Energetische Sanierung Weilimdorf

Projekt Energetische Sanierung Weilimdorf-Süd gestartet

(tom) Die Energieabteilung des Amts für Umweltschutz hat zu einem Info-Abend zu energetischen Vorhaben im Süden Weilimdorfs eingeladen. Über 200 Interessierte nahmen teil.

Zur Vorstellung des Projekts „Energetische Sanierung Weilimdorf-Süd“, hatte die Stadt vergangene Woche zu einem Online-Infoabend eingeladen. Die Zahl der Interessierten war deutlich größer als von den Organisatoren erwartet. Wer sich fünf Minuten vor Beginn der Veranstaltung in die Videokonferenz einloggen wollte, sah sich mit der Information konfrontiert, dass die zulässige Zahl von 100 Teilnehmern überschritten ist. Die Organisatoren haben dann aber kurzfristig die Teilnehmerkapazität erhöht, so dass alle Interessierten an der Veranstaltung teilnehmen konnten.

Energieverbrauch reduzieren
Nach der Begrüßung durch Moderatorin Dr. Antje Grobe von Dialog Basis, führte Dr. Jürgen Görres, Abteilungsleiter Energiewirtschaft beim Amt für Umweltschutz der Stadt Stuttgart in das Thema ein. Die Stadt habe sich vor fünf Jahren auf den Weg gemacht bis 2050 klimaneutral zu sein, so Görres. Dafür wurde ein Energie- und Klimaschutzkonzept erarbeitert. Ganz oben stehe die Reduzierung des Energieverbrauchs. Nächster Schritt sei dann die Steigerung der Energieeffizienz und als dritter Schritt der Ausbau erneuerbarer Energien. Bei der Treibhausgas­-Emission sei das Ziel für 2020 eine Reduktion um 40 Prozent gegenüber 1990 gewesen. „Das Ziel haben wir schon 2019 erreicht“, so Görres.

Viele Förderprogramme
Handlungsfelder des Energie- und Klimaschutzkonzeptes seien die städtischen Liegenschaften, Gewerbe, Handel, Dienstleistung und Industrie, Gebäude und Wohnen, Mobilität, Energieleitplanung und -versorgung sowie Öffentlichkeitsarbeit. Im Fokus der Online-Veranstaltung würden die Gebäude und hier insbesondere deren Sanierung zu einem klimaneutralen Gebäude stehen. Um dies zu erreichen sei ein Thema der Austausch inneffizienter Geräte und Beleuchtungskörper, ferner die Dämmung und die Fenstersanierung und schließlich die Nutzung erneuerbarer Energien, gegebenenfalls auch über Fern- oder Nahwärme. In vielen der angesprochenen Themenbereiche gebe es Förderprogramme wie die Solaroffensive, das Energiesparprogramm, das Ölaustauschprogramm, das Kühlschranktauschprogramm oder auch die LED Tauschaktion.

Fokus-Gebiet Weilimdorf
In der Energieleitplanung gebe es in Stuttgart aktuell 56 Fokus-Gebiete, so Görres weiter. Eines davon liege im Süden Weilimdorfs – genauer im Bereich zwischen der B295 im Süden, der Goslarer Straße im Norden, der Solitudestraße im Westen und dem Schützenhausweg im Osten. Die Auswahl sei auf das Gebiet gefallen, weil es dort noch einen hohen Anteil an Gebäuden mit Ölheizungen gebe und Potenzial für ein Wärmenetz aufgrund der homogenen Struktur. Für das Gebiet habe man eine Förderung durch die KfW-Bank beantragt, erläutert Görres. Die Förderung laufe zunächst drei Jahre könne aber verlängert werden. Geplant seien für das Gebiet außerdem ein quartierspezifisches Angebot für die Finanzierung und Errichtung von Photovoltaikanlagen, die Begleitung von sogenannten „Leuchtturmprojekten“ zur energetischen Gebäudemodernisierung und die Gebäudethermografie von ausgewählten Referenzgebäuden.

Im Gebiet Pfaffenäcker gebe es eine hohes Wärmeversorgungspotential, erläuterte der Abteilungsleiter Energiewirtschaft. Im Wolfbusch gebe es noch viele Gebäude mit Ölheizung. Das ergebe zusammen ein hohes Energie-Einsparpotential. Die Wärmeversorgung könne über ein Nahwärmenetz erfolgen mit der Wolfbuschschule als zentralem Ort und Startpunkt. Von dort aus könne das Projekt weiter ausgebaut und irgendwann ganz Weilimdorf und das Gewerbegebiet einbezogen werden mit einer Heizzentrale „Grüner Heiner“ und einer Geothermie Heizzentrale im Bereich der B 295.

Hans Naujoks von den Stadtwerken Stuttgart, dem strategischen Partner bei diesem Projekt, erläuterte, dass geplant sei nach Pfingsten mit den Eigentümern vor Ort Gespräche zu führen. Der Wolfbusch sei ideal um mit dem Projekt zu starten. „Wir wollen – natürlich unter Einhaltung aller Corona-Vorschriften – vor Ort eine Fragebogenaktion durchführen und in diesem ers­ten Schritt auch klären, wie groß das Interesse ist. „Wir bitten hier jetzt schon um rege Beteiligung“, so Naujoks. Je mehr Beteiligte es gebe, desto leichter falle es maßgeschneiderte Lösungen zu finden. Man werde die Aktion im Wolfbusch starten, weil sich das Quartier, wie Görres bereits erwähnt hatte, sehr gut dafür eigne, dort ein Nahwärmenetz einzurichten. „Natürlich schauen wir schon von Anfang an über das Gebiet hinaus“, so Naujoks. Insbesondere auch in Richtung Industriegebiet, weil es dort ebenfalls großes Einsparpotential gebe.

Umfrage in Weilimdorf
Im Rahmen der Umfrage werde man zum einen erheben, ob es bereits Sanierungsbestrebungen gibt und dann auch gerne einen Blick in den Heizraum werfen. Zur Umsetzung einer Nahwärmeversorgung gebe es dann, wie Görres bereits erklärt habe, verschiedene Möglichkeiten vom Blockheizkraftwerk über Solarthermie und Windkraft bis zu Kraft-Wärme-Kopplung. Die erzeugte Energie könne in einem Wärmespeicher gespeichert oder, wenn überschüssige Energie vorhanden ist, auch zur Wasserstofferzeugung genutzt werden.

Der dritte Partner im Boot ist das Energieberatungs-Zentrum Stuttgart (EBZ). Das EBZ sei ein gemeinnütziger Verein, erklärte Geschäftsführer Ulrich König. „Wir beraten die Eigentümer bei der energetischen Sanierung ihrer Gebäude”, so König weiter. Mit dem Anschluss an ein Nahwärmenetz sei es nicht getan. Wer sich heute entschließe, an seinem Haus Sanierungsarbeiten durchzuführen, müsse das Thema Effizienzhaus im Auge haben. „Wer heute sein Dach saniert, muss das unbedingt zum Effizienzhaus passen“, macht König deutlich. Bei der Beratung setze das EBZ darauf, die vorhandenen Fördermöglichkeiten so gut wie möglich auszuschöpfen.

Energieoffensive
In der anschließenden Fragerunde meldete sich Torsten Tusche von der Energieoffensive Weilimdorf zu Wort. Die Energieoffensive habe die Idee für ein Quartierskonzept an die Stadt herangetragen. „Das Ergebnis sehen wir jetzt. Es freut uns, dass es vorangeht.“ Peter Hanle, ebenfalls in der Energieoffensive aktiv, schloss sich dem an und wünschte sich, dass die Sache zügig und möglichst umfangreich angegangen wird.

Immer wieder kam auch die Frage auf, ob man bei einer Sanierung gleich das gesamte Paket angehen müsse. Görres erklärte dazu, dass dies unabhängig möglich sei. Man könne sich in einem ersten Schritt an das Nahwärmenetz anschließen lassen und in weiteren Schritten dann das Haus nach und nach sanieren. „Wer eine Komplettsanierung in Angriff nimmt, bekommt aber mehr Fördermittel“, ergänzte König.

Zu der Frage, ob durch den Bau der Nahwärmeversorgung im Wolfbusch mit Baugruben zu rechnen sei, erklärte Naujoks, dies sei unumgänglich. Um die Leitungen zu verlegen, müsse aufgegraben werden. Pro Jahr könne man etwa einen Kilometer Versorgungsleitungen inklusive Hausanschlüssen legen.

Wie bereits erwähnt, werden die Berater nach den Pfingstferien mit ihrer Arbeit beginnen. Wer schon vorab Fragen hat, kann sich unter Telefon 216-88668 an Dr. Jürgen Görres oder unter 216-88673 an seine Mitarbeiterin Serena Oberecker, unter Telefon 0172/258 5464 an Hans Naujocks von den Stadtwerken und unter Telefon 615 6555 – 0 an das Energieberatungszentrum Stuttgart wenden.

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