Versuchtes Tötungsdelikt in Weilimdorf kam kurzfristig auf die Tagesordnung des Bezirksbeirat

Versuchtes Tötungsdelikt in Weilimdorf: Polizeirevier informierte Bezirksbeirat. Foto: GOEDE

(RED) Es waren letztlich keine neuen Erkenntnisse, die Alexander Schmidt-Rüdt, Leiter der Führungsgruppe des Polizeireviers 8 Kärntner Straße, am Mittwochabend, 10. Dezember 2025 im Bezirksbeirat zum versuchten Tötungsdelikt am 6. Dezember (weilimdorf..de berichtete) bekannt geben konnte.

Das Thema wurde kurzfristig auf Grund der Sorge von Anwohnern und diversen Medienbeiträgen von Bezirksvorsteher Julian Schahl auf die Tagesordnung des Bezirksbeirat genommen.

„Es gilt der bereits bekannte Ermittlungsstand, dass es am Samstag, 6. Dezember 2025 gegen 22.45 Uhr nahe der Lindenbachhalle einen versuchten Tötigungsdelikt gegeben hat. Es waren dem aktuellen Erkenntnisstand 15 Personen anwesend, teils vermummt. Diese hatten Schreckschusspistolen und mindestens eine scharfe Waffe bei sich“, so Schmidt-Rüdt eingangs – und weiter: „Ein 16jähriger erlitt einen Bauchdurchschuss, es besteht keine Lebensgefahr. Es handelt sich damit aber definitiv um ein versuchtes Tötungsdelikt“.

Dem Polizeirevier 8 Weilimdorf-Feuerbach sind seit Jahresbeginn 2025 inzwischen 23 Vorfälle, bei denen acht Straftaten aufgenommen wurden, an diesem Platz an der Lindenbachhalle bekannt: „Also ca. alle 15 Tage kam es zu einem Vorfall in einem Umkreis von 450 Metern vom aktuellen Tatort, seien es Alarme, Ruhestörung oder Diebstahl, zuletzt geschehen am 29. November, als drei Jugendliche gegen 23.10 Uhr aufgegriffen worden sind“, so Schmidt-Rüdt. Zu den Vorkommnissen am 6. Dezember liegt der Ermittlungsgruppe inzwischen umfassendes Video- und Fotomaterial vor: „Diese werden aktuell ausgewertet“. Bisher sei der Platz und die Vorfälle allerdings nicht als „Brennpunkt“ eingestuft gewesen, dafür gebe es zu wenige bzw. zu geringe Vorfälle. Der Tatort vom 6. Dezember wurde nach dem Schusswechsel wie am 2. Advent umfassend untersucht und diverse Gegenstände sichergestellt, der Tat verdächtigt wird ein 16jähriger Deutscher – mit Migrationshintergrund. Dieser ist dem Haftrichter vorgeführt worden und verbleibt im Vollzug. Wieder freigelassen wurden ein 18jähriger Deutscher mit türkischem Pass. „Zusätzlich wurde ein iranischer Staatsangehöriger ermittelt“, ergänzte Alexander Schmidt-Rüdt. Bislang konnte für den Schusswechsel noch kein Motiv ermittelt werden: „Wir wissen bisher nicht, ob es um eine Frau ging, Streitigkeiten unter jungen Männern oder es einen anderen Grund wie Rivalitäten gibt“, berichtete Schmidt-Rüdt. Es wurde eine Ermittlungsgruppe von 12 Kollegen eingerichtet: „Dieses wird so lange ermitteln, bis die Herkunft der Waffe festgestellt wurde.“ 

Bis auf weiteres wird die Polizei in Weilimdorf mehr Präsenz zeigen und Kontrollmaßnahmen vornehmen: „Wir sind derzeit Tag und Nacht vor Ort. Seit dem 6. Dezember wurden weitere 13 Personen kontrolliert und ein Messer sichergestellt, allein heute Abend wurden weitere sechs Personen kontrolliert“, erzählte Alexander Schmidt-Rüdt dem Gremium wie zahlreich anwesenden Weilimdorfer*innen. Dass Anwohner entsetzt und in Sorge sind, könne er verstehen – sieht aber keinen Grund, dass Wohnungen wie Häuser nicht verlassen werden könnten.

Auch die Mobile Jugendarbeit Weilimdorf, an diesem Abend vertreten durch Oliver Wieland und Eva Hild, kann und will den Bereich um die Lindenbachhalle nicht als „Brennpunkt“ sehen: Wir sind von Montag bis Freitag vor allem in den Abendstunden in Weilimdorf unterwegs, unser Fokus liegt auf auffälligen Jugendlichen. Wir sind auch oft an der Lindenbachhalle, treffen dort viele Jugendliche an, die verschiedensten Gruppen“, so Wieland. Doch seien diese bisher nicht übermäßig auffällig gewesen, weitgehend friedlich, nicht aggressiv gegenüber den Sozialarbeitern sowie respektvoll. Allerdings musste Wieland hinzufügen, dass eben an den Wochenenden die Sozialarbeiter frei haben – und somit das Geschehen von Wochenenden wie Feiertagen nicht durch die MJA erfasst werden kann. „Wir waren dieser Tage wieder dort, die Jugendlichen haben Gesprächsbedarf, allgemein herrsche Unverständnis über die Gewalt vom 6. Dezember“, erzählte Wieland. Da die MJA nicht am 6. Dezember vor Ort war, könne er auch nicht zum Hergang etwas beitragen. „Wir möchten aber darauf hinweisen, dass eben nicht alle Jugendlichen kriminell sind, es darf keine Pauschalierung stattfinden“, erbaten Wieland und Hild.

Die Vertreter aller Parteien äußerten nach den Ausführungen von Alexander Schmidt-Rüdt und Oliver Wieland ihre Besorgnis über die Vorfälle vom 6. Dezember. Festgestellt wurde, dass die Geschehnisse von diesem Abend nicht von Weilimdorfer Jugendlichen ausgegangen sind, sondern von  Personen aus Feuerbach bzw. umliegenden Gemeinden wie Gerlingen. Dass allerdings die Polizei die Vorfälle der letzten Monate nicht als „Brennpunkt“ einordnen will, stieß parteiübergreifend auf Unverständnis: „Was muss denn noch mehr passieren, bis es als Brennpunkt eingestuft wird?“ war die übergreifende Meinung zu dieser Feststellung. Auch dass nur temporäre Kontrollen durchgeführt werden sollen und vorerst nicht dauerhaft, konnte nicht nachvollzogen werden. Es sei Konsens, dass die Jugendlichen Treffpunkte haben müssten, die Sicherheit der Anwohner wie Bevölkerung dadurch aber dennoch gewährleistet sein müsse. Eine Absage kam zum Vorschlag aus dem Bezirksbeirat, das Café 13 für die Gruppen zu öffnen: „Das ist eine ganz andere Klientel“. Vorgeschlagen wurde, die Mobile Jugendarbeit bis auf weiteres auch an Wochenenden wie Feiertagen arbeiten zu lassen – was allerdings personell kaum zu bewerkstelligen ist. Gefordert wurde, dass der Polizeiposten in Weilimdorf besser besetzt – und vor allem geöffnet sein müsse. Hier ergänzte Alexander Schmidt-Rüdt, dass im Polizeirevier 8 derzeit 73 Kollegen eingesetzt seien, der Posten in Weilimdorf seine regelmäßigen Sprechzeiten für die Bevölkerung habe – es aber auch Schließzeite gebe, da die Kollegen auch im Stadtbezirk unterwegs seien um zu ermitteln. Eine Brennpunkt-Einstufung erfolge für gewöhnlich auch nur, wenn es zu Bandenkriminalität käme – was in Weilimdorf derzeit nicht der Fall sei. Auch sei eine Dauerpräsenz der Polizei rund um die Lindenbachhalle nicht vorgesehen: „Dies würde nur dazu führen, dass die Jugendlichen in andere Stadtbezirke und Gemeinden abgedrängt werden“, so Schmidt-Rüdt. Vor allem diese Aussage sorgte vor allem im Publikum für Raunen und Unverständnis, zumal die Jugendlichen bekanntlich nicht aus dem Stadtbezirk seien. Die Bezirksbeiräte mahnten an, dass der Bereich um die Lindenbachhalle keinesfalls zu einer „No-Go-Area“ werden dürfe, der Bereich müsse wieder „normal“ werden – wie es Stephan Gier (CDU) anmerkte. Schreckschuss- wie scharfe Waffen seien zudem keine „Lappalie“.

Wybke Gawor als Sprecherin der betroffenen Anwohner hob hervor, dass die Eskalation des 6. Dezembers wurde eine Frage der Zeit war, weitere Ermittlungen seien dringend notwendig: „Es passiert zu wenig die Problematik in den Griff zu bekommen!“. Auch sei sie fassungslos darüber, dass es für den Platz zwar Tore zum Absperren gebe und offizielle Schließzeiten – diese aber nicht ausgeführt werden, da „die Schließzeiten nicht mit den Arbeitszeiten der Hausmeister übereinstimmen“, wie sie es schriftlich von der Stadtverwaltung mitgeteilt bekommen habe.

Ulrich Rombach merkte an, dass er seit über 20 Jahren in Weilimdorf lebe – und den Stadtbezirk als sicher erlebe wie einstufe: „Es ist schlimm was passiert ist, aber wir müssen differenzieren zwischen normalen Jugendlichen und Gruppen. Spielplätze deshalb nun einzuzäunen ist der falsche Weg: „Wir leben gut und sicher im Stadtbezirk“.

Einen scharfen Ordnungsruf zog sich Andreas Mürter, Kreissprecher der AfD Stuttgart, durch Bezirksvorsteher Julian Schahl zu, als er u.a. die Forderung in den Raum stellte, statt der Mobilen Jugendarbeit Gelder zu geben, diese lieber in einen Sicherheitsdienst zu investieren. Da seine Worte sehr scharf formuliert waren, verbat Schahl als Hausherr dem AfD-Vertreter weitere an Beleidigung grenzende Aussagen. Mürter fügte abschließend in einem normalen Tonfall noch an, dass Weilimdorf als Brennpunkt eingestuft werden müsse und die Öffnungszeiten des Polizeiposten erweitert gehörten.

Die Bezirksbeiräte verständigten sich abschließend darauf, dass sie für Weilimdorf in Zusammenarbeit mit einer Bürgergruppe ein Sicherheitskonzept für den Bereich um die Lindenbachhalle erarbeiten wollen, auch solle es eine Begehung mit den Anwohnern geben. Alexander Schmidt-Rüdt sicherte zu, dass der Austausch und die Zusammenarbeit mit der Mobilen Jugendarbeit Weilimdorf intensiviert werde.

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