BSE MMGH bei der FF Weilimdorf Copyright Andreas Rometsch

Notruf Feuerwehr und Rettungsdienst…

(ARO) “…wo genau ist der Notfallort?“ Dieser Satz erklang am Dienstag, dem 26. April 2022, im Gerätehaus der Freiwilligen Feuerwehr Weilimdorf mehrere Dutzend Male.

Grund war der Besuch zweier 3/4er-Klassen der Maria-Montessori-Grundschule Hausen (MMGH) im Feuerwehrhaus in der Glemsgaustraße. Zum Sachkunde-Lehrplan der 3. und 4. Klassen gehört in Baden-Württemberg das Thema „Feuer“. Dort wird nicht nur auf die Entstehung und Geschichte des Nutzfeuers eingegangen, ein großer Themenblock wird dem Schadensfeuer und natürlich dessen Verhinderung und Bekämpfung gewidmet.

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Der erste theoretische Teil wird von den Lehrkräften der Schule unterrichtet, den zweiten praxis- und erlebnisorientierten Part übernimmt die örtliche Feuerwehr. In Stuttgart obliegt diese Aufgabe normalerweise der Berufsfeuerwehr, allerdings verhinderten terminliche Probleme, dass die Klassen der MMGH die zuständige Berufsfeuerwache in Feuerbach besuchen konnten.

Dankenswerterweise sprang die Freiwillige Feuerwehr Weilimdorf, die sonst die Brandschutzerziehung an Kindergärten übernimmt, in die Bresche und lud die Schüler und Lehrer der MMGH zu sich ins Gerätehaus ein.

Am Dienstagmorgen, um Punkt 9 Uhr, empfingen Tanja Weichert, Dominic Aubrecht, Florian Vajda und Tobias Voss, die sich alle den Vormittag freigenommen hatten, die erste Gruppe der Hausener Grundschule. Nach einer kurzen Begrüßung vor dem Feuerwehrhaus ging es über den Alarmeingang in den Umkleideraum, in dem sich die Einsatzkleidung befindet.

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Hier wurde den Schülern erklärt, dass das Gerätehaus nicht ständig besetzt ist, sondern die Angehörigen der Freiwilligen Feuerwehr sich im Alarmfall vom Arbeitsplatz oder von zu Hause zum Feuerwehrhaus begeben und dort schnellstmöglich in ihre Schutzkleidung schlüpfen.

Diese Verwandlung vom Zivilisten zur Einsatzkraft geschieht so schnell, dass das erste Fahrzeug normalerweise innerhalb von drei bis vier Minuten nach Alarmierung aus der Halle rollt.

In diese Fahrzeughalle ging es dann auch im Anschluss. Dort hatten die Weilemer Feuerwehr einige Stationen für die Grundschüler vorbereitet. Erster Programmpunkt war das korrekte Absetzen eines Notrufs. Für diese Zwecke besitzen die Feuerwehren eine kleine Telefonanlage mit zwei Apparaten und einem externen Lautsprecher, der es ermöglicht, dass alle den „Notruf“ mithören können. Nachdem das erste Kind die europaweite Notrufnummer 112 gewählt hatte, nahm im Nebenraum ein Feuerwehrmann mit den Worten „Notruf Feuerwehr und Rettungsdienst, wo genau ist der Notfallort?“ das simulierte Notrufgespräch an.

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Zweck dieser Gesprächseinleitung von Seiten der Leitstelle ist, dass, sollte das Gespräch abbrechen, auf jeden Fall bekannt ist WO sich ein wie auch immer gearteter Notfall befindet. Dies ermöglicht dem Disponenten auf jeden Fall Hilfe an den Notfallort entsenden zu können. Die Schüler der MMHG konnten nun ein selbst ausgedachtes Szenario schildern und wurden vom „Leitstellendisponenten“ durch das Notrufgespräch geführt.

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Durch den inszenierten Hilferuf sollte den Kindern zum einen die Angst genommen werden, einen Notruf abzusetzen, zum anderen wurde klargestellt, dass das Gespräch IMMER von der Leitstelle beendet wird, keinesfalls vom Anrufer.
Dies soll sicherstellen, dass der Leitstellenmitarbeiter alle Informationen abfragen kann, die er benötigt, um best- und schnellstmöglich Hilfe entsenden zu können.

Die nächste Station befand sich am anderen Ende der Fahrzeughalle. Dort lernten die Grundschüler anhand einer „Teelicht-Treppe“, dass Rauch und Hitze nach oben steigen und sich an der Decke sammeln und dort die atembare Luft verdrängen.

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Dieses Wissen ist wichtig, um sich im Falle eines Brandes in Sicherheit bringen zu können. In aufrechter Gangart ist dies bei einem Wohnungsbrand schon nach kurzer Zeit nicht mehr möglich, am Boden kriechend hingegen schon.

Weiterhin wurden an dieser Station die Funktion eines Heimrauchmelders erläutert und einer der Feuerwehrangehörigen rüstete sich mit seiner kompletten Brandschutzkleidung inklusive Atemschutzgerät aus.

Damit sollte zum einen gezeigt werden wie umfangreich und schwer, etwa 20-25 Kilogramm, die Ausrüstung ist. Zum anderen sollten die Kinder „sehen“, wie ein vollausgerüsteter Brandbekämpfer aussieht, um ihnen die Angst zu nehmen, sollte einmal ein solcher „Außerirdischer“ sie bei einem Wohnungsbrand retten wollen.

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Dritter Programmpunkt war das Hilfeleistungslöschfahrzeug, kurz HLF, von dem die Weilemer Wehr zwei Stück besitzt. Hier wurden sämtliche Ausrüstungsgegenstände gezeigt und erklärt, auch durften die Kinder sich selbst vom Gewicht der einzelnen Gerätschaften überzeugen. Hilfeleistungslöschfahrzeuge ermöglichen, wie der Name schon sagt, sowohl die Brandbekämpfung als auch die Durchführung von technischen Hilfeleistungen.

Während bis zu Beginn der 1980er-Jahre ein Löschfahrzeug „nur“ löschen konnte und Hilfeleistungen von Rüst- und Gerätewagen durchgeführt wurde, vereinen die HLF die Einsatzmöglichkeiten beider Fahrzeugarten. Somit sind auf diesem Fahrzeugtyp nicht nur Schläuche, Armaturen und Atemschutzgeräte verlastet, sondern auch hydraulische Rettungsgeräte, Hebekissen und Trennschleifer gehören zur Beladung.

Damit wurde auf die fortschreitende Veränderung des Einsatzaufkommens reagiert. Während die Feuerwehr früher, wie der Name es schon sagt, Brände bekämpfte, ist dies heute der kleinste Posten in der Einsatzstatistik.
In Stuttgart zum Beispiel sind nur noch sieben Prozent der Alarme Brandeinsätze.

Krönender Abschluss des Besuchs war das Besteigen der Drehleiter, die vor der Fahrzeughalle abgestützt bereitstand. Um jegliches Risiko auszuschließen und um ängstliche Naturen nicht abzuschrecken, war die Leiter natürlich nicht aufgerichtet.

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Stattdessen war der Leiterpark seitlich vom Fahrzeug abgelegt und der Rettungskorb auf den Boden aufgesetzt. So konnten alle Kinder und Lehrkräfte gefahrlos über den Leiterpark klettern und durch den Rettungskorb wieder auf festen Boden gelangen.

Um dennoch die Steighöhe der Drehleiter, sie lässt sich auf eine Höhe von rund 30 Meter ausfahren, zu demonstrieren, durften die Lehrkräfte im Anschluss einmal in den Weilimdorfer Himmel hinauffahren.

Nach einer kleinen Stärkung im Hof des Gerätehauses bedankten sich die Kinder und Lehrkräfte vielmals bei den vier Angehörigen der Weilimdorfer Feuerwehr für einen lehr- und erlebnisreichen Vormittag zum Thema Brandschutzerziehung und machten sich auf den Rückweg zur MMGH.

Bilder: Andreas Rometsch

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