Stolperstein Emma Schwab in Weilimdorf

Stolperstein für Emma Schwab in der Glemsgaustraße verlegt

Stolperstein Emma Schwab in Weilimdorf(RED) Rund 90.000 „Stolpersteine“ wurden seit dem 16. Dezember 1992 in Europa von Gunter Demnig und seinem Team in Zusammenarbeit mit lokalen Stolperstein Initiativen verlegt – in Weilimdorf sind es seit dem 4. März 2022 nun 13. Dieser wurde in der Glemsgaustraße 27, heute der Polizeiposten, eingesetzt.

Hildegard Wienand (links) und Elke Martin (rechts)
Hildegard Wienand (links) und Elke Martin (rechts)

Heinz und Hildegard Wienand von der Stolperstein-Initiative Feuerbach-Weilimdorf haben zusammen mit Elke Martin lange Zeit über die Geschichte von Emma Schwab recherchiert, für die dieser Stolperstein nun verlegt wurde.

Richard Detlef Jensen„Elke Martin unterstützt uns seit langem bei den Recherchen zu den Opfern des Nationalsozialismus im Raum Stuttgart. Sie erforscht schwerpunktmäßig die Schicksale von Sinti und Roma, aber auch der Euthanasie. Bei ihren Forschung stieß sie auf Emma Schwab aus Weilimdorf“, so Hildegard Wienand eingangs nach der musikalischen Begrüßung, die Richard Detlef Jensen mit dem Saxophon und dem Lied “Midnight in Moscow” einfühlsam darbot. Den Titel hat Jensen übrigens bewusst im Ansinnen an den Krieg in der Ukraine gewählt.

Gasthaus Schwab. Foto Archiv Weilimdorfer Heimatkreis
Gasthaus Schwab 1910. Foto Archiv Weilimdorfer Heimatkreis

Emma Schwab, geboren am 1. Dezember 1894, war die Tochter von Heinrich Schwab, Metzgermeister und Kronenwirt in Weilimdorf in der heutigen Glemsgaustraße 27. Das Gasthaus wurde Anfang der 1970er abgerissen und durch den modernen Bau mit dem Polizeirevier ersetzt, heute der Polizeiposten im Ort. 

Die "Krone" kurz vor dem Abriss Ende der 1960er Jahre. Foto: Archiv Weilimdorfer Heimatkreis
Die “Krone” kurz vor dem Abriss Ende der 1960er Jahre. Foto: Archiv Weilimdorfer Heimatkreis

Emma Schwab hatte eine schwierige Kindheit, ihr Vater starb 1908 mit 65 Jahren. 1925 hielt sie die häusliche Situation in der Familie nicht mehr aus und arbeitete an verschiedenen Anstellungen in Weilimdorf, Bad Cannstatt und in Stuttgart. Es ist bekannt, dass sie zunehmende Angstzustände entwickelte und so häufig die Wohnung wechselte Ihre letzte Stellung bei einer Gärtnerei endete durch Selbstkündigung am 25. September 1931, mit selbigen Tag ist die Aufnahme im Bürgerhospital belegt, so dass vermutet werden kann, dass sie sich aus eigenem Willen in ärztliche Behandlung begab.

Gunter Demnig verlegt den Stolperstein für Emma SchwabNach kurzem Aufenthalt im Bürgerhospital wohnte sie bis 1940 in der „Heilanstalt“ Christophsbad in Göppingen. Die Diagnose damals war Schizophrenie. Nur sechs weitere Monate verbringt sie noch in der „Heilanstalt“ Weinsberg, von wo sie am 10. Dezember 1940 in die Menschenvernichtungsanstalt Grafeneck „verlegt“ und dort am gleichen Tag noch ermordet wurde.

Gunter Demnig verlegt den Stolperstein für Emma SchwabAuf dem von Gunter Demnig abschließend eingebrachten Stolperstein für Emma Schwab steht als letzte Zeile “Aktion T4”. Die Einsatzzentrale für die Krankenmorde im Rahmen der „Euthanasie“ befand sich in Berlin in der Tiergartenstraße 4 („T4“). Allein 1940 wurden in Grafeneck 10.654 Menschen direkt bei der Ankunft vergast und ermordet.

Gunter Demnig, Foto GOEDE
Gunter Demnig

Bis heute sind die Vorgänge der zentralen „Euthanasie“ nur in Ansätzen erforscht, vieles, so lässt sich vermuten, wird auch nicht mehr zu klären sein. Diese nüchterne Bilanz kann weder angemessen das Leid der Opfer noch der Überlebenden oder Angehörigen thematisieren. Eine Anerkennung als Opfer von NS-Unrecht, eine angemessene Entschädigung und eine angemessene Form der Erinnerung wurden über Jahrzehnte verweigert. In Berlin wurde erst 2014 an der Tiergartenstraße 4 eine nationale Erinnerungsstätte für die Opfer der NS-„Euthanasie“ errichtet.

Gunter Demnig im GesprächDer sonst als “wortkarg” und zurückhaltend bekannte Demnig stand den Zuhörern der Stolperstein-Verlegung nach getaner Arbeit noch für Gespräche und Fragen zur Verfügung. So tat er kund, frisch von Corona genesen, dass sein Junggeselldasein nach 69 von 74 Jahren zu Ende gegangen sei – und seine wesentlich jüngere Frau, die in vielen Städten und Dörfern Europas stellvertretend für ihn Stolpersteine verlegt, sich immer wieder anhören darf „der Gunter kann das aber schneller“. Die Sorge um Gesundheit und Alter hat im übrigen bereits 2015 dafür gesorgt, dass Demnig sein Lebenswerk in eine Stiftung übertragen hat, die „Stiftung – SPUREN – Gunter Demnig“. Denn 90.000 Stolpersteine sind erst eine kleine Zahl, auch wenn sie gewaltig klingt: Die Opferzahlen der Nationalsozialisten durch Rassismus, Euthanasie und Holocaust gehen bekanntlich in die Millionen.

Die übrigen 12 Stolpersteine in Weilimdorf befinden sich übrigens vor der Lindenbachstr. 59, der Widdumhofstr. 34, der Solitudestraße 283, der Goslarer Str. 111, der Drostestr. 6, der Pforzheimer Str. 333, der Dachtlerstr. 5, der Kimmichstr. 17 / Hopplaweg, dem Löwen-Markt 1, und der Fehrbelliner Str. 57. 

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