Planfeststellungsverfahren für Stadtbahnbetriebshof wird eingeleitet

In der Aprilsitzung des Weilimdorfer Bezirksbeirates war Dr. Volker Christiani, Leiter des Stabsbereichs Planung bei der SSB zu Gast. Christiani berichtete über den aktuellen Stand der Planungen zum Stadtbahnbetriebshof Nord.

Viele werden sich noch an die intensiven Diskussionen über die Standortvarianten für den Stadtbahnbetriebshof Nord und die Entscheidung für den Standort an der Gemarkungsgrenze zu Ditzingen erinnern. Im Rahmen einer Felderrundfahrt (siehe Titelfoto) stellte Chrisitani diesen Standort 2018 direkt vor Ort vor. Das Thema stand dann in zahlreichen weiteren Sitzungen auf der Tagesordnung. Jetzt war Christiani zu Gast im Gremium, um die Aktuelle Entwurfsplanung vorzustellen, die im ersten Quartal diesen Jahres abgeschlossen wurde. Nächster Schritt ist nach der Einbringung in den Ausschüssen der Beschluss der Entwurfsplanung durch den Gemeinderat und die Einleitung des Planfeststellungsverfahrens im Juli.

Mit dem Bau des Betriebshofs verbunden ist die Verlängerung der Stadtbahn U13 bis Hausen und Ditzingen Hülben. Die Neubaustrecke bis Hausen ist etwa 3.000 Meter lang bis Ditzingen-Hülben sind es weitere 1.800 Meter. Die zweigleisige Strecke erhält in Weilimdorf drei (Ditzinger Straße, Weilimdorf Bahnhof und Hausen) und in Ditzingen ebenfalls drei neue Haltestellen (Ditzingen Schuckertstraße, Ditzingen Süd und Ditzingen Hülben). Die Fahrzeiten sind laut Christiani vom Löwen-Markt bis Hausen sieben Minuten und bis Ditzingen Hülben 11 Minuten.

Der Stadtbahnbetriebshof besteht aus drei Gebäuden – einem Dienst- und Sozialgebäude, einer Wasch- und Wartungshalle sowie einer Abstellhalle mit Stellplätzen für 47 Stadtbahn-Doppeltriebwagen. Das gesamte Betriebshofgelände umfasst rund 4,8 Hektar. Die 18.600 Quadratmeter Dachfläche aller drei Gebäude wird begrünt und mit einer Photovoltaikanlage versehen. Diese Anlage, die in Kooperation mit den Stadtwerken Stuttgart gebaut werde, diene der Energieversorgung des Betriebshofs. Geheizt werd über Abwasserwärmetauscher die im Abwasserkanal Hausen installiert werden sowie über Wasser-Wasser-Wärmepumpen. Über die Energiezentrale im Betriebshof könne dann auch Hausen mit Energie versorgt werden. Als Energiespeicher seien unter der Bodenplatte der Abstellhalle sogenannte Plattenspeicher angedacht, die im Sommer „aufgeladen’ werden. Die Gespräche für diese Lösung seien bereits weit fortgeschritten. Zur Reinigung der Fahrzeuge und Bewässerung der Außenanlagen wird Regenwasser genutzt. Am südlichen Rand des Betriebsgeländes wird ein Hügel mit eine Höhe von maximal sechs Metern als Sicht- und Schallschutz in Richtung Hausen entstehen. Der Hügel, der bepflanzt wird, wird laut Christiani über einen öffentlichen Weg begehbar sein.

Zum Streckenverlauf erklärte der SSB-Chefplaner dass die Ausschleifung aus der Bestandsstrecke nach der Stadtbahnhaltestelle Rastatter Straße erfolgt. Im Bereich der Ausschleifung werde Gartengelände entfallen, weil dort auch ein Betriebsgebäude erstellt werden muss. Über eine Brücke in einer relativ offenen Galeriebauweise werde die Strecke dann auf einer Rampe runter zur Bundesstraße geführt, so Christiani. Über die Rampe wird auch das Betriebsgleis nach Gerlingen, das zum Aus- und Einrücken der Stadtbahn benötigt wird angedient. „Wir gehen dort möglichst wenig in die Landwirtschaftlichen Flächen hinein“, so Christiani. Auf den durch die Gleise ohnehin abgeschnittenen Flächen seien Ausgleichsmaßnahmen geplant.

An der Strecke entlang der Bundesstraße (sie verläuft Richtung Industriegebiet links der B295) werde die Böschung zu zwei Dritteln durch eine Natursteinblockmauer und zu einem Drittel mit sogenannten Bohrpfahlwänden gesichert die bepflanzt werden. Zwischen Straße und Bahngleis verlaufe lediglich ein kleiner Entwässerungsgraben. Entlang der Strecke auf der die Stadtbahn laut Christiani 80 km/h fahren kann, befinden sich zwei Feldwegbrücken. Beide Brücken müssen abgerissen werden. Die Brücke am Rennsträßle werde wie bisher mit einer nutzbaren Breite von fünf Metern neu gebaut, die an der Ditzinger Straße werde in Absprache mit den Landwirten 50 Zentrimeter breiter und dann über vier Meter nutzbare Breite verfügen. An der Brücke Ditzinger Straße werde auch der für den Betriebsfunk nötige 42 Meter hohe Funkmast samt Betriebsgebäude entstehen. Durch diesen Funkmast könne auf einen weiteren im Bereich von Hausen verzichtet werden.

Auf Höhe des landwirtschaftlichen Betriebs der Familie Ludmann müsse der Feldweg acht bis elf Meter Richtung Hofgelände verschoben werden. Dort reiche die Böschung nicht mehr aus um die Doppelgleisige Bahnstrecke unterzubringen. Vor der Großen Kreuzung Ditzinger-, Gerlinger Straße entstehe die neue Haltestelle Ditzinger Straße. Für die Signalsteuerung an diesem großen Knotenpunkt sei eine umfangreiche Simulation durchgeführt worden. Dank neuer Steuerung sei es dort gelungen bei der Ampelschaltung, den Status Quo auch für den Autoverkehr zu halten. Die Querung der Gleise sei dort ebenfalls durch Ampelschaltung gesichert. Jenseits der Gerlinger Straße wird eine Ausgleichsfläche mit Feldhecken entstehen. Durch den Streckenneubau und den Neubau des Betriebsgebäudes müssten rund 10.000 Quadratmeter Feldhecken entfernt und vor Ort wieder hergestellt werden.

Auf höhe der Kleingärten an der B295 müsse man wegen der dort nötigen Stützmauer etwas in der Gartenfläche eingreifen. In dem Bereich werde auch das Feldwegenetz in Absprache mit den Landwirten angepasst. Die Haltestelle Weilimdorf Bahnhof entstehe nach der Brücke ins Industriegebiet und werde mit einem Mittelbahnsteig versehen. Vom Bahnsteig gebe es einen direkten – überdachten Treppenzugang zu der Brücke. Der Barrierefreie Zugang zur Brücke werde über den Feldweg führen.

Nach der Haltestelle beginnen die Gleise in Richtung Betriebshof und es geht in einem großen Bogen am Betriebsgelände entlang auch weiter Richtung Haltestelle Hausen. Der Zugang von Hausen zur zur Haltestelle erfolgt über einen Weg entlang der SWSG-Gebäude und eventuell auch noch über einen Weg parallel zum Sportplatz des Jugendhauses. Bei der Scharfen kurve vor der Haltestelle sei auch eine Ausgleichsmaßnahme geplant. In Richtung Ditzingen geht die Strecke dann über die Steinröhre und das Schefzental und dann entlang der Autobahn weiter bis nach Ditzingen Hülben.

Christiani wies in seinem Vortrag weiter darauf hin, dass man während der Bauzeit auch Flächen für die Baustellenlogistik sowie als Material- und Bodenlager benötige. Dafür greife man auf Flächen zurück, die der Stadt gehören. Teilweise handelt es sich dabei auch um verpachtete landwirtschaftliche Flächen. Ferner berichtete der Chefplaner, dass es umfangreiche Kompensations- und Artenschutzmaßnahmen gebe.

Und auch einen Zeitplan hatte Christiani dabei. „Der ist allerdings mit Vorsicht zu genießen“, betonte er. Demnach könnte die Inbetriebnahme des Betriebshofs und der U13 nach Hausen Ende 2027 erfolgen, sofern der Planfeststellungsbeschluss und Zuwendungsbescheide bis Ende 2024 vorliegen. Die Inbetriebnahme der U13 bis Ditzingen könne dann Ende 2028 erfolgen.

Die neue Stadtbahnstrecke und der Betriebshof seien große Bauwerke die Weilimdorf auch für kommende Generationen prägen würden, hielt Bezirksvorsteherin Zich eingangs der Fragerunde fest. Wenn der Ausbau bis Ditzingen komme, sei das eine tolle Sache.

In der Diskussion lobte Annekatrin Essig (Bündnis 90/Grüne) die Planungen und insbesondere auch die vorgesehene Lösung zur Energieversorgung von der auch Hausen profitieren könne. An der Gerlinger Straße werde es durch die Planung auch Verbesserungen für den Radverkehr geben, lobte sie.

Stefan Gier (CDU) frage nach, ob es möglich sei, die PV-Anlage auf dem Betriebsgebäude auch mit der Bürgerenergie Sonne und Wind Stuttgart mit Sitz ein Weilimdorf betrieben werden könne. Chrisiani erklärte er werde die Idee an die Stadtwerke weiterleiten.

Mark Dürr (AfD) wollte zum einen Wissen ob bei der Wohnbebauung in Hausen kein Schallschutz vorgesehen sei, und ob es an den Haltestellen Abstellbügel für Fahrräder geben wird. Christiani erwiderte, dass Schallmessungen durchgeführt wurden. Wo nötig werde man entsprechende Maßnahmen durchführen. Radbügel seien noch nicht geplant, man nehme die Anregung aber auf.

Dr. Jörg Grunert (SPD) hakte an der Stelle noch einmal wegen dem Lärmschutz bei der Maria-Montessori Grundschule in Hausen nach. Dort hätten die Simulationen keine Überschreitung der Grenzwerte ergeben.

Peter Hanle (Die FrAKTION) lobte ebenfalls den Ansatz in Sachen Energieversorgung. Er wollte Wissen, ob die Feldwegbrücken nacheinander abgerissen würden und ob die Wirtschaftlichkeitsprüfung für die Weiterführung der Strecke nach Ditzingen gemacht wurde. Ferner wollte er wissen, welche Auswirkungen der Flächenverbrauch auf die Landwirtschaft habe. Die Brücken würden selbstverständlich nacheinander abgerissen und die Wirtschaftlichkeitsprüfung sei gemacht. Die Wirtschaftlichkeit wäre sogar größer, wenn die Strecke bis Ditzingen Bahnhof weitergeführt werde. Entsprechende Überlegungen gebe es auch bereits. Zu den Auswirkungen auf die Landwirtschaft erklärte der landwirtschaftliche Obmann, Konrad Ritz, dass man mit dem Wegfall der Flächen entlang der Strecke aber nicht mit den temporär benötigten Flächen gerechnet habe. Letztlich sei es so, dass sich die Landwirte Gedanken machen müssten wie es weitergeht, wenn der Betrieb zu klein werde.

Dr. Eric Hoffmann (PULS) regte an, die Feldwege entlang der Hauptradroute 7 im Zuge der Arbeiten zu asphaltieren und zu prüfen ob der Funkmast nicht ein möglicher Standort für ein Taubenhaus sein könnte. Ein Taubenhaus könne er sich dort nicht vorstellen, erklärte Christiani, das Thema Radweg könne man sich anschauen.

lJürgen Raiser (FW) wollte wissen ob die Landwirte für den Ausfall auf den Flächen, die temporär als Zwischenlager genutzt werden entschädigt würden. Christiani und auch Bezirksvorsteherin
Zich verneinten dies. Für die Flächen würden die Pachtverträge gekündigt und dann gebe es keine Entschädigungen.

Dieter Benz (SPD) wollte schließlich noch wissen, wie es bei der Ausschleifung an der Haltestelle Rastatter Straße mit dem Thema Lärmschutz aussehe. „Da sind wir mit der Prüfung noch nicht ganz fertig. Wenn man unter den Vorgeschriebenen Grenzwerten bleibe werde es dort keine Lärmschutzmaßnahmen geben.

Bezirksvorsteherin Zich bedankte sich abschließend für die umfangreiche Berichterstattung und hielt fest, dass der Bezirksbeirat die Vorgestellte Entwurfsplanung wohlwollend zur Kenntnis nehme. (tom)

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