Bundesweite Aktion aus Anlass der Vollversammlung der Bischöfe: Thesenanschlag auch an der Tür von St. Theresia. Foto: Uwe Tommasi

Maria 2.0: Thesen an der Kirchentür von St. Theresia angeschlagen

(tom). Vergangenes Wochenende haben die Frauen der Maria 2.0-Gruppe aus Stuttgart Nordwest an der Kirchentür von St. Theresia in Weilimdorf sieben Thesen angeschlagen.

Mit einem „Thesenanschlag 2.0“ an der Kirchentüre von St. Theresia beteiligten sich am vergangenen Wochenende die Maria 2.0-Gruppe aus Stuttgart Nordwest an einer bundesweiten Aktion. Die Reformbewegung Maria 2.0 hat damit einmal mehr auf Missstände in der katholischen Kirche hingewiesen und ihre Forderungen nach Reformen hin zu einer zukunftsfähigen Kirche unterstrichen. „Der Zeitpunkt des Thesenanschlags  war bewusst gewählt“, erklärt Theresia Matthes, Gemeindereferentin von St. Theresia. Am darauffolgenden Dienstag begann die virtuelle Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz.

Angeschlagen an die Eingangstür der Kirche wurden sieben Thesen mit denen die Bewegung eine geschlechtergerechte Kirche mit Zugang für alle Menschen zu allen Ämtern, sowie Aufklärung, Verfolgung und Bekämpfung der Ursachen von sexualisierter Gewalt anmahnt. Darüber hinaus wird eine wertschätzende Haltung gegenüber selbstbestimmter, achtsamer Sexualität eingefordert sowie die Aufhebung des Pflichtzölibats.

Thesenanschlag auch an der Tür von St. Theresia. Foto: Uwe Tommasi
Thesenanschlag auch an der Tür von St. Theresia. Foto: Uwe Tommasi

Der Thesenanschlag erfolgte bundesweit. In der Diözese Rottenburg-Stuttgart wurden sie an rund 50 Kirchentüren angeschlagen. Am Rottenburger Dom genauso wie an der Stuttgarter Domkirche St. Eberhard und an den Kirchentüren von St. Josef in Feuerbach und von St. Theresia in Weilimdorf.

Maria 2.0 ist eine von Frauen in der römisch-katholischen Kirche in Deutschland ausgehende Initiative, die im Mai 2019 erstmals eine Aktionswoche initiiert hat. In dieser Aktionswoche haben die Initiatorinnen alle Frauen aufgerufen, in einen Kirchenstreik zu treten. „Wir betreten keine Kirche mehr und tun keinen Dienst. Vor den Kirchen werden wir Gottesdienst feiern und unsere Klagen und Forderungen  nachdrücklich und kreativ zum Ausdruck bringen“, hieß es in dem Aufruf. Die Initiatorinnen regten an, weiße Kleidungsstücke, Tücher, Blüten und Kerzen bei den Aktionen zu verwenden. Weiß als Farbe „des Mitgefühls, der Trauer und des Neubeginns“ schaffe ein gemeinsames Erscheinungsbild.

Es begann mit einem Lesekreis

Angefangen hat übrigens alles Anfang des Jahres 2019 mit einem Lesekreis. Menschen aus der Gemeinde Heilig Kreuz in Münster haben gemeinsam Abschnitt für Abschnitt das Evangelii gaudium (das erste Apostolische Schreiben von Papst Franziskus) gelesen und darüber gesprochen. Meist nur Frauen und meistens auch nicht sehr viele. „An einem Abend war dann alles etwas anders“, ist auf der Webseite der Bewegung Maria 2.0 nachzulesen. Und weiter: „Wir haben darüber gesprochen, wie sehr uns die aktuelle Situation in der Kirche beschäftigt.

Wie schwierig es manchmal ist, Menschen, die fern der Kirche stehen, zu erklären, warum man überhaupt noch dabei ist, bei all dem Grauen, das da in den letzten Jahren immer und immer wieder und immer mehr zu Tage getreten ist und tritt und wie sehr uns der Umgang der meisten Amtsinhaber mit den Tätern, den Mittätern und den Opfern entsetzt. Dass seit Jahren die immer gleichen Fragen diskutiert werden und dass trotz der allseits beteuerten Reformbereitschaft die Abschaffung bestehender männerbündischer Machtstrukturen nicht in Sicht ist“.

Für die Teilnehmer*innen des Lesekreises war schnell klar, dass ein stillschweigender Austritt für sie keine Option ist. Sie wollten stattdessen, für sich und für ihre Kinder und Enkelkinder kämpfen. Kämpfen für einen Weg, der es ihnen und auch den nachfolgenden Generationen nicht nur erträglich macht, sondern sogar Freude, in dieser Kirche zu bleiben. „Schnell war uns klar: Wir müssen nicht nur klagen, sondern handeln und Maria 2.0 war geboren“, heißt es auf der Webseite weiter.

Thesen 2.0 - An alle Menschen, die guten Willens sind
Thesen 2.0 – An alle Menschen, die guten Willens sind

Freie Initiative

Maria 2.0 ist keine Gruppe einer bestimmten Gemeinde, sondern eine freie Initiative von Frauen, ie von Anfang an darauf gehofft und gesetzt haben, dass sich viele Frauen in Deutschland, und gerne auch darüber hinaus, ihrer Initiative anschließen.

Mit einem Offenen Brief an Papst Franziskus ging es los. Diesen Brief, inklusive der bis zu diesem Zeitpunkt online und auf Papier eingegangenen 42.349 Unterschriften, haben die Initiatorinnen am 25. Oktober 2019 dem Apostolischen Nuntius in Berlin, Erzbischof Dr. Nikola Eterovic, übergeben und bislang keine Antwort erhalten (Stand: 21. November 2020).

Deshalb aufzugeben ist für die Maria 2.0-Gruppe keine Option. Unterstützung erhält die Bewegung von der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschland und dem Katholischen Deutschen Frauenbund. Auch römisch-katholische Pfarrer äußern Zustimmung für die Anliegen von Maria 2.0. Franz-Josef Bode, Bischof von Osnabrück und Vorsitzender der Unterkommission Frauen der Pastoralkommission der Deutschen Bischofskonferenz, begrüßte die Aktion und Matthias Kopp, Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz erklärt, dass es Veränderungen geben müsse und dazu ein Dialog notwendig sei – „aber Streiks sind da nicht das richtige Mittel“.

Der ersten Aktion von Maria 2.0 im Mai 2019 folgten inzwischen weitere, zuletzt der Thesenanschlag an den Kirchen am vergangenen Wochenende. JedenMai und  jeden Oktober soll es auch weiterhin Aktionszeiträume geben.

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