turnierplatzierungen im Jugendbereich. Das beförderte den Ehrgeiz der Schüler und Jugendlichen und lockte weitere Talente an. Man konnte sogar erstmals wieder eine Jugendmannschaft stellen.
In der Saison 2010 entwickelt sich an der Tabellenspitze ein Zweikampf zwischen dem SV Dürbheim mit teilweise blutjungen Sportlern und der SG Weilimdorf mit ihren erfahreneren Ringern, die meisten davon zu diesem Zeitpunkt über 30 Jahre alt. An Allerheiligen kommt es zum Showdown zwischen den Teams mit dem besseren Ende für die Weilimdorfer! Etliche Akteure, die damals auf der Matte standen, haben heute wichtige Funktionen in der Abteilung wie Freistil-Trainer Behar Rohleder, Jugendtrainer Kevin Strecker und Feim Gashi, Pressesprecher Stefan Stiber, der sportliche Leiter Markus Laible oder Abteilungsleiter Stefan Vogt. Sie alle bekommen heute noch funkelnde Augen, wenn sie von diesem siegreichen Moment erzählen. Ebenso ihren Anteil an dieser erfolgreichen Saison hatten der heutige technische Leiter Andreas Werft, Jugendtrainer Daniel Möbius und Abteilungs-Vize Michael Berner.
Am Ende steht der Aufstieg in die Oberliga und damit gleich die nächsten Sorgen bei den Verantwortlichen. Viele der Sportler haben aufgrund des Alters eher an das eigene Karriereende gedacht als an die sportliche Herausforderung in einer höheren Liga. Der Kader sei schlicht zu alt für die Oberliga und für die Talente der zweiten Mannschaft noch zu ambitioniert meinten die Kritiker.
Stephan Fauser erinnert sich: „Ich machte mich damals für die Oberliga stark und fand mit Gerhard Grohs, damals Vorstand vom Förderverein für Ringkampfsport in Weilimdorf (FRW) einen Unterstützer.“ Der sportliche Leiter Markus Laible sagt rückblickend: „Uns älteren Sportlern war klar, was das bedeutet: weiter durchhalten, bis man uns nach und nach durch jüngere Eigengewächse ersetzen kann.“ Die Taktik früh (aber nicht zu früh) auf eigene Talente zu setzen, wurde bis heute nicht geändert. Und auch das Trainergespann mit Kemal Demir und Behar Rohleder stehen für diese Kontinuität, seit 2010 sind sie ununterbrochen im Einsatz.
Die Trainer und sportlichen Leiter haben dabei immer ein gutes Gespür, wann der geeignete Zeitpunkt gekommen ist, um ein Talent in der ersten Mannschaft einzubauen. Das führt auch dazu, dass viele Weilimdorfer Kämpfer trotz ihres jungen Alters enorme Kampferfahrung und dadurch eine unglaubliche mentale Stärke mitbringen. Bei entscheidenden Kämpfen in vollen Hallen, womöglich noch das gegnerische Publikum gegen sich, all das beeindruckt die SGW Ringer in der Regel nicht.
Man startete als „Abstiegskandidat Nummer 1“ in die Oberliga, hielt dann aber doch die Klasse. Von da an landete man eigentlich immer im Mittelfeld und schaffte es Jahr für Jahr dem Abstiegskampf fernzubleiben. Zwischenzeitlich wuchsen die Talente heran – glücklicherweise hatten einige Söhne aus dem Aktivenkreis auch das entsprechende Alter erreicht. Bei Deutschen Meisterschaften wurden zwischen 2015 und 2021 durch 18 verschiedene Sportler unglaubliche 34 Medaillen gewonnen.
Die Mitgliederzahl hat sich seit dem Abstieg mehr als verdreifacht. Immer wieder betonen die Verantwortlichen, dass auch das Team „abseits der Matte“ immer mehr Aufgaben übernommen hat, um den Ablauf stetig zu verbessern. Auch wenn dieses Team über die Jahre ebenfalls gewachsen ist, freuen sich die Weilimdorfer Ringer natürlich trotzdem über jede zusätzliche helfende Hand, um den Abteilungsbetrieb aufrecht zu erhalten.
2019 wurde man als Mannschaft Vizemeister und hat erstmals am Aufstieg geschnuppert. Dementsprechend hoch war die Motivation auf den Meistertitel 2020. Doch es kam anders: wegen Corona fand keine Saison statt. Zu Beginn von 2021 war das größte Talent der SGW Lucas Lazogianis nicht mehr in der Oberliga zu halten. Der Punktegarant wechselte in die Bundesliga. Auch 2021 wurde coronabedingt nur die Vorrunde gerungen. Man war zwar ordentlich gestartet, befand sich aber zum Zeitpunkt des Saisonabbruchs im Tabellen-Mittelfeld.
Der Aufstieg in die Regionalliga gelang dann etwas überraschend bereits ein Jahr später. Die jungen Sportler – größtenteils damals zwischen 18 und 23 Jahre alt – zeigten allesamt Spitzenleistungen und Csaba Vida als „Star“ der Mannschaft blieb unbesiegt. Ausschlagend war aber auch die ausgeglichene Teamstärke. Verletzte oder kranke Sportler konnten immer wieder gut ersetzt werden.
Stephan Fauser berichtet auch hier, dass im Vorfeld diskutiert wurde, ob der Schritt in die Regionalliga überhaupt Sinn macht. Rein wirtschaftlich sicher nicht: weitere Fahrten zu Auswärtskämpfen, keine Lokalderbys mehr und das höhere Leistungsniveau in der Regionalliga wurden immer wieder diskutiert. Doch wie schon vor 12 Jahren, vertritt er den Standpunkt, dass die Sportler auf der Matte die Geschichte der Abteilung mit ihren Leistungen bestimmen. Die Funktionäre müssen die Rahmenbedingungen für diesen weiteren Schritt schaffen. Und gute Talente auszubilden, nur um sie an andere höherklassige Vereine zu verlieren, macht natürlich auch keinen Sinn.
Welches Potential in der jungen Mannschaft steckt zeigte sich bereits in der ersten Regionalligasaison, die man sensationell mit dem Meistertitel abschließen konnte. Damals machte man aber noch nicht vom Ausstiegsrecht Gebrauch.
In der Saison 2025 wiederholte man dann das Kunststück mit einer ähnlichen Mannschaft. Csaba Vida als Punktegarant sowie die Brüderpaare Lukas und Paul Laible, Florian und Felix Bohn. Dazu Anton Buchholz und sein jüngerer Bruder Konrad, der ebenfalls an Einsätzen in der ersten Mannschaft schnuppert.
Nun ist also die Entscheidung gefallen den Sprung ins Oberhaus zu wagen. Die Überlegungen sind wie bei jedem bisherigen Aufstieg dieselben: sind wir den zu erwartenden sportlichen, organisatorischen und finanziellen Herausforderungen gewachsen? Die Antwort dazu werden wir wohl erst am Ende diesen Jahres erfahren.


