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Sanierung steht vor dem Abschluss: Gockel der Oswaldkirche ist jetzt wieder an Ort und Stelle

(TOM) Rund zwei Monate war die Oswaldkirche ohne Gockel und Nordpfeil. Seit Montag sind beide wieder an Ort und Stelle. Bei der Montage wurde die Trumkugel mit einer neuen Zeikapsel versehen.

Die Sanierungsarbeiten an der Oswald-Kirche sind sozusagen in der letzten Phase. Der Kirchturm ist inzwischen wie das Kirchenschiff neu eingedeckt. Am Montag, 9. September wurden auch der Nordpfeil und der Gockel wieder an ihrem angestammten Platz montiert.

Entfernt worden waren Gockel und Nordpfeil am 4. Juli. Beim Öffnen der Turmkugel noch auf dem Turmdach war eine Zeit-Dose gefunden worden. Die Metalldose, versehen mit der Innschrift: „Flaschnr:Mstr. Ernst Benzinger & Söhne, 4. Sept. 1934“, war vermutlich im Zweiten Weltkrieg durch eine Kugel beschädigt worden., denn direkt unter der Inschrift befand sich ein Einschussloch. Im Innern der Dose fanden sich verschiedene Dokumente.

Das „älteste“ war die Abschrift einer Urkunde aus dem Jahr 1725. Ferner fand sich in der Dose eine Niederschrift des damaligen Stadtpfarrers, der die Veränderungen der Glaubenslandschaft in Weilimdorf seit dem Jahr 1870 beschrieb. Enthalten war ferner ein Dokument in dem festgehalten war, wer die Sanierungsarbeiten an der Kirche im Jahr 1934 durchgeführt hatte. Und schließlich waren auch noch einige Münzen aus dem Jahr 1791 sowie Reichsmark enthalten.

Die gefunden Dokumente wurden kopiert und zusammen mit den Münzen wieder in der Zeitdose aus dem Jahr 1934 verstaut. Zusammen mit einer Tageszeitung, einer Fortschreibung der Geschichte Weilimdorfs seit dem Jahr 1934 und einem Abschlussbericht über die durchgeführten Arbeiten sowie einem Satz D-Mark Münzen und einem Euro in einer größeren Zeitkapsel versehen mit dem Datum 9. September 2019 deponiert.

Im Beisein von Pfarrer Hartmut Häcker, Kirchenpfleger Robin Meissner und dessen Mitarbeiterin Andrea Stemmer, Gerd Meissner, der den geschichtlichen Rückblick verfasst hat, Architekt Klaus Lienerth und Zimmermeister Jochen Lutz von der mit der Sanierung beauftragten Firma AeDis sowie weiteren Handwerkern und Vertretern der Gemeinde wurde die neue, größere Zeitkapsel, verschlossen und wieder in der Turmkugel verstaut. Anschließend wurden der Nordpfeil und der frisch vergoldete Turmhahn wieder montiert.

Die Sanierungsarbeiten sollen bis Oktober abgeschlossen sein. Anschließend wird das Gerüst wieder abgebaut. Aufgebaut worden sei das Gerüst in Etappen, berichtet Stemmer. Zunächst seien Kirche und Kirchturm eingerüstet worden und im Frühjahr 2019 dann auch die Turmspitze. Begonnen haben die Sanierungsarbeiten im März 2018.

Das Instandsetzungskonzept sei nach einer Bestands- und Zustandskartierung gemeinsam mit der Denkmalpflege festgelegt worden, ist im Abschlussbericht der Architekten zu lesen. Bei den Putzarbeiten seien hohlliegende Stellen hinterfüllt und Putzfehlstellen ergänzt worden. Lediglich im Sockelbereich sei der salzbelastete Putz vollständig erneuert worden. Die bei den Malerarbeiten verwendeten Farbtöne wurden im Bestand abgenommen und entsprechend abgemischt, so dass die Oswaldkirche nun wieder in ihrer ursprünglichen Farbe erstrahlt.

Im Rahmen der Fassadenarbeiten wurden sämtliche Natursteinoberflächen im Trockenstrahlverfahren gereinigt. Anschließend wurden beschädigte Teile ganz oder auch nur teilweise ersetzt und wo nötig die Oberfläche bearbeitet. Als Austauschmaterial wurde vorwiegend Wolfsgrubensandstein verwendet. Lediglich bei den beiden großen Spitzbogenfenstern an der Nord- und Südfassade wurde Waldenbucher Stubensandstein verbaut.

Bei den Instandsetzungsarbeiten am Dach wurde laut Abschlussbericht die Dachkonstruktion ausschließlich schadensbezogen erneuert „um eine möglichst geringen Verlust historischen Bestandes zu gewährleisten. Am Dachtragwerk befanden sich demnach verschiedene Holzschäden. Neuere Reparaturhölzer und sogenannte Beilaschungen seien zurückgebaut worden. „Es folgte eine fach- und denkmalgerechte Reparatur der Holzkonstruktion zur Herstellung des ursprünglichen Zustandes“, heißt es im Bericht weiter. Abschließend wurden das Kirchenschiff und der Turm neu eingelattet und neu eingedeckt.

Im Zuge der Neueindeckung wurden auch die Blechverwahrungen durch neue Kupferbleche ersetzt. Die Dachrinnen und Fallrohre habe man weiterhin verwenden können.

Durchgeführt wurden ferner Glaserarbeiten und es wurde auch ein neuer Blitz- und Taubenschutz angebracht. In neuem Glanz strahlen auch die Turmuhren. Alle drei Uhren wurden neu bemalt und vergoldet.

All diese Informationen wird die Nachwelt eines Tages beim Öffnen der Turmkugel nachlesen können. Genauso wird sie erfahren dass die Bevölkerung von Weilimdorf zwischen 1934 und 2019 von 5.000 auf dann 32.000 angewachsen ist. Ferner werden die Leser dereinst einiges über die Kirchengemeinden im Ort erfahren, über die Entwicklung von Wirtschaft und Verkehr sowie über Deutschland und das Weltgeschehen seit 1934, angefangen bei der Naziherrschaft über den Wiederaufbau und die Wiedervereinigung bis hin zu den Themen Klimaerwärmung, Luftverschmutzung oder die Belastung der Ozeane durch Müll, Chemikalien und Mikroplastik.

Wann die nächste Öffnung der Turmkugel stattfinden und wie die Welt dann aussehen wird weiß heute natürlich niemand so genau. Schaut man sich die Abfolge der bisher an der Oswaldkirche durchgeführten Sanierungsarbeiten allerdings an, kann man zumindest vermuten, dass die nächste Sanierung um das Jahr 2.100 herum erfolgen wird.

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