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Macht Wirtschaftskrise Weilimdorfs Bau-Wunschliste einen Strich durch die Rechung?

Die grauen Wolken hingen bereits zum Treffpunkt regenschwer über dem Löwen-Markt vor dem Bezirksamt, als sich Weilimdorfs Bezirksbeiräte, Gemeinderäte, Pressevertreter, sowie Stuttgarts Bürgermeister Murawski auf Einladung von Bezirksvorsteherin Ulrike Zich am Montag um 17 Uhr trafen. Die Bauschutt-Abfuhr für den Löwen-Markt Umbau untermalte lautstärketechnisch krönend die Begrüßung – bevor es anschließend um die Wünsche Weilimdorfs ging. Immerhin war es die erste großangelegte Ortsbegegung der Lokalpolitik seit rund 10 Jahren: Zuletzt lud das Bezirksamt am 22. September 1999 zu diesem Rundgang. Damals lag der Schwerpunkt auf Bauvorhaben für das Gemeinwesen (wie z.B. Sanierung der Lindenbachhalle), heuer ging es wieder um Um- und Neubauten – doch mit Schwerpunkt auf öffentliche Flächen.

Erster Besprechungspunkt war – im nun einsetzenden Dauerregen – der Löwen-Platz (Kiesbett), dessen Umgestaltung die Bezirksbeiräte seit Jahren verfolgen. Inzwischen kamen auch noch verkehrsplanerische Wünsche dazu (wie z.B. Kreisverkehr-Lösungen an den Kreuzungen der Solitudestraße mit der Renn- und Glemsgaustraße), was nicht nur die Platzgestaltung kostentechnisch antreibt. Die derzeitigen Entwürfe gehen von Kosten in Höhe von 175.000 Euro für das Kiesbett und gut 650.000 Euro für die Straßenumbauten aus. Letztlich Klarheit über die Neugestaltung dieses öffentlichen Raumes soll eine Bürgerbeteiligung im Oktober 2009 bringen.

In der Rennstraße 6 (gegenüber dem Jugendcafe 13) befindet sich ein derzeit leerstehendes großes Gebäude – von der Zukunftsoffensive Weilimdorf inzwischen als idealer Standpunkt für das neue FORUM WEILIMDORF ausgemacht. Durch einen Um- oder Neubau des Grundstücks könnten Räume für Weilimdorfs Vereine und Gemeinschaften entstehen. Die Eigentümergemeinschaft wäre, so Ulrike Zich, grundsätzlich für dieses Projekt offen – zumal derzeit keine anderen Kaufinteressenten vorhanden seien. Es gilt aber hier noch viele Hürden zu überwinden. Vertreter der Zukunftsoffensive führten an, dass sie von Oberbürgermeister Schuster bereits die Zusage erhalten hätten, dass die Stadt sich das Grundstück für Zwecke des Forums sichern werde. Dies könne für die Zukunftsoffensive planerische Sicherheit geben, dass das Projekt weiter verfolgt werden könne.

Mit der U-Bahn ging es anschließend zur Haltestelle Bergheimer Hof – hier soll an der Kreuzung der Solitudestraße mit dem Spechtweg und der Engelbergstraße baldmöglichst ein 28 Meter breiter Kreisverkehr entstehen. Das Tiefbauamt hat bereits Sanierungsbedarf für den Kreuzungsbereich angemeldet, nun gilt es aus dem Haushalt der Landeshauptstadt zusätzliche Mittel zu erhalten, um nicht nur den Untergrund zu sanieren sondern die Fläche komplett neu zu gestalten. Zich zeigte auf, dass der Kreisverkehr sich durch den Wegfall der Ampelanlagen nach spätestens 18 Jahren amortisiert habe und der Verkehrsfluß erheblich verbessert werden könne. Anwohner brachten beim Rundgang erneut ihre Sorgen vor, dass ihre Garageneinfahrten mit einer Kreisverkehrlösung – wegen einer dann existierenden “durchgehenden Linie” – schwerer zu erreichen seien als jetzt schon. Das Tiefbauamt werde aber, so die Lokalpolitiker, auch für die Anwohner eine akzeptierbare Lösung erarbeiten.

Auf dem Gelände der ehemaligen Gärtnerei Walz stellte Zich die Planungen vor, was mit diesem bald leeren Gelände passieren könne. Derzeit werde vom Bezirksbeirat eine Wohnbebauung der Fläche favorisiert. Es herrsche in Weilimdorf weiterhin eine hohe Nachfrage nach Baugrundstücken – dieses Gebiet hat hervorragende Anschlussmöglichkeiten an öffentliche Einrichtungen. Zwar grenze das Gelände der SG Weilimdorf an die Fläche, doch ließen sich hier problemlos Lärmschutzmaßnahmen errichten.

Den Abschluß der Ortsbegehung bildete der “Treffpunkt Pfaffenäcker” – hier ist das Wunschprojekt des Bezirksamtes und der Bezirksbeiräte die Einrichtung eines “Stadtteiltreffs” in der ehemaligen Gaststätte Arabesk. Die Pfaffenäcker hatten seit ihres Baus vor bald 30 Jahren eine “wechselvolle” Geschichte durch kulturelle Probleme, vor allem unter Jugendgruppen. In Wellenbewegungen kam es immer wieder zu Reibungspunkten. Verschärft wurde die Situation durch den Weggang von Marktunternehmen wie Penny und Tengelmann, auch nachfolgende kleine Privatunternehmen konnten sich nicht halten, die Nahversorgung der Pfaffenäcker stand auf dem Spiel. Die Jugendprobleme konnten über die Zeit mit der Agenda Pfaffenäcker verringert werden, geblieben sind von damals u.a. die Sprachkursangebote mit Kinderbetreuung. Heute stellt der CAP-Markt die Nahversorgung der Pfaffenäcker sicher – zwischenzeitliche Probleme mit neuen Jugendgruppen wurde mit dem Jugendhaus e.V. und einer Hausaufgabenbetreuung begegnet – doch hier fehlt es ständig an ehrenamtlichen Mitarbeitern. Bezirksvorsteherin Ulrike Zich freut sich über jeden Rentner, der im Alter ein neues Betätigungsfeld sucht – und bei ihr finden wird. Um die Angebote für Senioren und Jugendliche nun in den Pfaffenäckern zu stärken und zu vertiefen, soll nun bis Anfang 2010 ein “Stadtteiltreff” mit Mittagsbetreuung und weitergehender Hausaufgabenbetreuung in den Räumlichkeiten der Gaststätte eingerichtet werden. Hierzu hat bereits der Bezirksbeirat Fördermittel aus den Budgetmitteln in Ausssicht gestellt.

Bürgermeister Murawski zeigte sich beeindruckt über die Pläne der WeilimdorferInnen, machte aber keine großen Hoffnungen auf baldige Umsetzung: “Die globale Wirtschaftskrise hat die Landeshauptstadt voll getroffen. Die nächsten 2 Jahre werden für Stuttgart die schlimmsten seit dem Ende des zweiten Weltkrieges!” so Murawski’s ernüchternde Feststellung: “Derzeit lupfen wir jeden Teppich um zu schauen, ob da noch was zu sparen ist. Auch die Mittel für die Stadtbezirke werden zurückgehen. Es bleibt zwar bei den alten Sockelbeträgen, doch mit Extras ist es vorbei.” Murawski bedauerte, dass es in den Pfaffenäckern so langsam voran ginge – manche Stadtbezirke wüssten vor lauter Geld nicht was machen und Stadtbezirke wie Weilimdorf müssten permanent nach zusätzlicher Unterstützung nachfragen. Er wünscht dem Bezirksbeirat und dem Bezirksamt ein baldiges Gelingen des Stadtteiltreffs. Die schnellstmöglichste Umsetzungszeit einiger Punkte der Wunschliste gab Murawski dem Projekt “Walz-Gelände”: hier habe die Stadt nur verwaltungstechnische Arbeit zu leisten und kein Geld zu investieren. Dann würde wohl wegen des klammen Haushaltes der Landeshauptstadt lange nichts kommen – und danach sind die Kreisverkehrlösungen anzusinnen.

Wenigstens hatte zu dunkler Abschlussstunde draußen inzwischen der Dauerregen aufgehört…

Foto (Goede): die Lokalpolitiker und Baubürgermeister Murawski bekommen von Bezirksvorsteherin Ulrike Zich beim Rundgang die Änderungsvorschläge für den Löwen-Platz erläutert.

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