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Stolpern mit Kopf und Herz: Weilimdorf´s 11. Stolperstein erinnert an Katharine Staiger

Gunter Demnig hat mit der Stolpersteininitiative seine Lebensaufgabe gefunden: der Künstler hat in Europa inzwischen mehr als 60.000 Mahnmahle dieser Art verlegt, in Stuttgart sind es bereits mehr als 850, in Weilimdorf wurde am Freitag, 28. April 2017, vor dem Bezirksamt der elfte in Weilimdorf verlegt. Er erinnert an Katharine Staiger, geb. Spiess.

“Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist”, heißt es im Talmud, einem der bedeutensten Schriftwerke des Judentums. Um Menschen, die von 1933 bis 1945 von den Nationalsozialisten verfolgt und ermordet wurden, dem Vergessen zu entreißen, setzt der Kölner Künstler Demnig, europaweit diese Kleindenkmale – “Stolpersteine”, eingelassen in den öffentlichen Fußweg, Plätze oder Straßen, wo einst die Menschen vor ihrer Deporation und nachfolgendem Tod in KZ´s lebten. Vielfach waren die Getöteten nicht nur Juden, sondern auch Menschen mit Behinderung, Obdachlose, Kranke, Volksgruppen wie Sinti und Roma – der nationalsozialistische Fachbegriff für diese “Tötungsmaschinerie” wurde bekannt als “Euthanasie”.

Weilimdorfs neuer Stolperstein auf dem Löwenmarkt vor dem Bezirksamt erinnert nun an Katharine Staiger. Sie wurde 1884 in Weilimdorf geboren, ihre Eltern waren Jakob und Katharine Spiess. 1920 heiratete sie Otto Friedrich Staiger. 1928 kam sie wegen Halluzinationen und Demenz in die Heilanstalt Weissenau, wurde von dort 1940 “verlegt” nach Grafeneck und dort direkt nach ihrer Ankunft in der Gaskammer ermordet. Denn Grafeneck hatte keine Zimmer für die eintreffenden Menschen – es gab nur Garagen, die zu Gaskammern umgebaut wurden. Die Zahl der in Grafeneck von den Nazis Getöteten beläuft sich auf ca. 10.500 bis 11.000 : “Die genaue Zahl ist unbekannt”, so Hildegard Wienand von der Stolperstein-Initiative Feuerbach/Weilimdorf. Die Angehörigen erhielten Sterbeurkunden von Ärzten, die es nicht gab, aus Orten die niemand kannte – teils sogar angeblich in Österreich verstorben – so die Mitteilung der Verantwortlichen.

Katharine Staiger wohnte in der damaligen “Feuerbacher Straße 5” (hier steht heute das Bezirksamt), war 1928 nach einem Sturz vom Heuwagen zunächst in der Heilanstalt Weissenau in Ravensburg – mit der Diagnose “halluzinatorische Demenz”. Am 28. August 1940 wurde sie dort von einem der berüchtigten “Grauen Busse” (siehe drittes Foto von oben) “verlegt” und noch am selben Tag in Grafeneck vergast. Ihre Sohn Otto fiel 1942 im Russlandfeldzug, die Tochter Klara starb kinderlos im Jahr 2007.

Bezirksvorsteherin Ulrike Zoch dankte allen Anwesenden für Ihr Kommen mit den Worten “diese Stolpersteine sollen stets Mahnung an uns sein, dass so etwas nie wieder passiert”. Dies sei in der heutigen Zeit wichtiger denn je, wenn man die Geschehnisse der letzten Jahre beobachtet.

Die Stolperstein-Intiative Feuerbach/Weilimdorf wird geleitet von Heinz Wienand – und ist dankbar für Hinweise aus der Bevölkerung, wo und in welchem Haus einst Deportierte und ermordete Menschen lebten. Weitere Informationen gibt es auch im Internet unter www.stolpersteine-stuttgart.de.

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