Monitoring belegt Ausbreitung der Tigermücke in Stuttgart-Weilimdorf – Anwohnerinnen und Anwohner aufgerufen, Brutstätten zu beseitigen. Foto: © Norbert Becker, LHS

Monitoring belegt Ausbreitung der Tigermücke in Weilimdorf

(LHS) Was aufgrund von Meldungen aus der Bevölkerung zu befürchten war, hat sich nun bestätigt: Die Asiatische Tigermücke ist auch in Stuttgart angekommen. Der erste Zwischenbericht über das Monitoring im Stadtbezirk Weilimdorf zeigt, dass sich der unliebsame Gast nun auch im direkt an Korntal-Münchingen angrenzenden Gebiet auf Stuttgarter Gemarkung ausbreitet.

Das teilt das Gesundheitsamt der Stadt mit und ruft dazu auf, mögliche Brutstätten trockenzulegen. Dies sei gerade bei hohen Temperaturen nach Regenfällen wichtig, weil sich die Mücken dann besonders stark vermehren können.

Bei den Kontrollen der für das Monitoring in diesem Jahr aufgestellten Ablagefallen konnte durch Zählung der Eier der Tigermücke (Aedes albopictus) ein kompletter Befall im Siedlungsgebiet zwischen der Grenze zu Korntal-Münchingen und der Mähdachwiese nachgewiesen werden. Dieser Fund hatte sich mit Blick auf die im Nachbarkreis schon etablierten Tigermücken abgezeichnet. Die nachgewiesenen Funde beschränken sich auf einen Bereich von einigen hundert Metern südlich der Stadtgrenze zu Korntal-Münchingen. Weitere Vorkommen sind nicht auszuschließen. Die Fachleute gehen davon aus, dass der aktuelle Befall von dort aus sowohl nach Osten als auch nach Westen hin abnimmt.

Aufruf zum Mitmachen

Monitoring belegt Ausbreitung der Tigermücke in Stuttgart-Weilimdorf – Anwohnerinnen und Anwohner aufgerufen, Brutstätten zu beseitigen. Foto: © Norbert Becker, LHS
Typische Brutstätten der Tigermücke sind zum Beispiel stehendes Wasser in Eimern, Gießkannen, Topfuntersetzern, Autoreifen, aber auch Vogeltränken, Trinknäpfe für Haustiere und vieles mehr. Foto: Norbert Becker, LHS

„Mit dem jetzt bestätigten Nachweis der Asiatischen Tigermücke werden Bekämpfungsmaßnahmen, die eine weitere Ausbreitung verhindern, umso dringlicher“, sagt Andreas Schmied-Arendt, stellvertretender Sachgebietsleiter für Trinkwasser- und Umwelthygiene. „Deshalb gilt es, für die Tigermücke geeignete Brutplätze zu vermeiden. Hierfür ist es entscheidend, dass die Bürgerinnen und Bürger einige Grundregeln beherzigen.“ So sollten sie selbst kleine Wasseransammlungen, die sonst mehr als fünf Tage bestehen bleiben, entfernen oder gar nicht erst entstehen lassen. Typische Brutstätten der Tigermücke sind zum Beispiel stehendes Wasser in Eimern, Gießkannen, Topfuntersetzern, Autoreifen, aber auch Vogeltränken, Trinknäpfe für Haustiere und vieles mehr. Die Letzteren gilt es, regelmäßig auszuleeren beziehungsweise das Wasser häufig auszutauschen. Offene, nicht abgedichtete Regentonnen und Ähnliches können sogar als Massenbrutstätten fungieren. Diese Gefäße sollten möglichst vollständig abgedichtet werden. Hierbei ist Sorgfalt nötig, denn Tigermücken sind nur vier bis neun Millimeter groß.

Immer lästig – selten gefährlich

Aktuell besteht noch kein Grund zur Sorge vor Infektionserkrankungen. Die Tigermücke an sich ist derzeit nicht gefährlicher als eine landläufige heimische Stechmücke, aber sehr lästig, weil sie bevorzugt tagsüber sticht und ein sehr aggressives Anflug- und Stechverhalten aufweist.

Vorsicht ist dennoch geboten, weil die Tigermücke tropische Krankheiten übertragen kann – allerdings nur, wenn sie vorher eine erkrankte Person gestochen hat. Das wäre etwa dann denkbar, wenn sie bei einem infizierten Reiserückkehrer Blut saugt und die Infektion dann zu anderen Menschen weiterträgt. Es ist daher wichtig, die Ausbreitung der Tigermücken einzugrenzen, damit ein Zusammentreffen dieser Ereignisse möglichst unwahrscheinlich bleibt.

Deshalb ist besonders die Mitwirkung der Bürgerschaft von zentraler Bedeutung. Um eine Ausbreitung der Mücke in Stuttgart Weilimdorf einzudämmen, bittet die Stadtverwaltung die Anwohnerschaft, in Gärten, auf Terrassen, Balkonen und anderen Privatgrundstücken unnötige – auch sehr kleine – Wasseransammlungen zu vermeiden. Denn so können die Vermehrung im betroffenen Gebiet und auch eine Verbreitung auf andere Teile Stuttgarts eingeschränkt werden.

Das Gesundheitsamt bittet alle Stuttgarterinnen und Stuttgarter darum, verdächtige Stechmücken mit einem Foto unter https://tigermuecke-icybac.de/melden oder report@icybac.de zu melden. Diesem Bürgermonitoring kommt eine erhebliche Bedeutung zu, weil hierdurch die Monitoring- und Bekämpfungsmaßnahmen gesteuert und angepasst werden können.

Antworten auf häufige Fragen

Die Landeshauptstadt Stuttgart setzt das Monitoring im betroffenen Gebiet fort und gibt nähere Informationen zur Tigermücke und der Vermeidung von Brutstätten:

Wie wird das Vorkommen der Tigermücke nachgewiesen?

Im Vorjahr wurde die Asiatische Tigermücke bereits in Korntal-Münchingen durch Überwachungsmaßnahmen entdeckt. Um das Ausmaß der Verschleppung nach Weilimdorf zu bestimmen, wurden im Grenzbereich diesen Sommer vermehrt Fallen für die Asiatische Tigermücke ausgebracht. Die Fallen bestehen aus einem schwarzen Plastikbehälter, der Wasser zum Anlocken der eiablagebereiten Weibchen enthält sowie einen Holzstab zur Eiablage.

Warum wird die Tigermücke bekämpft?

Diese asiatische Stechmücke kann potentiell ein erheblicher Lästling sein, aber auch unter Umständen tropische Krankheitserreger wie Dengue-, Chikungunya- und Zika- Viren übertragen. Dieses Risiko ist zwar hierzulande noch sehr gering und bei einem Stich besteht daher aktuell kein Grund zur Sorge. Doch die Gefahr kann mit steigenden Temperaturen zunehmen, wenn dadurch die Verbreitung der Mücken und tropischer Krankheitserreger wächst. Zudem kann eine massenhafte Vermehrung durch ihr tagaktives und aggressives Stechverhalten den Aufenthalt im Freien stark beinträchtigen.

Welche Stuttgarter Stadtteile sind bisher betroffen?

Die nachgewiesenen Funde beschränken sich auf einen Bereich von einigen hundert Metern südlich entlang der Stadtgrenze zu Korntal-Münchingen. Weitere Vorkommen können aber nicht ausgeschlossen werden. Verdächtige Stechmücken sollten mit einem Foto unter https://tigermuecke-icybac.de/ melden oder report@icybac.de gemeldet werden. Ebenso kann man sie an die Stadtverwaltung per umwelthygiene@stuttgart.de melden. Dadurch können möglicherweise vorhandene weitere Vorkommen festgestellt und frühzeitig Gegenmaßnahmen in die Wege geleitet werden.

Wo lebt die Tigermücke?

Tigermücken brüten meist im Siedlungsgebiet in kleinsten Wasseransammlungen, zum Beispiel in Regentonnen, Eimern, Gießkannen, Blumentöpfen, Untersetzern, Schirmständern, Gullys, verstopften Regenrinnen oder Autoreifen. Die Eier überstehen Trockenheit und auch kalte Winter. Belebte Gartenteiche und Tümpel sind keine Brutstätten. In Vogel- und Igeltränken können sich Tigermücken nicht entwickeln, wenn das Wasser alle fünf Tage ausgewechselt wird. Die ersten Larven kann man bereits im April finden, besonders zahlreich sind sie bei mangelnder Bekämpfung im Hochsommer.

Was können Bürgerinnen und Bürger tun?

Vermeiden Sie Wasseransammlungen, die mehr als fünf Tage stehen bleiben könnten! Entleeren Sie das Wasser regelmäßig und decken Sie Regentonnen lückenlos ab! Dabei ist zu beachten, dass die Mücke mit nur vier bis neun Millimetern sehr klein ist.
Wie sieht die Asiatische Tigermücke aus?

Die Asiatische Tigermücke ist weitgehend schwarz gefärbt mit weißem Muster und zwischen vier und neun Millimeter groß. Besonders auffällig sind die fünf weißen Streifen an den Hinterbeinen. Dabei ist das Ende der Hinterbeine weiß gefärbt. Am Rücken des Vorderkörpers lässt sich ein weißer Längsstreifen erkennen. Achten Sie auch auf weitere typische Anzeichen wie zum Beispiel die Stechbelästigung am Tag und melden Sie verdächtige Stechmücken immer mit einem Foto sowie dem genauen Fundort!

Bild oben mittig: Die Tigermücke ist durch weiße Muster auf ihrem schwarzen Körper zu erkennen. Auffällig sind die fünf weißen Streifen an den Hinterbeinen und der Längsstrich auf dem Rücken. Foto: Norbert Becker, Rechte: LHS.

Bild 2: Als Brutstätten kommen für Tigermücken alle Gefäße in Betracht, in den sich Wasser sammelt und mehr als fünf Tage stehen bleibt. Foto: Norbert Becker, Rechte: LHS.

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