Christoph 41 Landstuhler Straße Copyright Andreas Rometsch

Ein eiserner Engel auf dem Kirchparkplatz

(ARO) Nicht in der Kirche „Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage“ selbst, sondern auf dem kircheigenen Parkplatz an der Landstuhler Straße, sorgte am Abend des 29.6.2022 ein eiserner Engel für Aufsehen.

Statt einem Flügelpaar auf dem Rücken und einem weißen Gewand trug dieser ganz spezielle Himmelsbote aus Stahl und Glas einen vierblättrigen Rotor und ein rot-weiße Warnlackierung.

Wie seine 88 über ganz Deutschland verteilten Engelskollegen hört auch er auf dem Namen Christoph, genauer gesagt Christoph 41, so der Funkrufname des in Leonberg stationierten Rettungshubschraubers (RTH) der DRF Flugrettung.

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Namenspatron für alle in Deutschland eingesetzten Rettungshelikopter ist der heilige Christophorus, einer der 14 Nothelfer. Er gilt als der Schutzheilige der Reisenden und Fahrzeugführer. Da die Rettungshubschrauber in ihren Anfangszeiten in den späten 1960iger-Jahren vorrangig bei Verkehrsunfällen zum Einsatz kamen, wurde daher dieser Name ausgewählt.

Heutzutage hat sich das Einsatzspektrum deutlich gewandelt. Bei rund der Hälfte der Einsätze liegt ein internistischer Notfall vor, nur etwa jede zehnte Alarmierung hat einen Verkehrsunfall als Einsatzgrund.

Christoph 41 Landstuhler Straße Copyright Andreas RometschDer Einsatz eines Rettungshubschraubers ist daher auch nicht, wie oft vermutet, mit einem besonders spektakulären oder besonders „schlimmen“ Einsatzgeschehen verbunden. Er wird in seinem primären Einsatzbereich, meist 50-70 Kilometer um seinen Standort herum, als „ganz normaler“ Notarztzubringer eingesetzt, insbesondere wenn kein bodengebundener Notarzt den Einsatzort zeitnah erreichen kann.

So kam es auch dazu, dass am Mittwochabend der RTH vom Typ Eurocopter EC 135 mit laut dröhnenden Turbinen mitten im „Pfälzer Wohngebiet“ zur Landung ansetzte. In einer der angrenzenden Querstraßen hatte sich im häuslichen Bereich ein medizinischer Notfall ereignet, zu dessen Versorgung ein Notarzt und ein Rettungswagen benötigt wurden.

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Da auf Grund mehrerer Paralleleinsätze weder ein Notarzteinsatzfahrzeug noch ein Rettungswagen in der näheren Umgebung zur Verfügung standen, alarmierte die Integrierte Leitstelle Stuttgart den Hubschrauber aus Leonberg, einen Kommandowagen und ein Löschfahrzeug der Feuerbacher Berufsfeuerwache und den nächsten freien Rettungswagen.

Da jeder Angehörige der Berufsfeuerwehr mindestens Rettungssanitäter ist und die Hilfeleistungslöschfahrzeuge (HLF) mit Notfallrucksäcken bestückt sind, können die zehn HLF der Berufsfeuerwehr jederzeit adäquate Hilfe bis zum Eintreffen eines Rettungswagens leisten.

Der ebenfalls alarmierte Kommandowagen übernahm den Transport der Notärztin und des Notfallsanitäters vom Landeplatz zum Notallort.

Während sich die medizinische Besatzung vor Ort um den Patienten kümmerte, sorgte der am Hubschrauber verbliebene Pilot dafür, dass keiner der zahlreichen inzwischen eingetroffen Zuschauer dem Hubschrauber zu Nahe kam. Die Besatzungen der Rettungshubschrauber sind es gewohnt, dass ihre Einsätze bzw. Landungen großes Aufsehen erregen, allerdings sollte es beim „Sehen“ bleiben. Die Technik eines RTH ist sehr komplex und empfindlich, von daher gilt: „Anschauen ja, anlangen nein“.

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Nachdem die Notärztin den Patienten stabilisieren konnte, übergab sie ihn dem inzwischen eingetroffenen Rettungswagen zum Transport in ein Krankenhaus, eine ärztliche Begleitung war glücklicherweise nicht notwendig.

Der Kommandowagen brachte daher die beiden Besatzungsmitglieder zurück zu ihrem rot-weißen Rettungshelikopter.

Nach einem kurzen Abschiedsgruß des Rettungsteams in Richtung der Zuschauer hob der Eurocopter vom Kirchenparkplatz ab, wenige Sekunden später erinnerte nur noch das von den Bäumen gewehte Laub an die rund halbstündige Anwesenheit des eisernen Engel Christoph 41 in Weilimdorf.

Bilder: Andreas Rometsch

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