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Die oberschlesischen Wurzeln der „Gabor“-Schuhe

Die Stadt Rosenheim gilt als die heimliche Welthauptstadt der Schuhe. Schuld daran ist die Firma Gabor Shoes AG, deren Hauptsitz in der bayerischen Stadt zu Hause ist.

Einen Einblick in die Geschichte des Schuhherstellers, bot vor kurzem die Landesfrauenreferentin der Schlesier, Henriette Kirchner, die beim Monatsnachmittag der Sudetendeutschen Landsmannschaft Weilimdorf zu Gast war.

So erzählte Henriette Kirchner von den Anfängen des Unternehmens, das heute zu den größten Schuherstellern Europas zählt. Bereits 1919 gründeten Pius Gabor und seine Frau im oberschlesischen Groß Strehlitz ein Schuhgeschäft mit Maßanfertigung und führten es zu ansehnlicher Größe. Die Gabors hatten 5 Söhne, wovon später die Brüder Joachim und Bernhard Gabor zu Neugründern des Unternehmens wurden. Zunächst wurde jedoch am Ende des Zweiten Weltkrieges das Elternhaus zerstört und das Ehepaar Gabor mit in den Tod gerissen. Da der Schutt des zerstörten Hauses mit samt den Toten zusammengeschoben wurde, gibt es bis heute kein Grab der Gründer der Firma Gabor in Groß Strehlitz. Nach der Flucht aus Oberschlesien, begann der damals 18-jährige Joachim Gabor im Jahre 1947 im thüringischen Saalfeld mit der Herstellung von Schuhen. Zusammen mit seinem Bruder Bernhard, gründete Joachim Gabor dann im Jahre 1949 in Bramstedt bei Hamburg die Firma „B.&J. Gabor Damenschuhfabriken“, die Maschinen dazu waren zuvor auf abenteuerliche Weise aus Thüringen in den Westen gebracht worden. Henriette Kircher erzählte, dass als Startkapital die goldene Sprungdeckeluhr des Großvaters Pius Gabor gegen eine Singer 34, eine Steppmaschine, getauscht wurde. Und mit den „Jedermann-Schuhen“, wurde die erste Produktion gestartet. 1952 entstand dann die erste Fabrik in Barmstedt. Es folgte später ein weiteres Werk und durch den großartigen Erfolg des Schuhherstellers, konnte in den 60er Jahren auch im Ausland produziert werden. Inzwischen wurden die „Gabor“-Schuhe auch von prominenten Zeitgenossen wie Marylin Monroe, Audrey Hepburn und den „Beatles“ getragen und der Erfolg setzte sich fort. 1965, als Schuhfachleute aus aller Welt die Firma Gabor wegen seiner beispielhaften Fertigungsmethoden besuchten, wurde dann der Grundstein für den neuen Firmensitz im bayerischen Rosenheim gelegt. Die Landesfrauenreferentin der Schlesier wusste dazu interessante Details zu erzählen. So hatte Firmengründer Joachim Gabor der Gemeinde Rosenheim für die Ansiedlung seiner Firma zur Bedingung gestellt, dass er mit seiner Belegschaft von 60 Familien sich in Rosenheim niederlassen wolle und er eine dementsprechende Infrastruktur für seine Fachkräfte erwarte. Natürlich gab es dazu Proteste aus der Rosenheimer Bevölkerung. Doch mit einem Investitionsvolumen von 3,5 Millionen DM und der Zusage, 350 bis 400 Arbeitsplätze zu schaffen, beginnt im Jahre 1966 die Schuhproduktion in Rosenheim. Hatten andere Schuhhersteller mit den Billigimporten aus Asien zu kämpfen, so expandierte Joachim Gabor dank seiner verschiedenen Schuhprogramme mit seiner Firma und baute weitere Produktionsstandorte in Europa. Die Firma Gabor, ursprünglich durch die Herstellung von hochwertigen Damenschuhen bekannt geworden und inzwischen unter der Leitung von Achim Gabor ein Arbeitgeber für 3000 Menschen, stellt heute neben dem Schuhwerk für die Damen auch Herrenschuhe, Kinderschuhe, Hausschuhe und Handtaschen her und verkauft jährlich etwa 7,8 Millionen Paar Schuhe. So wurde aus dem einstigen kleinen Schuhgeschäft des Pius Gabor im oberschlesischen Groß Strehlitz im Laufe der Jahrzehnte einer der führendsten Damenschuhhersteller Europas.

Foto (Heisig): Ortsobfrau Waltraud Illner (links) bedankt sich bei der Landesfrauenreferentin der Schlesier, Henriette Kirchner, für ihren Vortrag über die Geschichte der „Gabor“-Schuhe.

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