(RED) Wie gut ist Weilimdorf für Menschen mit Behinderungen aufgestellt? Mit dieser Frage beschäftigte sich der Bezirksbeirat am 11. Februar 2026, als Nadine Wetzel vom Amt für Soziales und Teilhabe der Landeshauptstadt Stuttgart den Abschlussbericht des Projekts „Neue Bausteine der Eingliederungshilfe – Sozialraumorientierung“ vorstellte. Das Fazit: Weilmdorf verfügt über einige Stärken – und einige Ansatzpunkte für Verbesserungen.
Drei Jahre lang – von 2023 bis 2025 – wurde das Projekt im Rahmen des Bundesteilhabegesetzes mit Feuerbach und Weilimdorf als Projektstadtbezirke umgesetzt. Ziel war es, den Blick weg von Einrichtungen und hin zum konkreten Lebensumfeld der Menschen zu richten. Gerade in einem Stadtbezirk wie Weilimdorf mit seinem gewachsenen Ortskern und klaren Quartiersstrukturen spielt der Sozialraum eine zentrale Rolle.
Bei einem Rundgang mit Bezirksvorsteher Julian Schahl im Jahr 2023 sowie bei Stadtbezirksspaziergängen mit Menschen mit Behinderungen im Jahr 2024 wurde genau hingeschaut: Wo gibt es Barrieren? Wo funktioniert Teilhabe gut? Die Rückmeldungen fielen für Weilimdorf überwiegend positiv aus.
Besonders häufig wurde die gute Erreichbarkeit rund um den Löwen-Markt hervorgehoben. Einkaufsmöglichkeiten, Wochenmarkt, Arztpraxen und Cafés liegen nah beieinander. „In Weilimdorf kann ich alles gut erreichen“, lautete eine der Aussagen – als besonders beliebt hervorgehoben wurde, so Nadine Wetzel, die Bäckerei Trölsch in der Köstlinstraße – sowie der Wochenmarkt auf dem Löwen-Markt mit dem Zitat: „Jeden Freitag gehe ich zum Wochenmarkt beim Löwen-Markt und kaufe für die Gruppe was ein. Das ist immer sehr nett dort“. Auch die U-Bahn-Anbindung wurde als „gut nutzbar“ und damit alltagstauglich beschrieben. Die Fußläufigkeit im Ortskern gilt als klare Stärke des Stadtbezirks. Auch die Kirchengemeinden in Weilimdorf wurden lobend erwähnt – dort gibt es immer wieder Angebote für Menschen mit Behinderung.
Barrieren im öffentlichen Raum wurden vergleichsweise selten genannt. Teils fehlen allerdings sogenannte „Leitstreifen“ für Sehbehinderte an den U-Bahn-Haltestellen. Auffällig war jedoch, dass das Thema Teilhabe in örtlichen Vereinen kaum zur Sprache kam – hier sehen die Projektverantwortlichen Entwicklungspotenzial.
Ein weiterer Schritt war die stärkere Regionalisierung von Teilhabemanagement und Sozialplanung. Ziel war und ist es, Unterstützungsangebote noch enger mit den Gegebenheiten vor Ort zu verzahnen. Weilimdorf soll dabei nicht nur Versorgungsstandort, sondern aktiver Sozialraum sein, in dem Menschen mit Behinderungen selbstverständlich dazugehören. So fand im Herbst 2025 ein Workshop mit den Leistungserbringern der Eingliederungshilfe statt, der Abschluss des Pilotprojektes fand im Dezember 2025 im Haus der Begegnung im Giebel statt.
Im Bezirksbeirat wurde deutlich: Weilimdorf bringt gute Voraussetzungen mit – durch seine überschaubare Struktur, die lebendige Ortsmitte und bestehende Netzwerke. Sozialraumorientierung bedeutet hier vor allem, diese Stärken bewusst zu nutzen und weiter auszubauen.
Der Bericht macht damit klar: Teilhabe beginnt nicht abstrakt auf dem Papier, sondern ganz konkret auf dem Weg zum Bäcker, beim Einkauf auf dem Wochenmarkt oder beim Treffen im Café am Löwen-Markt – mitten in Weilimdorf.
Nach Weilimdorf und Feuerbach ist aktuell nun der Stadtbezirk Bad Cannstatt in den Fokus gerückt: Hier finden derzeit die ersten Stadtspaziergänge statt. Mitgenommen aus dem Gremium hat Nadine Wetzel auch die Anregung, den Stadtseniorenrat mehr mit in das Projekt einzubeziehen, da es bei den Arbeits- wie Aufgabenfeldern einige Überschneidungen gebe.


