Ausstellung „Mein Name ist Mensch“ im Bezirksrathaus

(TOM) Im Weilimdorfer Bezirksrathaus ist noch bis 16. Februar 2024 die Ausstellung „Mein Name ist Mensch“ zu sehen. Entstanden ist die Ausstellung anlässlich des 75-jährigen Jubiläums der Erklärung der Menschenrechte.

„Die Grundpfeiler der Demokratie sind die Menschenrechte, die vor 75 Jahren von der Generalversammlung der Vereinten Nationen beschlossen wurden“, hielt Judith Vowinkel bei der Vernissage fest. Dass es heute wichtiger denn je sei, die Einhaltung der Menschenrechte lautstark einzufordern, zeige die aktuelle Situation weltweit. Die heutige Zeit sei geprägt von zunehmender Gewalt, Rassismus, Antisemitismus und Antifeminismus, Rechtsradikalismus Konflikten und den Kriegen in der Ukraine und im Gazastreifen. „Die Verunsicherung in der Gesellschaft ist groß und äußert sich in Form von Zukunftsängste und auch irritierende Demokratiemüdigkeit. Es herrscht inzwischen ein großes Misstrauen gegenüber dem Staat und denen da oben und gleichzeitig eine Radikalisierung in den sozialen Medien. Den populistischen Parolen verfallen viele, weil sie die Einfachheit traditioneller Werte suchen in einer zu komplex gewordenen Welt.“

Die Kampagne vom Wert der Menschenrechte und die Ausstellung „Mein Name ist Mensch“ solle quer durch die Republik vielerorts informieren, motivieren und zu Gesprächen einladen, so Vowinkel weiter. Nach Weilimdorf gekommen sei die Ausstellung durch ihren Kontakt zu Peter Grohmann von den AnStiftern.

Von Grohmann kam die Anregung, die Ausstellung auch in Weilimdorf zu zeigen. Vowinkel hat dafür Kooperationspartner in Weilimdorf gesucht und diese mit der neu gegründeten AWO Ortsgruppe gefunden. Ursprünglich habe sie überlegt, die Plakate zu den 30 Menschenrechtsartikeln mit Grafiken von Jochen Stankowski in leerstehenden Geschäften in Weilimdorf auszustellen, berichtet Vowinkel. Leider sei es sehr schwer gewesen, den Kontakt zu den Vermietern herzustellen. Da sie als ehemalige Betreuungsstadträtin immer noch gute Kontakte ins Bezirksrathaus habe, habe sie hier angefragt und sei gleich auf offene Ohren gestoßen.

Bezirksvorsteher Julian Schahl betonte in seinem Grußwort dann auch die Wichtigkeit der Menschenrechte und wie wichtig es ist, sich für deren Einhaltung einzusetzen. Es sei schön, dass so viele Menschen zu der Ausstellungseröffnung gekommen sind, erklärte Schahl und bedankte sich bei all denen, die es möglich gemacht haben, dass die Ausstellung im Weilimdorfer Bezirksrathaus zu sehen ist. Die Gäste der Vernissage würden mit ihrer Anwesenheit unterstreichen, wie wichtig die Arbeit für die Einhaltung der Menschenrechte ist. „Lassen Sie uns gemeinsam dafür einsetzten, dass Menschenrechte weltweit eine Selbstverständlichkeit sind.“

Wie wichtig das Engagement für die Menschenrechte ganz aktuell ist, machte auch Anstifter und Kabarettist Peter Grohmann in seinem Beitrag deutlich. „Wir gehen in den Reichstag hinein, um uns im Waffenarsenal der Demokratie mit deren eigenen Waffen zu versorgen. Wir werden Reichstagsabgeordnete, um die Weimarer Gesinnung mit ihrer eigenen Unterstützung lahmzulegen. Wenn die Demokratie so dumm ist, uns für diesen Bärendienst Freifahrkarten und Diäten zu geben, so ist das ihre eigene Sache. Wir zerbrechen uns darüber nicht den Kopf. Uns ist jedes gesetzliche Mittel recht, den Zustand von heute zu revolutionieren“, zitierte Grohmann aus einem Artikel von Joseph Goebbels aus dem Jahr 1928. „Ich will damit keine Parallelen zu heute ziehen und auch auf keine Partei verweisen“, erklärte Grohmann weiter, um dann doch gleich Ross und Reiter zu nennen. Und Grohmann mahnte alle jetzt lautstark für die Demokratie einzustehen – miteinander zu reden und nicht zu streiten, sondern gemeinsam zu überlegen, wie wir die Demokratie stärken können. Der Kabarettist machte auch deutlich, dass Demokratie kein Selbstläufer ist, sondern von den Menschen erhalten werden muss. Das Klügste sei ein Mensch, der immer wieder aufsteht, das Beste sei, ein Mensch zu bleiben und sich nicht wegzuducken.

Zu Ausstellung erklärte Vowinkel, dass Stankowski die einzelnen Menschenrechte mit grafischen Motiven gekoppelt habe. Dabei verwende er ausschließlich grafische Grundformen wie Linien, Balken, Flächen und Punkte. Manche Plakate seien bunt, andere eher zurückhaltend gestaltet. Allen Motiven ist aber gemeinsam, dass sie den jeweiligen Menschenrechtsartikel sehr treffend beschreiben. „Durch die Motive spricht etwas mit uns, ohne dass etwas im Sinn eines Abbilds gezeigt wird“, beschrieb Vowinkel die Arbeiten sehr deutlich und nannte anschließend alle 30 Artikel vom Recht auf „Freiheit, Gleichheit, Solidarität“ über das „Verbot der Diskriminierung“ über das „Verbot der Folter“, die „Gedanken-, Gewissens-, und Religionsfreiheit“, die „Meinungs- und Informationsfreiheit”, die „Versammlungs- und Vereinigungsfreiheit“ oder das „Recht auf Bildung“. Vowinkel machte an der Stelle auch deutlich, dass die Erklärung der Menschenrechte ein Ideal ist, an dem sich alle orientieren sollen.

Einen Bezug zu den Menschenrechten finde man auch in Weilimdorf durch die Straßennamen in der Reisachsiedlung: Forian Geyer-, Wendelin Hippler-und Huttenstraße. Sie alle seien Bauernführer gewesen im Bauernkrieg nach dem auch die zwölf Artikel der Bauernschaft 1525 niedergeschrieben wurden. Diese gelten nach der Magna Carta von 1215 als eine der ersten niedergeschriebenen Forderungen nach Menschen- und Freiheitsrechten in Europa.

„Wir wollen mit der Ausstellung wachrütteln, dass sich die Geschichte von 1933 nicht wiederholt“, hielt Vowinkel in ihrem Schlusswort fest, erwähnte noch einmal Goebbels Artikel über die Dummheit der Demokratie. und machte an der Stelle noch einmal deutlich, dass die Stärken der Demokratie auch ihre Schwäche sind. „Ihre Freiheiten und Institutionen können von allen genutzt werden – auch von ihren Gegnern.“ In Deutschland gebe es erneut Feinde der Demokratie, die ihre parlamentarischen Mandate nutzen, um andere Politikerinnen und Politiker, Parlamente und Verfassungsgerichte verächtlich zu machen – Parteien die Missgunst und Hass predigen würden als habe es unsere Vergangenheit nie gegeben. „Bitte stehen Sie auf für unsere Demokratie, setzen Sie Zeichen und zeigen Sie Zivilcourage“, schloss Vowinkel ihre Ausführungen und lud alle ein, die Ausstellung anzusehen und ins Gespräch zu kommen. „Es würde uns freuen, wenn Schulen die Ausstellung für ihre pädagogische Arbeit nutzen“, ergänzte Vowinkel. Vertreter von Schulen könnten sich auch gerne bei ihr melden.

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