(RED) Auf dem Grüner Heiner ist ein neues Kapitel der Energiewende in Aussicht: Die bestehende Windkraftanlage aus dem Jahr 1999/2000 wird im Zuge eines sogenannten „Repowerings“ durch eine moderne, deutlich leistungsstärkere Anlage ersetzt.
Ziel ist es, bei gleicher Standortnutzung mehr Strom zu erzeugen und so einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz in Stuttgart zu leisten.
Das bisherige Windrad, das über viele Jahre hinweg ein vertrautes Bild auf der Anhöhe zwischen Weilimdorf und Korntal geprägt hat, ist leistungstechnisch an seine Grenzen gestoßen, da hat auch die Sanierung 2020 nicht viel dran ändern können. Im Rahmen des Repowerings wird es daher durch ein neues Modell ersetzt, das nicht nur effizienter arbeitet, sondern auch mit größeren Rotorblättern und höherer Nennleistung ausgestattet ist. Dadurch kann die Stromproduktion erheblich gesteigert werden – bei gleichzeitig verbesserter Netzstabilität. Die mittlere Leistung steigt entsprechend von ca. 0,6 Megawatt auf 4,2 Megawatt, statt ca. 270 Haushalte sollen es dann ca. 2.500 Haushalte sein, die mit Windstrom vom Heiner versorgt werden.
In einer nichtöffentlichen „Sitzung“ des Bezirksabeirat am 26. März 2026 – diesmal statt im Sitzungssaal des Bezirksamt am Löwen-Markt als Außentermin am Grünen Heiner – wurden die Vertreter aller Fraktionen von Wilfried Haas vom Betreiber GEDEA Ingelheim und Peter Drausnigg als Vorsitzender Aufsichtsrat von den Stuttgart Netzen vor Ort über das Repowering-Projekt ausführlich informiert, was mit einem strammen Fußmarsch vom Parkplatz auf der Nordseite des Grünen Heiner bis zur Plattform am bestehenden Windrad begann.
Die beiden Verantwortlichen betonten bei den Infostopps beim Aufstieg wie auf der Kuppe unter dem Windrad, dass die neue modernere Anlagen trotz ihrer Größe (die Rotorenblätter werden einen Durchmesser von 69 Meter haben, die Gesamthöhe der Anlage steigt von 68 auf 150 Meter) leiser und naturverträglicher sind als ihr derzeitiger Vorgänger. Auch Aspekte wie Schattenwurf und Vogelschutz wurden im Vorfeld umfassend geprüft, für Fledermäuse am Heiner wird das Windrad für deren erforschte Flugzeiten dann sogar abgeschaltet. Da dies vornehmlich abends bwz. bei Dunkelheit wie Windstille oder Windarmut sein wird, ist noch nicht einmal von einem Windenergieertragsverlust auszugehen.
Für viele Bürgerinnen und Bürger vor Ort ist das Projekt ein sichtbares Zeichen für den Wandel hin zu erneuerbaren Energien – auch wenn der Austausch der Anlage vorübergehend mit Baustellenverkehr und Einschränkungen verbunden ist. Bei den Stuttgart Netzen, so Peter Drausnigg, haben bereits Unternehmen aus dem Gewerbegebiet angefragt, ob der Strom zukünftig auch direkt genutzt werden könne: „Doch alle Leitungen gehen auf die Nordseite, wir müssten erst neue Leitungen komplett über den Berg hinüber legen. Und am Ende wollen mehr angeschlossen werden als versorgt werden können. Deshalb wird dies wohl nicht durchgeführt und angeboten werden können“, erklärte er.
Das neue Windrad soll zwischen Autobahn und Heiner auf einem Acker nördlich des Bauernhof Ritz vormontiert – und die Teile anschließend aufrecht über die Auffahrt auf den Heiner transportiert werden. So müssen bei den Büschen und Bäumen nur Zweige entfernt werden und nichts gerodet werden. Die Kuppe des Heiner wird um fünf Meter „geschliffen“, um eine größere Standfläche zu bekommen. Die Aussichtsplattform wird während der Bauarbeiten eingelagert und anschließend wieder montiert. Der für den Bau notwendige Schotter wird anschließend wieder entfernt und die Kuppe begrünt. Die vorhandenen Versorgungskabel zur Stromeinspeisung auf der Nordseite sollen nach Prüfung weitergenutzt werden: „Diese werden umfassend geprüft und getestet“, so Wilfried Haas.
Die Stadt Stuttgart sieht zudem im Repowering einen wichtigen Baustein ihrer Klimastrategie. Gerade der exponierte wie stadtrandnahe Standort des Grünen Heiner bieten großes Potenzial, bestehende Infrastruktur effizient weiterzuentwickeln, ohne neue Flächen erschließen zu müssen. Dies wurde auf der Sitzung des Sitzung des „Ausschusses für Klima und Umwelt“ des Stuttgarter Gemeinderates am Freitag, 27. März 2026, im Rathaus in Stuttgart bei der Vorstellung der aktuellen Fakten durch die GEDEA und Stadtwerke zur Beantragung des Planfeststellungsverfahrens nochmals betont. Für das zweite Halbjahr 2026 ist in Weilimdorf zudem eine Bürgerinfo geplant, auch wird geprüft, ob es eine finanzielle Beteiligung durch Privatpersonen am neuen Windrad geben kann und wird – z.B. mit einer Beteiligung am Ertrag bzw. Gewinn. Laufende Informationen zum Projekt finden sich auf der dafür eigens eingerichteten Webseite www.gruenerheiner.de.
Mit der Inbetriebnahme der neuen Anlage, die mit neun Monaten Bauzeit in 2028 geplant ist, wird der Grüne Heiner einmal mehr zu einem Symbol für Fortschritt und Nachhaltigkeit in der Region. Der windige Außentermin des Bezirksbeirat hatte eindrücklich bewiesen, welche ökologische Stromleistung hier möglich ist wenn „der Wind bläst“. Schon nach gut 15 Minuten Präsentation auf der exponiert liegenden Aussichtsplattform schlossen Haas und Drausnigg die Führung zähneklappernd mit den Worten: „In Anbetracht der Windverhältnisse…“.
Berichterstattungen auf weilimdorf.de zum Repwoering siehe u.a. auch:
- https://www.weilimdorf.de/nachricht/voraussichtlich-ende-2027-hat-weilimdorf-ein-neues-windrad/ (2025)
- https://www.weilimdorf.de/nachricht/regenerativ-und-leistungsstark-windenergieanlage-gruener-heiner-soll-erneuert-werden/ (2022)
- https://www.weilimdorf.de/nachricht/windrad-am-heiner-soll-weiterhin-strom-liefern/ (2020)


