(RED) Die Vorstände der Sportgemeinschaft Weilimdorf (SGW) Tino Lippmann und Daniel Nötzold, Vorsitzender des TSV Weilimdorf, haben im Bezirksbeirat einen Einblick in ihre Arbeit gegeben – und dabei sowohl ihre sportlichen Erfolge als auch die aktuellen Herausforderungen deutlich gemacht.
Die Sportgemeinschaft Weilimdorf (SGW), gegründet im Jahr 1890, zählt heute rund 1.550 Mitglieder in zwölf Abteilungen. Besonders hervorzuheben ist, so Lippmann einleitend zur Thematik im Bezirksbeirat, sei die große Vielfalt innerhalb des Vereins: Menschen aus mehr als 40 Nationen sind vertreten, der Anteil von Kindern und Jugendlichen liegt bei über 35 Prozent. Damit erfüllt die SGW nicht nur eine wichtige sportliche, sondern auch eine bedeutende gesellschaftliche Funktion im Stadtbezirk. Neben dem Breitensport engagiere sich der Verein auch im Spitzensport und kann auf zahlreiche Erfolge in unterschiedlichen Disziplinen verweisen. Veranstaltungen wie der traditionelle Silvesterlauf, der zusammen mit dem TSV Weilimdorf organisiert und durchgeführt wird, gehören fest zum Vereinsleben und tragen zur Sichtbarkeit des Sports in Weilimdorf bei.
Aushängeschild der SGW sind neben den Handballern der HBI auch Tennisdamen des Vereins (Mannschafstmeister Damen 4er in 2025), vor allem aber die Ringer rund um den Europa- wie Militärmeister wie Olympiateilnehmer Lucas Lazogianis. Nun sind die Ringer sogar in die Bundesliga aufgestiegen – was neue organisatorische Herausforderungen bringt.
Doch trotz dieser positiven Entwicklungen stehe die SGW vor erheblichen Herausforderungen. Besonders die finanzielle Situation bereitet Sorgen: Der Verein muss durch die Einsparungen der Landeshauptstadt Stuttgart einen Rückgang des Budgets um rund 15 Prozent (ca. 75.000 Euro) verkraften. Gleichzeitig besteht ein wachsender Investitionsbedarf, insbesondere im Hinblick auf Sportstätten und Infrastruktur: „Wir haben einen Investitionsstau von mehr als 750.000 Euro“, gestand Lippmann ein. Dabei würden bereits viele Arbeiten, wie z.B. die Dämmung der alten Tennishalle, durch ehrenamtliche Helfer aus dem Verein durchgeführt. „Doch es stehen immer weniger Ehrenamtliche zur Verfügung“, so Lippmann – und verwies auf einen einheitlichen Bundestrend: Knapp 27 Millionen Menschen engagierten sich 2024 noch ehrenamtlich – eine an sich beachtliche Zahl. Doch das sind gegenüber 2019 bereits 4 Millionen weniger.
„Was unseren Sportvereinen in Weilimdorf fehlt, sind adäquate Wettkampfplätze, vor allem eine den neuesten Vorgaben entsprechend Wettkampfhalle“, so Lippmann an das Gremium gewandt.
Dem schloss sich Daniel Nötzold vom TSV Weilimdorf an. Immerhin kann auch der zweite große Sportverein von Weilimdorf internationale Sportler aufweisen: Mit der FUTSAL-Mannschaft wurde man u.a. bereits fünf mal Süddeutscher Meister, sowie vier Mal Deutscher Meister, ist Teilnehmer der Fustal Champions League und stellt 15 Nationalspieler. „Mit dem Futsal starteten wir als Freizeitkicker, nun sind wir Rekordmeister“, erzählt Nötzold nicht ohne Stolz. Jedes Spiel in der Spechtweghalle im Wolfbusch verfolgen mittlerweile im Schnitt 272 Zuschauende (sowie mehr als 300 per Live-Stream im Internet), hinzu kommen auf den digitalen Kanälen mittlerweile mehr als 8 Millionen Aufrufe – pro Saison.
Die Kosten einer Futsal-Saison liegen für den TSV Weilimdorf mittlerweile bei mehr als 225.000,- Euro, mit Sorge sieht man im Verein, dass durch die Kürzungen des Budgets durch die Landeshauptstadt Stuttgart der Fahrtkostenzuschuss in 2026 komplett wegfällt, die Hallenkosten sich um 50 % steigerten – und die Kapazitäten der Hallenzeiten erschöpft seien. „Teils trainieren wir spät Abends bis nach 23 Uhr. Wenn Spieler dann von weit auswärts anreisen, kommen die teils erst weit nach Mitternacht in ihr Bett“, gab Nötzold zu bedenken.
Die Bezirksbeiräte zollten abschließend viel Respekt für die Leistungen der Vereine und deren Sportler – wiesen aber darauf hin, dass sie keine Finanzierungen anbieten können. Jedoch versprachen die Parteivertreter, sich für einen Sportcampus einzusetzen – und vor allem endlich die Machbarkeitsstudie für das Walz-Areal einsehen zu können. Für eine neue Halle mit Wettkampfqualitäten jedoch sind die Vereine wohl vorerst auf einen Mäzen oder ein wohlwollendes Unternehmen angewiesen, dass die erforderlichen Gelder zur Verfügung stellen kann – von der Stadt sei das derzeit mit dem klammen Haushalt nicht zu erwarten. Doch erst einmal braucht es überhaupt einen Standort dafür.


