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Gerlingen, die Schillers und Schloss Solitude

Auch wenn das Schloss Solitude heute auf Stuttgarter Gemarkung liegt, so verbindet doch Gerlingen sehr viel mehr mit der von Herzog Carl Eugen erbauten Eremitage, als allseits bekannt ist.

Deshalb war der Leiter des Gerlinger Stadtarchivs und Landtagsabgeordnete, Klaus Herrmann, auf Einladung von Obfrau Waltraud Illner zum Monatsnachmittag der Sudetendeutschen Landsmannschaft Weilimdorf ins „Haus der Begegnung“ nach Giebel gekommen, um Geschichten und Anekdoten aus der gemeinsamen Zeit von Gerlingen und Schloss Solitude zu erzählen.

Klaus Herrmann beleuchtete dabei weniger die Historie des Schlosses selbst als vielmehr die Geschichten, die sich in den ersten Jahrzehnten der „Solitude“ und den Menschen, die dort lebten, abspielten. Eine besondere Rolle nahm dabei die Familie um den berühmten Dichter Friedrich Schiller ein.
Begonnen hatte alles mit Schloss Solitude jedoch bei einem Ausritt des damaligen Herzogs Carl Eugen, der auf seiner Tour fünf Eichenstämme entdeckte, die aus einer Wurzel herauswuchsen und der sich an dieser Stelle ein Jagdpavillon errichten ließ. Daraus entwickelte sich dann Schloss Solitude, dessen Grundstein am 15.November 1763 gelegt wurde und deshalb dieses Jahr den 250.Jahrestag dieses Ereignisses feiern kann. Vom Oberamt Leonberg zum Frondienst verpflichtet, mussten Weilimdorfer und Gerlinger den Bau des Schlosses verwirklichen. Der Ludwigsburger CDU- Landtagsabgeordnete erzählte dabei von den zahlreichen zwischenmenschlichen Problemen, zu denen es aufgrund der Einquartierung der Fröner bei Gerlinger Familien gekommen war. Auch das die Gerlinger Handwerker noch viele Jahre nach Einzug des Herzogs in das Schloss auf die Begleichung ihrer Rechnungen warten mussten, wusste Klaus Herrmann aus den Archivunterlagen zu berichten.

Als Herzog Carl Eugen das Interesse an seiner Sommerresidenz verlor und dieses aus zwischenmenschlichen Gründen nach Schloss Hohenheim verlegte, begann auf Schloss Solitude die Zeit von Johann Caspar Schiller, dem Vater des Dichters Friedrich Schiller. Zu der damaligen Zeit lebten etwas mehr als 700 Menschen auf der „Solitude“, die, wie das Schloss selbst, Gerlingen zugeordnet war. Und da die Familie des berühmten Dichters Friedrich Schiller die längste Zeit ihres Lebens auf Schloss Solitude verbrachte, nennt sich die Stadt Gerlingen seit dem Jahr 2005 „Heimat der Familie Schiller“. Herzog Carl Eugen hatte nämlich Johann Caspar Schiller zum Leiter der herzoglichen Hofgärten von Schloss Solitude ernannt, einer riesigen Gartenanlage um das Schloss, zu der neben Orangerie Häuser auch sechs Seen mit gestautem Regenwasser zählten. War der berühmte Sohn des Hofgärtners, Friedrich Schiller, bereits als Schüler der Karlsschule, einer Eliteschule für Söhne aus angesehenen württembergischen Familien, auf der „Solitude“ gewesen, so machte der Dichter auf dem Schloss von nun an noch öfters Station, um bei seinen Eltern vorbeizuschauen. Klaus Herrmann, für den als Leiter des Gerlinger Stadtarchivs sein Hobby zu einer erfüllenden Nebentätigkeit wurde, wusste dazu noch viele nette Geschichten und Anekdoten zur „Schillerzeit“ auf Schloss Solitude zu erzählen. So berichtet eine dieser schönen Anekdoten schließlich davon, dass der Räuber namens Schweizer aus dem berühmten Drama Friedrich Schiller`s „Die Räuber“, ein Gerlinger gewesen sein muss. So habe der Gerlinger Waldschütz zu Zeiten des Hofgärtners Johann Caspar Schiller`s auch Schweizer geheißen, weshalb der Gerlinger Stadtarchivar Herrmann daraus schließt, dass der Hofgärtner Schiller bei seiner Tätigkeit wohl auch dem Waldschütz Schweizer begegnet sein musste und sein Sohn, der Dichter Friedrich Schiller, bei einem seiner Besuche bei seinem Vater den Namen „Schweizer“ aufgeschnappt und es dann für sein literarisches Werk verwendet habe. Auch wenn es dafür keine Beweise gebe, spreche doch viel dafür, dass der Gerlinger Waldschütz Schweizer zum Namensgeber des Räubers in Schiller`s Werk geworden ist, meinte Klaus Herrmann abschließend.

Foto (Heisig): Obfrau Waltraud Illner bedankt sich beim Leiter des Gerlinger Stadtarchivs und Landtagsabgeordneten, Klaus Herrmann für seinen interessanten Vortrag über die Geschichte von „Gerlingen und Schloss „Solitude“.

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