Infoabend Pforzheimer Straße Copyright Andreas Rometsch

Informations- und Diskussionsveranstaltung “Neugestaltung Pforzheimer Straße”

(ARO) Am Dienstag, dem 14. Februar 2023, fand um 19 Uhr für interessierte Anrainer eine virtuelle Informations- und Diskussionsrunde zum Thema “Neugestaltung Pforzheimer Straße” statt.

Eingeladen dazu hatte die Landeshauptstadt Stuttgart, vertreten durch das Amt für Stadtplanung und Wohnen mit den Abteilungen „Stadtentwicklung“ und „Verkehrsplanung, Stadtgestaltung“. Neben mehreren Vertretern dieser beiden Fachabteilungen nahm auch ein Angehöriger des Garten‐, Friedhofs‐ und Forstamt am virtuellen Informationsabend teil.

Infoabend Pforzheimer Straße Copyright Andreas RometschAnmoderiert wurde die Veranstaltung durch die Weilimdorfer Bezirksvorsteherin Ulrike Zich. Sie begrüßte neben den Vertretern der städtischen Ämter, auch Mitglieder des Weilimdorfer Bezirksbeirates, die Vorstände von WeilAktiv sowie rund 50 interessierte Weilimdorfer, die entlang der Pforzheimer Straße wohnen oder dort ihr Geschäft führen.

Zu Beginn wurden die Teilnehmer über den aktuellen Sachstand des Projekts informiert.

Den ersten Projekt-Baustein bildete eine Verkehrsuntersuchung, zur verkehrlichen Leistungsfähigkeit des geplanten Kreisverkehrs Pforzheimer- mit der Solitudestraße, sowie für Tempo 20 bzw. 30 km/h im Umgestaltungsbereich der Pforzheimer Straße.

Infoabend Pforzheimer Straße Copyright Andreas RometschDen zweiten Baustein bildete eine Vorentwurfsplanung zur straßenräumlichen Umgestaltung der Pforzheimer Straße zwischen dem neuen Kreisverkehr an der Solitudestraße und dem Kreuzungsbereich mit der Mathildenstraße.

Die Pforzheimer Straße wurde dafür in drei Planungsbereiche aufgeteilt, von der Solitudestraße bis zur Köstlinstraße, der folgende Abschnitt bis zur Staigerstraße und abschließend der Bereich bis zur Mathildenstraße.  Darüber wurde auch schon auf der vergangenen Oktober-Sitzung des Bezirksbeirat Weilimdorf diskutiert (Weilimdorf.de berichtete).

Projektablauf zur Neugestaltung

Teil des Projekts ist auch ein Verkehrsgutachten zu den beiden Verkehrsknotenpunkten Solitude-/Pforzheimer/Rennstraße und Solitude-/Glemsgaustraße.  Zum Umgang des Verkehrsgutachtens gehörten folgende Leistungen:

  • Zählungen des KFZ-, Rad- und Fußgängerverkehrs am Löwenmarkt
  • Durchführung einer Mikrosimulation für die beiden oben aufgeführten Knotenpunkte
  • Nachweis der Leistungsfähigkeit der geplanten Verkehrsführung
  • Vorschläge für eine Leistungsfähigkeitsverbesserung oder Alternativen im Fall von Problemen im Zusammenspiel der beiden Knotenpunkte
  • Darstellung der Auswirkungen von Geschwindigkeitsreduzierungen in den Zufahrten (der Knotenpunkte) auf 30 km/h (Bereiche Pforzheimer Straße, Glemsgau- und Solitudestraße) bzw. alternativ 20 km/h in der Pforzheimer Straße

Infoabend Pforzheimer Straße Copyright Andreas RometschAuftakttermin für die Erstellung des Gutachtens war bereits im Juni 2022, die Zwischenergebnisse werden noch für das 1. Quartal 2023, die Abschlusspräsentation im 2. Quartal 2023 erwartet. Die Ergebnisse des Verkehrsgutachtens werden dann auch dem Weilimdorfer Bezirksbeirat vorgestellt. Anschließend erfolgt eine Zusammenführung der beiden Bausteine, der Ergebnisse der Verkehrsuntersuchung und des Vorentwurfs der Umgestaltung zu einer Entscheidung welche Variante der (neuen) Verkehrsführung ausgewählt wird. Diese Entscheidung wird im Anschluss an das Tiefbauamt übermittelt, damit dieses die Planungen für die Umgestaltungsmaßnahmen vertieft.

Drei Varianten liegen vor

Neben dieser ausführlichen Einführung in das Projekt “Neugestaltung Pforzheimer Straße”, stellten die Mitarbeiter des Amts für Stadtplanung und Wohnen an diesem Abend auch die drei zur Auswahl stehenden Varianten der Umgestaltung vor.

Die Variante 1 sieht vor, dass auf dem rund 300 Meter langen Teilstück zwischen der Mathildenstraße und der Köstlinstraße Tempo 20 eingeführt, auf dem restlichen Abschnitt bis zum Kreisverkehr Solitudestraße dann Tempo 30. Ziel dieser Variante ist es, den Radverkehr auf die Straße zu führen, die Trennwirkung der Fahrbahn der Pforzheimer Straße zu reduzieren und die Querungsmöglichkeit zu verbessern. Eine der Folgen dieser Variante wären ein teilweiser Wegfall der vorhandenen Parkplötze entlang der Straße.

Infoabend Pforzheimer Straße Copyright Andreas RometschBei der zweiten zur Auswahl stehenden Variante würde der Bereich, in dem Tempo 20 gilt, sich auf den Abschnitt zwischen Köstlin- und Staigerstraße beschränken. Auf den beiden seitlichen Abschnitten wäre dann 30 km/h zulässig.  Die Ziele und Folgen dieser Variation würden weitgehend der Variante 1 entsprechen, lediglich die Verbesserung der Querung würde sich auf den angesprochenen mittleren Straßenbereich beschränken.

Die dritte Variante der geplanten neuen Verkehrsführung würde lediglich auf dem gesamten Bereich zwischen Solitude- und Mathildenstraße eine Verminderung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit auf 30km/h vorsehen. Die vorhandenen Parkplätze würden bei dieser Ausführung in vollem Umfang bestehen bleiben.

Die aktuelle und die geplante Parkplatzanzahl wurden auf einer separaten Folie vorgestellt. Zurzeit stehen im Abschnitt 1 (Solitudestraße-Köstlinstraße) drei, im Abschnitt 2 (Köstlinstraße-Staigerstraße) fünfzehn und im Abschnitt 3 (Staigerstraße-Mathildenstraße) nochmals vierunddreißig, in Summe also 52 öffentliche Parkplätze zur Verfügung. Sollte eine der beiden ersten Bauvarianten umgesetzt werden, hätte dies zur Folge, dass in den Abschnitten 2 und 3 jeweils etwa 30 bis 50 Prozent der derzeitigen Parkplätze entfallen.

Rege Online-Diskussion nach der Variantenvorstellung

Nachdem von den Mitarbeitern der Stadtverwaltung die Planung und die Gestaltungsmöglichkeiten vorgestellt worden waren, bestand die für die Teilnehmer der Veranstaltung die Möglichkeit Stellung zu nehmen und Fragen zu stellen. Von diesem Angebot wurde sogleich rege Gebrauch gemacht.

Von mehreren Teilnehmern wurde begrüßt, dass die Geschwindigkeit in der Pforzheimer Straße auf (höchstens) 30 km/h begrenzt werden soll. Einzelne Kommentatoren sprachen davon, dass derzeit in den Nachtstunden einzelne Fahrzeuge mit Geschwindigkeiten weit jenseits der aktuell zulässigen 50 km/hfahren würden. Die Vertreter der Stadt merkten dazu an, dass dies auch ein Problem der Überwachung sei.

Infoabend Pforzheimer Straße Copyright Andreas RometschAuf die Anregung, die Fahrbahn mit „Bremsschwellen“ zu versehen, um „Raser“ auszubremsen, reagierten die Vertreter der städtischen Ämter verhalten. Diese Schwellen würden zusätzlichen Lärm beim Überfahren verursachen, außerdem müsse man Rücksicht auf Patienten in Rettungswagen nehmen. Die Verwendung von ebenfalls angesprochenen „Fahrbahnkissen“ würde man prüfen.

Ebenfalls mehrfach erwähnt wurde das unter dem Löwen-Markt gelegene Parkhaus. Die Zufahrt sei, insbesondere im Bereich der Rampe an der Eisdiele sehr schlecht ausgeschildert, daher würde diese Zufahrt kaum benutzt.

Es wurde ebenso angeregt, auch für die Plätze in der Tiefgarage eine „Brötchen-Taste“ anzubieten, analog zu den Parkplätzen entlang der Pforzheimer Straße. Hier wurde seitens der Stadt zugesichert die Beschilderung der Zufahrten zu überprüfen. Die „Brötchen-Taste“ wäre zwar sinnvoll, da die Parkgarage aber privat betrieben werde, habe die Stadt darauf keinen Einfluss.

Infoabend Pforzheimer Straße Copyright Andreas Rometsch

Ein weiterer Teilnehmer der Veranstaltung stellte die Frage, ob eine vierte Variante, die bei einer Sitzung mit dem Bezirksbeirat vorgeschlagen wurde, inzwischen überprüft worden sei. Bei dieser Version wäre die Staigerstraße mit in das Konzept einbezogen und der Verkehr würde ringförmig durch die Staiger-, Solitude- und Pforzheimer Straße als Einbahnverkehr um den Löwen-Markt geführt werden. Nach Angaben der Vertreter der Stadt wurde diese Variante bisher nicht weiter verfolgt, da sie auf Grund der Enge der Staigerstraße und der vielen Hofeinfahrten als problematisch angesehen wird. Man könne aber überlegen, ob diese Variante mittels einer Simulation auf ihre grundsätzliche Machbarkeit überprüft werden kann.

WeilAktiv plädiert für den Erhalt aller Parkplätze

Der nächste Punkt betraf wieder das Thema Parkplätze. Von mehreren Teilnehmern, auch von der Vorstandschaft von WeilAktiv, wurde eindringlich darauf hingewiesen, dass die aktuelle Zahl der verfügbaren Stellplätze unbedingt erhalten werden müsse. Dies sei von enormer Wichtigkeit für die Attraktivität der Pforzheimer Straße und des Löwen-Marktes. Die Geschäfte und Betriebe seien darauf angewiesen, dass ihre Kunden eine Parkmöglichkeit in der Nähe vorfinden. Die Tiefgarage sei für kleine Besorgungen nicht geeignet und unattraktiv, da die Ausgänge nur in das Ladenzentrum münden würden und kein direkter Zugang zur Pforzheimer Straße vorhanden sei. Als negatives Beispiel wurde die Unterländer Straße im benachbarten Zuffenhausen angeführt. Diese sei, was Handel und Gewerbe angehe, nach ihrem Umbau „tot“.

Infoabend Pforzheimer Straße Copyright Andreas RometschAuf den nächsten Problempunkt in Sachen Parkplätze bezog sich auch der nächste Kommentator. Er befürchtete, dass bei einer Verringerung der Stellplätze der Parkplatzsuchverkehr in die angrenzenden, engen Seitenstraßen ausweiche. Diese wären dafür nicht ausgelegt und das Problem würde nur verlagert. Dass die Seitenstraßen keinen zusätzlichen Verkehr aufnehmen können, habe sich deutlich gezeigt, als die B295 im Rahmen der Brückensanierung gesperrt war und etliche Verkehrsteilnehmer versucht hätten die hoffnungslos verstopfte Pforzheimer Straße zu umgehen.

Auch das Thema Fahrradverkehr wurde angesprochen. Es wurde angemerkt, dass zwar inzwischen sehr viele Bügel installiert worden wären, an denen das Fahrrad gesichert werden könne. Diese würden aber nicht benutzt und stattdessen das Zweirad direkt vor das Geschäft gestellt. So würde der verfügbare Platz für Fußgänger unnötig eingeengt, obwohl die Gehwege prinzipiell breit genug wären. Eine weitere Kommentatorin wies darauf hin, dass bei der Installation der Bügel auch daran gedacht werden solle, dass immer mehr Lasten-Fahrräder und Fahrrad-Anhänger in Gebrauch seien. Diese benötigten mehr Stellfläche und mehr Abstand zwischen den Bügeln.

Infoabend Pforzheimer Straße Copyright Andreas RometschNachdem gegen 20:50 Uhr keine weiteren Wortmeldungen anstanden, schlossen die Mitarbeiter des Amts für Stadtplanung und Wohnen die virtuelle Versammlung. Sie dankten allen Teilnehmern für die angenehme und konstruktive Diskussion.  Zuvor erklärten sie, dass nur eine deutliche Umstrukturierung der Pforzheimer Straße zu einer Qualitätssteigerung und Verbesserung der derzeitigen Situation führen wird, ein einfaches „Facelift“ reiche dafür nicht aus.

Fotos: Andreas Rometsch

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