Orgelnacht in Stephanus – Musikkultur der besonderen Art

(TOM) Die Gäste der achten Orgelnacht in Stephanus erlebten vergangenen Freitag einen Musikabend der besonderen Art –  geistliche und weltliche Musikstücke aus verschiedenen Stilrichtungen von Klassik über Romantik bis hin zum Jazz.

Zur achten Orgelnacht in der Stephanus-Kirche mit Jack Day (Orgel), Annemone Jensen (Gesang), Richard Detlef Jensen (Saxophon) und Stephan Mattlinger (Schlagzeug) konnte Pfarrerin Annegret Oette über 90 Besucherinnen und Besucher begrüßen. In ihrer kurzen Andacht schlug sie einen Bogen von den Glocken der Stephanus-Kirche bis hin zu der vielfältigen Musik der Orgelnacht. Die Glocke – ein Schlag – ein Klang, auch der Herzschlag eines Menschen, lebendig jeden Tag aufs Neue – bei jedem Menschen auf ganz individuelle Weise. Ein Schlag – ein Klang sei auch der Stoff aus dem Musik gemacht werde – werde Rhythmus, werden Töne zu Melodien – mal sehnsuchtsvoll, mal träumerisch, ganz individuell, wie der Herzschlag eines Menschen. „Jedes Stück klingt anders.“ Der heutige Abend biete eine bunte Mischung aus Klassik, Romantik bis hin zum Jazz, aus geistlicher und weltlicher Musik, eine Mischung so bunt wie das Leben, so Oette. Der Organist des Abends, Jack Day sei von 2005 bis 2007 in der Gemeinde als Kirchenmusiker unterwegs gewesen. Für den heutigen Abend sei er wieder zurückgekehrt, so Oette weiter. „Genießen Sie die Musik, die von Herzen kommt, Musik, die hoffentlich Ihre Herzen bewegt.“

Annemone Jensen begrüßte ebenfalls die Gäste der Orgelnacht. Jack Day habe die Gemeinde vor 14 Jahren verlassen. In den 14 Jahren habe er sich enorm weiterentwickelt, weltweit viele Konzerte gegeben. „Aber auch Stephanus hat sich in den 14 Jahren weiterentwickelt.“ Jensen schilderte den Besucherinnen und Besuchern eine kleine Anekdote, bei der ihr Mann Richard Detlef Jensen mit seiner Schulklasse die Stephanus-Kirche besucht und Jack Day beim Üben an der Stephanus-Orgel angetroffen habe. Auf seine Bitte hin, habe Jack Day nach kurzem Bedenken den Schülerinnen und Schülern gezeigt, was die Orgel für Möglichkeiten biete. „Dies wollen wir heute mit unserer Musik fortsetzen – nur hier, an diesem Ort und nur heute .“

Das Programm startete fulminant mit einigen Orgel-Improvisationen, mit denen Jack Day den Gäs­ten gleich zu Beginn die breiten Möglichkeiten der Orgel vorführte. Die Klangvielfalt unterstrich die von Pfarrerin Annegret Oette zu Beginn gemachten Ausführungen. Den Improvisationen folgte mit „Petite Fleur“ ein Saxophon-Solo von Richard Detlef Jensen. Sidney Bechet, ein in New Orleans aufgewachsener Straßenmusiker hatte das Stück 1952 komponiert, bekannt wurde der Song allerdings erst durch die Chris Barber’s Jazz-Band sieben Jahre später. Von „Petite Fleur“ gibt es über 30 Ausführungen. Mit „An den Wassern zu Babel“ von Anton Dvorak folgte die erste Gesangseinlage von Annemone Jensen, begleitet von Day an der Orgel. Dieses Vokalwerk ist eines der „Biblischen Lieder“ mit dem Luthertext des Psalms 137. Bei „I cant give you anything but love“ griff der Schlagzeuger Stephan Mattlinger in das musikalische Geschehen ein. Der von Jimmy Mc Hugh und Dorothy Fields 1928 komponiert Popsong entwickelte sich zum Jazzstandard. Ein Jahr später nahm Louis Amstrong das Stück in sein Repertoire auf.

Weiter ging es im Programm mit der „Fuge über Alain“op. 7 aus dem Jahr 1949 von Maurice Duruflé, gespielt von Jack Day an der Orgel. Der Pariser Organist Duruflé hatte das Stück im Andenken an den Komponisten und Organisten Jehan Alain verfasst, der 1940 29-jährig in den Kriegsjahren ums Leben kam.

Zum ersten Mal alle vier Künstler gemeinsam auf der „Musikbühne“ brachten mit „Autumn Leaves“ „herbstliche“ Stimmung in den „Konzertsaal“. „Autumn Leaves“, 1947 von dem Ungarn Joseph Cosma komponiert, ist der englische Titel des von Johnny Mercer aus dem Französischen übertragenen Chansons „Les Feuilles mortes“, das auf einem Gedicht von Jaques Prevers basiert. Das Gedicht handelt allerdings nicht von Jahreszeit, sondern von der Erinnerung an eine alte Liebesbeziehung. Johnny Mercer hatte den Text ins Englische übersetzt und dabei den Inhalt etwas verändert, so dass die Sehnsucht eines Verflossenen beschrieben wird, der sich angesichts des Herbstlaubs an das Liebesglück des Sommers erinnert. Die englische Version wurde zum Nummer-eins-Hit und ein Jazzstandard.

Mit „Black Orpheus“ brachten dann alle vier Künstler brasilianische Klänge in die Stephanus-Kirche. Das Original „Manha de Carnaval“ wurde 1959 von Luiz Bonfá und Antonio Maria als Bossa Nova für den Film „Orfeu Negro“ komponiert. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts hat es sich zum Jazzstandard entwickelt. Den brasilianischen Klängen folgte mit „Nocte surgentes“, der zweite Titel aus den „Vier Hymnen opus 54“ von Josef Gabriel Rheinsberger, vorgetragen von Anemone Jensen und Jack Day. Rheinsberger ist ein Repräsentant vielfältiger Stile von geistlicher und weltlicher Chormusik.

„Litanies“ ist das wohl bekanntest Orgelwerk von Jean Alain aus dem Jahr 1937 und wohl eines der beliebtesten Orgelstücke von Maurice Duruflé. Ein Zitat Alains lautet: „Ein Gebet ist keine Klage, sondern ein Tornado, der alles, was sich ihm in den Weg stellt, hinwegfegt“. In „berauschende Tance” versetzte Jack Day die Besucherinnen und Besucher mit seiner Darbietung des Orgelwerks. Weiter ging es im Programm mit „Gebet“, das von Hugo Wolf 1888 nach dem gleichnamigen Gedicht von Eduard Mörike komponiert wurde. Präsentiert wurde es in der Orgelnacht von Annemone Jensen und Jack Day.

Bevor es dann noch einmal beschwingt weiter ging es im Programm, zeigte Jack Day mit der „Fuge aus der Sonate Der 94. Psalm“ sein ganzes Können an der Stephanus-Orgel. Die Fuge zählt zu einem der großartigsten Orgelwerke der Romantik. Komponiert wurde sie von Julius Reubke 1956. Reubke war Schüler des Klaviervirtuosen Franz Liszt. Bei dem Werk kommt die ganze Klangtiefe und Vielfalt des Instruments zur Geltung.

Den Abschluss bildeten Jazzstandards wie „Fly me to the Moon“, der durch die Interpretationen von Frank Sinatra bekannt wurde, gespielt von Jack Day, Richtad Detlef Jensen, und Stephan Mattlinger. „I fell pretty“, dem wohl vielen aus dem Musical „West Side Story“ von Leonard Bernstein bekannten Song, dargeboten von allen vier Musikern folgte „On the Sunny Side of the Street“. Das Stück von Jimmy McHugh und Dorothy Fields 1930 komponiert, an der Orgelnacht gespielt von Jack Day, Richtad Detlef Jensen, und Stephan Mattlinger, hat zwei Jahre später Louis Armstrong in sein Repertoire übernommen.

Die Besucherinnen und Besucher der Orgelnacht genossen einen ganz besonderen Abend mit einem ganz außergewöhnlichen musikalischen Zusammenspiel von Kirchenorgel, Gesang, Saxophon und Schlagzeug, einen Mix aus geistlicher und weltlicher Musik. Sie dankten den Musikern mit lang anhaltendem Applaus für das tolle Konzert und die vielfältige Musikauswahl. Klar, dass eine Zugabe folgen musste, und die spielten die Musiker mit „Summertime“ aus der Oper Porgy and Bess von George Gershwin und noch einmal „Autumn Leaves“ als weiterer Zugabe gerne.

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